Non binary

Früher trugen Männer, die rebellierten, lange Haare. Heute nennen sie sich „nonbinär“ und machen sich einen Spaß daraus, andere rätseln zu lassen, welches Geschlecht sie haben – und sie haben eins. Von zwei.

Sie nennen sich also „nonbinary“, da sie es nicht einsehen, als Mann ein Leben lang malochen zu gehen. Das ist männlich, aber sie wollen sich nicht als Mann identifizieren. Oder als Frau. Sie glauben, dass „Mann“ oder „Frau“ als Kategorien zu einengend wären, ihnen nicht gerecht werden. Aber die Rebellen mit langen Haaren waren auch Männer. Haare oder der Wunsch, Kleider zu tragen, machen aus einem Mann keinen „nonbinary“. Die Begriffe Mann und Frau umfassen in aller Unterschiedlichkeit (beinahe hätte ich Vielfalt geschrieben, würg) einfach Menschen, die bestimmte Keimzellen produzieren; was diese Menschen sonst machen, spielt dabei keine Rolle. Die „nonbinary“ haben ein Bild von Mann oder Frau, welches weit über die Funktion als Keimzellenproduzenten hinausgeht, und mit dem sie sich nicht identifizieren können. Menschen, die Charaktereigenschaften teilen, die dem Klischee nach nur beim anderen Geschlecht vorkommen, nehmen nicht dieses Geschlecht an und geben ihr eigenes auf. Ein Mann, der zu häuslicher Gewalt neigt, ist trotzdem keine Frau (häusliche Gewalt geht überwiegend von Frauen aus) oder „nonbinary“. Ein Mensch, der auch schnittige Autos steht, ist nicht automatisch ein Mann, genauso wenig wie einer, der bei Fußballspielen mitfiebert. Es gibt zwar Tendenzen, was bei Mann oder Frau eher vorkommt, aber das determiniert nicht ihr Geschlecht, bestes Beispiel: Schwule sind keine Frauen und Lesben keine Männer, und sie sind auch nicht nonbinary, nur weil sie sich davon abheben, was der Norm nach einen Mann und eine Frau ausmacht – nämlich vom anderen Geschlecht sexuell angezogen zu sein.

Diejenigen, die davon sprechen, sie wären „nonbinär“, denken selber in verkrusteten Geschlechterkategorien, da sie den Geschlechtern auf klischeehafte Weise Eigenschaften zuordnen, die sie bei sich selbst nicht ausmachen, woraufhin sie sich als davon übergeordnet betrachten: „nonbinary“. Sie sind die eigentlichen Sexisten (also genau das, was sie bei anderen ausmachen): „Männer sind so und so, ich aber nicht, ich bin nonbinary!“

Weiterhin ist jeder „nonbinary“. Denn einen Menschen, der zu 100% alle Geschlechterklischees erfüllt – immer, in jeder Situation -, gibt es wahrscheinlich nicht. Somit, da keiner in dieses schwarz-weiße, also binäre, Raster passt, ist also jeder „nonbinär“.

Aber wer nonbinäry ist, ist hipp, ist modern. Andere sind binär, was heißt: rückständig. Sie werden in die Nähe jener gerückt, die nur schwarz-weiß denken, hätten also ein reaktionäres Weltbild, welches sie in starren, verkrusteten Strukturen leben lassen würden. Es ist eine abfällige und beleidigende Sichtweise auf die „Normalos“.

8 Gedanken zu „Non binary

  1. Feyla Tweena

    Ich bin kein Fan von dir, ich lese deine Blogeinträge trotzdem, weil ich gerne die „andere“ Sichtweise verstehen will (und weil du erfreulich häufig schreibst und das super in meine Alltagsroutine passt, vorm Arbeiten lese ich gerne einen Blogbeitrag).
    Diesmal hast du es zum ersten Mal geschafft, einen Beitrag zu verfassen, dem ich fast vollständig zustimmen kann.
    Einzig der Teil mit der häuslichen Gewalt, von wem die häufiger ausgeht… aber da es darum nicht geht ist das auch in diesem Kommentar nicht das Thema.
    Ich möchte dir nur gratulieren, denn du hast sehr treffend in Worte gefasst, was ich immer denke, aber noch nicht so gut artikulieren konnte.
    Es spielt keine Rolle, was man mag, wie man sich verhält, wie man sich gibt, das ändert das Geschlecht nicht, das sollte absolut egal sein.
    Als Konsequenz bin ich dafür, den Geschlechtseintrag völlig abzuschaffen, lediglich in der medizinischen Akte sollte das Geschlecht noch stehen, denn in der Medizin ist das Geschlecht sehr wichtig, ein weiblicher Körper braucht eine andere Dosierung des Herzmedikaments als ein Männlicher – auch wenn jemand aus der Klitoris einen Penis modelliert hat.
    Bei der Wahl des Partners spielt es natürlich auch noch eine Rolle, welches Geschlecht das gegenüber hat, ich persönlich stehe auf Penisse und kann mit Vulven nichts anfangen, außerdem sind unterschiedliche Geschlechter in der Partnerschaft bei Kinderwunsch wichtig. Aber mei, es kann durchaus Teil der Datingphase sein, das (biologische) Geschlecht des Gegenübers herauszufinden. Und ehrlich gesagt: in den allerallerallermeisten Fällen erkennt man doch auch heute noch, wer Frau ist und wer Mann.

    Wie denkst du darüber, den Geschlechtseintrag zu streichen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Fee

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Kein Fan von mir? Wie bist Du hier reingekommen? Der Türsteher ist gefeuert.

      Das Bestreben, den Geschlechtereintrag streichen zu lassen oder ihn mit Fantasiegeschlechtern aufzublähen, sehe ich als Teil der Strategie, „Gender-Trouble“, also Geschlechterärger und -verwirrung zu stiften, generell die Menschen über ihre Geschlechteridentität zu verunsichern. Hier ist dies relativ harmlos, schlimm ist es dort, wo kleine Kinder nicht wissen, ob sie Mann oder Frau werden wollen.

      Antwort
    2. Mathematiker

      „Als Konsequenz bin ich dafür, den Geschlechtseintrag völlig abzuschaffen,“

      So etwas hatte ich mir auch schon überlegt.
      Das würde vllt sogar den Sexismus bei der Wehrpflicht beenden.
      Allerdings gibt es zu viele Bereiche, wo das noch vonnöten ist.
      Lebensversicherungen(Sterbetafeln), Krankenversicherung, Medizintests (bei Frauen oftmals zu ungenau und auch zu gefährlich), Wehrpflicht (damit man weiter Männer opfern kann), als Identitätsmerkmal für die Erfassung durch Staat/Behörden/Polizei/Justiz, für die unterschiedlichen Renteneintrittsalter.

      Antwort
    3. Sepp

      Hi Feyla,
      als Informatiker sah ich früher die Streichung des Geschlechtseintrags als die ultimative Lösung aller beidseitig vorhandenen Diskriminierungen. Denn nach Daten, die nicht vorhanden sind, kann nicht gefiltert werden, kann nicht selektiert und unterschieden werden. Größtenteil sehe ich das immer noch so, denn was geht es den Staat an, welche Form von Samenzellen ich besitze? Es gibt jedoch Bereiche, in denen ich es doch für wichtig halte: Das ist zum einen die Ehe, die ich klassisch als Schutz für die Kinder interpretiere, da sie deren Versorgung- und Erbschaftsansprüche regelt, sowie den Kindern eine Geschichte und Identität gibt: Hier ist es wichtig zu wissen, wer der Vater, wer die Mutter ist, und als Einrichtung für das aus den beide unterschiedlichen Samenzellen entstandenen Kind ist das Geschlecht hier aus meiner Sicht eben nicht egal. Zum anderen halte ich es für wichtig, dass sich Kinder selbst sehr früh im Klaren sind, zu welcher der beiden Kategorien sie gehören. Denn dann können sie das Beste für sich daraus machen. Denn eines wird nie der Fall sein: Der komplett funktionale Wechsel zur anderen Seite, hier geht nur eines: Unfruchtbarkeit. Und das sollte nicht hinter Beliebigkeit versteckt sein.

      Antwort
    4. uepsilonniks Autor

      Ich noch mal: Charaktereigenschaften, bei der eine Position auf einem Spektrum vielleicht als „nonbinär“ identifiziert werden, sind genau das: Charakter-eigenschaften, keine Geschlechtereigenschaften. Die Genderisten, die davon sprechen, es gäbe soviele Geschlechter wie Menschen, meinen Persönlichkeiten. Es gibt soviele Persönlichkeiten wie Menschen.

      Die Kinder des Türstehers sind verhungert. Du bist schuld.

      Antwort
  2. Pingback: Non binary - Aufklärung heute

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s