Diese Momente, in denen ich mich frage, ob ich ein Heuchler bin – zur Psychologie des Mann-Frau-Verhältnisses

Ich äußere einen anerkennenden Satz über Kurdinnen, die ihr Leben und Schlimmeres riskieren, da sie mit der Waffe in der Hand gegen den IS kämpfen. Schlimmeres, da man dem muslimischen Glauben nach nicht ins Paradies eingeht, wenn man durch die Hände einer Frau stirbt. Deshalb pflegen diese muslimischen Fanatiker eine besondere Abneigung gegen diese Frauen, weshalb sie ihnen im Falle einer Gefangenenschaft besonders übel mitspielen, und die verbrennen auch so schon Menschen bei lebendigen Leib.

Und dann denke ich mir: „Heuchelst Du das gerade?“ Denn eigentlich bin ich nach Mainstreamauffassung ein Hardcore-Frauenfeind, da ich nicht der Mainstreamauffassung anhänge, dass Frauen die besseren Menschen wären (und dieser Kontrast lässt mich als frauenfeindlich scheinen).

Ich habe den Weißen-Ritter-Komplex schon mal angesprochen: Es fühlt sich einfach toll an, für die holde Weiblichkeit in die Schlacht zu ziehen, das habe selbst ich. Man wird dafür belohnt, also jetzt nicht mit klingender Münze, Hardware, sondern durch Software, so ein gutes Gefühl, das man dabei hat – manch einer wichst auf sich selbst, weil er sich so geil dabei vorkommt, denn wer ist schon Pro-Frau? Also, bis auf alle jetzt? Ist das nicht was Besonderes, was besonders tolles?

Ok, wenn eine Schrupp um die Ecken kommt, und meint, man sollte Väterrechte gänzlich abschaffen und Mutterschaft über Steuern finanzieren, dann widerspricht vielleicht hier und dort noch jemand, sprich: Man ist nicht feministisch genug im Pro-Frau-Sein – mal abgesehen davon, dass wenn eine Frau unbedingt „alleinerziehend“ werden will, sie sich dieses Lebensmodell finanzieren lassen und den Vater ausgrenzen kann, kein Problem, da ist die schruppsche Forderung weitestgehend durchgesetzt. Ansonsten checken nur Minderbemittelte nicht, dass z.B. Vergewaltiger geächtet sind, bei Männern vermutlich mehr als bei Frauen. Oder der Typ, der davon berichtet, dass ein Prozess gegen ihn läuft. Warum? Er hat einem Kerl, der eine Frau „sexuell belästigt“ hat, seinen Bierkrug ins Gesicht gerammt. Und wie er das so erzählt, merkt man deutlich: Er platzt vor Stolz, er ist einer von den Guten, Yeah!

Umgekehrt herrscht ein massiver Psychodruck, nichts zu sagen, was Frauen verärgern könnte. Probier es bei Gelegenheit mal aus! Sage: „Die Frau zu Hause ist privilegiert zu Lasten ihres Mannes!“ Nein, als mieser Misogynist will man wahrlich nicht dastehen.

Und so ist man auf Kurs, dazu geschmeichelt und genötigt mit Psycho-Zuckerbrot und Psycho-Peitsche, eine Gesellschaft gestaltend, in der man als erstes weibliche Interessen bedient.

Das kann aber für Frauen auch unangenehm werden, dann nämlich, wenn sich so ein weißer Ritter einbildet, er wisse besser, was für Frauen besser wäre. Wenn er Frauen „erziehen“ will. Oder diese Feministin, die feministisch-männliche Bevormundung anprangert – denn das Motiv, jemanden helfen zu wollen, basiert auf der Überzeugung, dass sich jemand nicht selbst helfen kann, und dann macht man ihm Vorschriften, ein Übel nicht nur im Feminismus.

Bin ich jetzt ein Heuchler? Der Heuchler weiß, dass er heuchelt, anders als der Bigotte, dem seine doppelten Maßstäbe nicht bewusst sind. Ich bin kein Heuchler. Meine Anerkennung für die Kurdinnen oben ist echt, ich glaube nicht, dass ich mich das trauen würde, mich diesen brennenden Rachegelüsten aussetzen würde.

2 Gedanken zu „Diese Momente, in denen ich mich frage, ob ich ein Heuchler bin – zur Psychologie des Mann-Frau-Verhältnisses

  1. Vagabund

    Ich denke, das ganze Problem löst sich sofort auf, wenn man sich von der Vorstellung trennt, es gäbe ‚Die Frauen‘. Ich bin zu Frauen und Männern nett und freundlich, respektiere sie etc. wenn sie anständig sind. Treffe ich auf Feministen packe ich sofort meine Waffen aus und lege los – intellektuell, versteht sich. Denn ‚Die Frauen‘ gibt es genau so wenig wie ‚Die Männer‘ , da bin ich mir sicher.

    Antwort

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