Archiv der Kategorie: Diskurs

Ein zorniger Freund, oder: Müssen sich Frauen von Feministinnen distanzieren?

…auf diese Frauen…. kann man bauen…

Kürzlich hatte ich eine interessante Erfahrung mit einem Freund. Er kennt meine Position als Männerrechtler, weshalb wir uns früher öfter mal gezofft hatten. In einigen Positionen stimmte er mit mir überein, so durchschaute er die Lohnlüge, bei anderen Themen hingegen gerieten wir uns in die Wolle. Grundsätzlich ist für ihn Geschlechterkrieg kein großes Thema, Migration und verfehlte Energiepolitik nimmt er als größere Bedrohungen wahr.

Ich hatte längere Zeit keinen Kontakt zu ihm und neulich dann eine überraschende Wende. Jedenfalls unterhielten wir uns über Kollektivschuld, und dass man zwischen Muslimen und Islamisten unterscheiden müsse wie zwischen Frauen und Feministinnen.

Darauf hin er, und er war wirklich aufgebracht: „Frauen haben sich von Feministinnen zu distanzieren, da die im Namen der Frau sprechen!!!“

Ok, offenbar machen die Massenmedien einen besseren Job als ich. Ich werde ihn irgendwann mal fragen, was dazu führte, dass er jetzt zu so einem offensiven Statement kommt.

Aber müssen sich Frauen von Feministinnen distanzieren? Muss ich mich von Maskulisten distanzieren? Manche Feministen sagen, als Mann hätte ich mich schon von Männern zu distanzieren, wegen Gewalt und so. Luise Pusch findet das zum Beispiel. Auch findet sie, dass man Buben Wunden zufügen sollte – im Namen der Frau also. Mal davon abgesehen, dass auch ansonsten Frauen gewalttätig sind, sagt kein Schläger: „Ich misshandle meine Frau im Namen des Mannes!“. Dann sähe ich einen Grund, auf Abstand zu gehen. Schätze aber, das muss jeder selbst entscheiden… äh nee, Männer vergewaltigen ja im Namen des Mannes. Ein paar wenige Vergewaltiger reichen, um alle Frauen zu unterdrücken: Das hat System im Patriarchat! Deshalb:

Pauline Harmange will Männer hassen

Harmange meint, Hass gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe wäre kein Problem, mehr Hass wäre gut: „Wenn nun aber Frauen, auf dieses Übel reagierend, die Gesamtheit der Männer geringschätzten, tue das niemandem weh und im Gegenteil den Frauen wohl.“ Was lässt sich darauf erwidern? Zum Beispiel das hier:

Auch bei dem von Deutschland begangenen Völkermord, dem Holocaust an den Juden im Dritten Reich, lässt sich feststellen, dass die Hemmschwelle zur Gewalt gegenüber männlichen Opfern deutlich niedriger liegt. »Die Offiziere der Einsatzgruppen«, stellte beispielsweise der Holocaustforscher Daniel Jonah Goldhagen fest, »konnten ihre Leute an ihre neue Aufgabe als Ausführende eines Völkermordes gewöhnen, indem sie das Töten schrittweise eskalieren ließen. Dadurch dass man sie zuerst vor allem jüdische Männer im Teenager- und Erwachsenenalter erschießen ließ, waren sie schließlich in der Lage, sich auch an Massenhinrichtungen von Frauen, jungen Kindern und gebrechlichen Alten zu gewöhnen.« Was die Ermordungen von Juden während der ersten Wochen des Unternehmens Barbarossa anging, den Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion, gelangt der Historiker Professor Christopher Browning zu einer ähnlichen Einschätzung.

80123-bt0kde8ciaioxfy

Aber gut, Harmange geht davon aus, dass Männer an der Macht seien, weshalb Hass gegen sie unproblematisch ist. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, gegen Juden zum Beispiel, unterstellt der angefeindeten Gruppe immer, dass sie an der Macht sei. Diese Unterstellung ist aber nur eine Folge des Diskurses. Männern wird in einem männerfeindlichen Diskurs unterstellt, sie seien an der Macht und würden unmoralisch handeln. Dieser Diskurs führt dazu, dass seine Teilnehmer zu der Auffassung gelangen, Männer seien böse und mächtig, welche sie dann wiederum reproduzieren, indem sie zum Beispiel Bücher schreiben, wonach Männer böse und mächtig seien, weshalb man sie hassen sollte.

Dieser falsche Eindruck entsteht auch dadurch, dass männliche Opfer und weibliche Täter ausgeblendet werden, und männliche Täter wie weibliche Opfer betont. Ein gutes Beispiel ist häusliche Gewalt. Harmange findet, Männer seien hassenswert, da sie Frauen Gewalt antun. Damit ist sie voll auf den Diskurs reingefallen. Denn nicht eine, nicht zehn, nicht 50 Studien sagen, dass häusliche Gewalt genauso oft von Frauen ausgeht, es sind hunderte von internationalen Untersuchungen. Zu diesem Diskurs gehört auch, dass man darüber informiert wird, wie oft Männer Frauen töten, aber Zahlen darüber, wie oft Frauen Männer töten, nur schwer bis unmöglich zu finden sind – es ist einfach nicht wichtig.

Frauengewalt wird tabuisiert, auch die, die sich gegen die Schwächsten richtet. Wird ein Kind ermordet, ist sein Mörder in der Regel die eigene Mutter. Ein Grund, Frauen zu hassen? Auch andere Gewalt gegen Kinder geht überwiegend von den Müttern aus. Aber die Ärmsten sind halt überfordert, wie es dann sofort entschuldigend heißt. Väter, die ihre Kinder misshandeln, werden nicht mit Samthandschuhen angefasst. Ein Vater, der schließlich so eine Hölle verließ und damit sein Kind in Stich ließ, berichtet, wie seine Tochter ihm erklärte: „Was Mama früher mit dir machte, macht sie heute mit mir.“

Aber für solche Menschen gibt es kein Hilfe, weil Menschen wie Harmange den Diskurs dominieren. Und erst recht nicht werden Hasskampagnen gegen Frauen gefahren. Keine Bilder, in denen eine bedrohliche Frauengestalt vor einem verängstigtem Kind zu sehen ist. Keine Kampagnen, wonach der gefährlichste Ort für ein Kind bei seiner Mutter ist. Frauen dürfen das.

Frauen dürfen das im Patriarchat. So wie man unter muslimischer Herrschaft lernt, dass Mohammed ein pädophiler Massenmörder war und der Islam ein Verbrechen ist, so lernt man unter patriarchaler Herrschaft, dass eben Männer Verbrecher sind. Finde den Fehler. Was ist das eigentlich, dieses Patriarchat? Ganz einfach: In so einer Gesellschaft arbeiten Männer für Frauen, was dazu führt, dass Frauen weniger arbeiten, was dazu führt, dass sie weniger verdienen und weniger hoch aufsteigen. Und auch Frau Harmange wird nicht ihren Mann ernähren. Und wenn sie durch den Verkauf ihres Buches nun mehr verdient als ihr Mann, wird sie ihn wahrscheinlich verlassen, denn wenn die Frau mehr verdient, hat sie ganz schnell das Gefühl, die Dumme zu sein, die von ihrem Mann ausgenutzt wird. Und dann verlässt sie ihn. Ein Leben lang in Übervollzeit malochen gehen und den Löwenanteil ihres Einkommens an Mann und Kinder abgeben, so selbstlos ist keine Frau.

Auf Männer einzudreschen ist weder originell noch mutig. Es ist das, was man darf und soll. Mutig ist es, dagegen anzuschreiben, weil man damit tatsächlich in Gefahr gerät. Wer als Student keine feministische Sprache anwendet, erleidet Nachteile und gibt damit obendrein zu erkennen, dass er nicht der richtigen Gesinnung anhängt – gefährlich. Ein weiteres willkürliches Beispiel:

Neil Lyndon: Bis Dezember 1990 war Lyndon einer der bestbezahlten und angesehensten Journalisten Großbritanniens, schrieb für die „Times“, den „Independent“ und den „Evening Standard“. Dann veröffentlichte er einen Zeitungsartikel, in dem er eine wachsende Feindseligkeit gegenüber Männern in den Medien beklagte und zur Sprache brachte, dass die zunehmende Kontaktsperre vieler Väter zu ihren Kindern ein schwerwiegen des Problem darstelle. Darüber hinaus vertrat er die Thesen, dass nicht Mädchen, sondern Jungen in unseren Schulen benachteiligt würden und dass das Gesundheitssystem in Fragen wie der Krebsvorsorge nicht Frauen, sondern Männer vernachlässige. Da sein Artikel als Angriff auf die Grundlagen des Feminismus verstanden wurde und allgemeine Einigkeit darüber bestand, dass der Feminismus heilig war, wurde über Lyndon geurteilt, er müsse offensichtlich schwer psychisch gestört sein, moralisch verkommen, impotent, einen zu kleinen Penis haben oder nicht in der Lage sein, eine Frau zu finden. Lyndon war zu diesem Zeitpunkt glücklich verheiratet und hatte einen Sohn. Als er wenig später ein Buch zu demselben Thema herausbrachte, „No More Sex Wars“, erklärten Akademikerinnen, das Buch solle verbrannt und Lyndon erschossen werden. In erster Linie attackierten ihn Menschen, die das Buch nicht gelesen hatten. Ihm wurden Frauenfeindlichkeit und rechtes Gedankengut unterstellt. Infolge dieser ständigen öffentlichen Attacken zerbrach seine Ehe. Seine Frau wendete sich verstärkt dem Alkohol zu und beteiligte sich schließlich an den Angriffen auf ihren (inzwischen) Exmann. Sie erstritt sich das volle Sorgerecht für den Sohn. Unter anderem, indem sie dem Gericht Auszüge aus Lyndons lästerlichen Schriften präsentierte. Gleichzeitig wurde Lyndon beruflich und gesellschaftlich weiterhin ausgegrenzt und sein Einkommen fiel von mehreren tausend Pfund pro Monat auf mehrere hundert. Schließlich musste er Privatinsolvenz anmelden und sein Haus kam unter den Hammer.

Und was die vermeintliche Rape-Culture angeht: Man muss schon unter schweren Wahrnehmungsstörungen in der Filter-Bubble leiden, wenn man unfähig ist, zu erkennen, dass Vergewaltiger auch unter Männern geächtet sind. Deshalb ist Falschbeschuldigung auch kein Kavaliersdelikt.

Oben führte ich den Holocaust an. Warum eigentlich fällt es leichter, Männer zu töten91f27-ff0c6d9e291b11e398ee22000ab78009_7 als Frauen? Das liegt am Empathiedefizit. Man hat mehr Mitgefühlt mit Frauen. Das ist evolutionär hart in unserem Gehirn verdrahtet. Eine Frau ist fortpflanzungstechnisch wertvoller als ein Mann, weshalb es unser biologisches Erbe ist, Frauen mehr als Männern beizustehen, ihr Überleben zu sichern. Deshalb lässt man Männer in Notlagen eher allein. Und nicht nur das: Die Tränen dieser Männer werden wie Champagner geschlürft, männliches Leid bedeutet Freude für Frauen. Männer stellen die Mehrheit der entsorgten Väter, der Selbstmörder, der Obdachlosen. Wären hier mehrheitlich Frauen betroffen, all das wäre ein Thema wie die immer wieder kehrende Lohnlüge. Eine Frage an Harmange: Wenn hier tatsächlich mehr Frauen betroffen wären, wenn Mütter ihre Kinder nicht sehen würden, wenn Frauen in der Männerherrschaft obdachlos unter der Brücke krepieren würden, und man diese zudem noch verhöhnen würde, würde sie Männer dann noch mehr hassen? Und wenn die tatsächlichen Verhältnisse genau umgekehrt liegen, sollten Männer dann langsam mal anfangen, Frauen zu hassen?

Aber nein. So sind wir nicht.

Zum Troll werden

whatdowewant_frauenquotengegner

Männerrechtler sind schon ein umgängliches Völkchen: Selbst wenn einer ihnen mit Massenvernichtungsphantasien gegen Männer kommt, versuchen sie zu argumentieren, warum das falsch und auch nicht witzig ist, anstatt demjenigen einfach nur zu sagen, dass nicht Männer sondern er selbst Abschaum sei.

Ich habe von der ständigen Herabwürdigung der Männer inzwischen so gestrichen die Schnauze voll, dass ich auf sowas immer öfter wie ein Troll reagiere. Es wird geklagt, dass jeden Tag ein Mann versucht eine Frau umzubringen, und jeden dritten Tag gelingt es ihm? Na, warum sind die beiden anderen denn so unfähig? „Warum müsst ihr Männer ständig Frauen misshandeln?“ Na, weil sie es verdient haben! Männer werden in Kollektivhaft genommen, da einige DickPics versenden? Na, ich mache das, weil meiner so schön ist und ich will, dass ihn jede sieht! Und wenn – wie ein Radikalmaskulist vorschlägt – sich mal wieder eine beschwert über ihren Mann, der angeblich ein Schläger sei, dann erklär ihr, was für ein Aas sie sein muss, ihn soweit zu treiben.

013-opinions-internet

Feministen, Sexisten sind für Argumente nicht empfänglich, also zeige ich ihnen den Stinkefinger… oder auch nicht. Denn die Mentalität gegenüber Frauen ist eine ganz andere als zu Männern. Was man bei Männern mit einem Schulterzucken hinnimmt: Suizid, Obdachlosigkeit oder eben auch herabwürdigende Rede, würde bei Frauen nicht akzeptiert werden. Das hat Lucas Schoppe in „Gleichberechtigung beginnt zu zweit“ herausgearbeitet.

Lucas Schoppe zu „toxischer Männlichkeit“ im Feld-und-Festung-Kontext

Lucas Schoppe:

„Leute, erklärt mir, wo ich falsch liege.“ Ich glaube ja, dass diese Verwirrung Sinn der Begrifflichkeit ist. Christian hatte hier ja schon mehrmals Texte zur „Motte-and-Bailey“(Feld-und Festung)-Strategie.https://allesevolution.wordpress.com/2018/04/14/nochmal-feld-und-festung-im-feminismus/

Ich behaupte etwas, was Menschen weiträumig beleidigt, gegen sie hetzt oder womit ich sie sogar bedrohe. Wenn ich daraufhin die erwartbare Kritik erhalte, biete ich eine viel harmlosere Interpretation meiner Behauptung an und verkünde empört und unschuldig, die bösartige Interpretation niemals auch nur für möglich gehalten zu haben.

Erst bewege ich mich also metaphorisch auf einem weiten Feld und greife dort an – und wenn ich daraufhin selbst angegriffen werde, ziehe ich mich in meine diskursive Festung zurück.

Der Begriff „toxische Männlichkeit“ ist dafür regelrecht idealtypisch geeignet. Natürlich kann er ausdrücken, dass Männlichkeit insgesamt irgendwie toxisch wäre, und das betrifft dann auch alle Männer. Das ist unterschwellig, aber deutlich eine faschistoide Bildlichkeit: Die Giftmetapher funktioniert nur, wenn wir unterschwellig einen gesunden Volkskörper voraussetzen, der dann von einer bestimmten Gruppe (Männer halt) vergiftet wird.

Wird aber das kritisiert, werden Nutzer*innen dieser Begrifflichkeit unschuldig erklären, dass es beim Begriff „Männlichkeit“ doch ganz gewiss nicht um Männer ginge (wer kommt denn auf so eine Idee?), sondern um Männlichkeitserwartungen und -konstruktionen. Und die würden ja auch, und gerade, Männern das Leben schwer machen. Die Idee, dass diese Erwartungen möglicherweise vor allem von Frauen entwickelt werden, ist mir dabei allerdings nie begegnet.

Natürlich ist das Quatsch. Ginge es beim Begriff „toxische Männlichkeit“ tatsächlich um Erwartungen, und nicht um reale Männer, dann würden die Nutzer’innen sich anders ausdrücken – sie würden z.B. von „destruktiven Männlichkeitserwartungen“ o.ä. reden.

Fazit: Wer den Begriff „toxische Männlichkeit“ ernsthaft verwendet, ist entweder zu blöd oder zu uninformiert, um zu wissen, was er bzw. sie da eigentlich sagt – oder er/sie verwendet absichtlich eine faschistoide Begrifflichkeit und stellt sich dann unschuldig. Beides lässt keine lohnende Kommunikation erwarten.

Wer hat die Wahrheit? Feministen oder Männerrechtler?

Ist es nicht ziemlich arrogant, sich einzubilden, man sei im Recht, wenn man dabei ein Position vertritt, die der Auffassung der Mehrheitsbevölkerung entgegensteht? Wenn jeden Tag auf allen Kanälen eine Wahrheit kommuniziert wird – im Radio, im Fernsehen, in der Zeitung – die der eigenen Anschauung widerspricht? Kann es sein, dass alle anderen die Geisterfahrer sind und nicht man selbst?

Um der Antwort näher zu kommen, stellt sich die Frage, ob es das überhaupt gibt. Gibt es Beispiele, in denen Einzelne richtig lagen, entgegen der Auffassung der Mehrheit und des jeweiligen Regimes?

Nun gut, die Antwort ist, wie jeder weiß: Ja.

Beispielsweise wäre da Hitlerdeutschland. Humanisten wie die Mitglieder der weißen Rose lagen entgegen dem Mainstream richtig – aus unserer aufgeklärten Sicht.

Oder religiöse Diktaturen: Wer in Saudi Arabien eine Trennung von Kirche und Staat befürwortet, hat eine Mehrheit gegen sich und er riskiert sein Leben, legt er seine Sichtweise offen. Auch der liegt richtig – gegen den Mainstream – ist doch klar!

Ist es das? Wer kann denn garantieren, dass die Nazis falschliegen? Wer kann garantieren, dass Muslime falschliegen, wenn sie im Namen ihres barmherzigen, allverzeihenden Herrn Menschen bei lebendigen Leibe verbrennen? Wer kann garantieren, dass nicht spirituelle Naturfeministen richtig liegen, denen zufolge wir alle in den Schoß der Muttergöttin zurückkehren, wo jeder Anhänger des göttinlästerlichen Patriarchats bestraft wird, da die einzig gerechte Herrschaftsform ein Matriarchat ist, in dem es keine Vater-Kind-Beziehung gibt?

Und damit sind wir beim Feminismus. Der ist nicht einverstanden. Der ist nicht einverstanden damit, dass Männer für Frauen sorgen, was dazu führt, dass Frauen mehr zu Hause bleiben, was dazu führt, dass sie weniger arbeiten, was dazu führt, dass sie weniger verdienen und seltener Chefs sind. Das wusste schon die Hohepriesterin Simone de Beauvoir, die forderte, Frauen dieses Privileg zu entziehen.

Eine ganzheitliche Betrachtung kann das Paradoxon erklären, warum Frauen, obwohl privilegiert, scheinbar schlechter beruflich aufgestellt sind; wie auch, warum Männer, obwohl benachteiligt, öfter Chefs sind.

Im Mainstream aber gilt: Die Frau ist benachteiligt, unterdrückt, Opfer. Der Männer. Diese Prämisse – „Die Frau ist unterdrückt“ – wird nicht bewiesen oder belegt, von ihr wird ausgegangen. Sie bildet die Grundlage für Geschlechterpolitik, Geschlechterforschung und Berichterstattung über die Geschlechter. So wie man in der islamischen Diktatur Saudi Arabien jeden Tag im Fernsehen sieht, dass der Islam ein Verbrechen sei, so hört man in unserer patriarchalen Diktatur jeden Tag im Radio, dass das „Patriarchat“ ein Verbrechen sei.

Indikatoren, die auf was anderes hinweisen, werden umgedeutet:

  • Jungen bleiben in der Schule zurück? Die Machos finden gute Noten uncool und wollen sich nichts von einer Lehrerin sagen lassen!
  • Jungen, Männer begehen öfter Selbstmord? Die können halt aufgrund toxischer Männlichkeit nicht um Hilfe fragen!
  • Trennungsväter werden aus dem Leben ihrer Kinder ausgelöscht? Der Herr Papa hat sich die ganze Zeit nicht gekümmert und erst nach der Trennung fällt ihm ein, dass er Kinder hat!
  • Die meisten Obdachlosen sind Männer? Das „Patriarchat“ ist auch für Männer schädlich!
  • Männer haben eine geringere Lebenserwartung, was bei jeder anderen Gruppe – z.B. Schwarzen – als Indikator struktureller Benachteiligung gewertet wird? Die leben halt so ungesund!

Und so weiter, und so fort. Ein Feminist weiß ganz genauso wie ich umgekehrt, dass er im Recht ist. Er weiß das für sich genauso wie ich für mich. Wie komme ich dazu, mir einzubilden, er läge falsch?

Menschen ändern nicht ihre Meinung. Ok: Nur selten. Jeder hängt seiner Überzeugung an, und wenn er mit dieser zuwiderlaufenden Argumenten konfrontiert wird, findet er sofort – siehe oben – ein Gegenargument. Wenn Du einem Flachweltler sagst, er müsse sich nur in ein Flugzeug setzen, um die Erdkrümmung zu sehen, sagt er dir, dass es sich hierbei um eine optische Täuschung handelt. Wenn selbst so ein Wahn geglaubt wird, wie verhält es sich dann erst bei Streitthemen, in dem die Wahrheit nicht so offensichtlich ist?

Gegenargument schlägt Argument. Solche Debatten kennen kein Ende. Aber um der Antwort auf die Frage, wer im Recht ist, näher zu kommen, kann man von den Inhalten der Diskussion wegkommen und betrachten, wie die Debatte geführt wird.

Der erste Punkt ist, dass Männerrechtler das Gespräch suchen, Feministen nicht. Maskulisten gehen auf feministisches Hoheitsgebiet und versuchen sich dort Gehör zu verschaffe – wo sie zensiert werden. Umgekehrtes findet so gut wie nicht statt. Die einzige Feministin, die sich noch regelmäßig auf der regen Plattform „Alles Evolution“ zu Wort meldet, setzt ganz auf Ignoranz – sie geht so gut wie nie auf das ein, was man ihr entgegnet. Andere Feministen, die sich vor Jahren dort noch blicken ließen, haben das wohl aus Frustration eingestellt.

Zweitens wurden führende Feministen bereits dabei erwischt, wie sie lügen und manipulieren. Damit meine ich nicht einfach nur schlechte Argumente, sondern: Lügen und Manipulationen. Ich denke, wer die Wahrheit auf seiner Seite hat, hat sowas nicht nötig. Dabei zeigen die jeweiligen Feministen Respektlosigkeit nicht nur gegenüber denjenigen, die sie verleumden, sondern auch gegenüber ihrer eigenen Anhängerschaft. Ich persönlich wäre extrem angepisst, würde ich den Paten der internationalen Männerbewegung, Warren Farrell, bei einer solchen Lüge erwischen, wenn er mich manipuliert hätte. Es heißt, dass sich die Wahrheit am Ende immer durchsetzt. Es heißt aber auch, dass die Lüge bereits um die ganze Welt gereist ist, während sich die Wahrheit noch die Schuhe anzieht. Eva Herman ist für viele Zeitgenossen vermutlich immer noch die nicht besonders helle Nazibraut. Ich persönlich wurde schon mit Diskutanten konfrontiert, die auf solche Lügen hereingefallen sind. Auch über mich heißt es beispielsweise, ich sie ein „Frauenhasser,“ womit man sich der Pflicht entledigt, sich auf meine Inhalte und Argumente einzulassen. Auch wird viel mit Strohmännern gearbeitet, wie zum Beispiel das ehemals führende Blog „Mädchenmannschaft.“ Auch hier: Wenn man nicht auf die tatsächliche Position des diskursiven Gegners eingeht, ist das ein Indikator dafür, dass man ihn nicht widerlegen kann. Die Lieblingsverleumdung der Feministen ist aber, dass Männerrechtler „rechts“ wären.

Ich sprach bereits Zensur an. Dies passiert systematisch. Gesterkamp gab die Richtlinie aus, Männerrechtler von jedem Diskurs auszugrenzen, und offenbar folgen viele dieser Politik.

Oder ein ganz aktuelles Beispiel in einer Publikation des Innenministeriums (von wegen „institutionelle Macht“):

„Was können wir [gegen Männerrechtler] tun?“ Hechler empfiehlt, die Themen ernst zu nehmen, also natürlich nicht die tatsächlichen politischen Anliegen der Männerrechtler, sondern „Sexismus und Online-Communities“. Wichtig wäre darüber hinaus, ein „De-Platforming, also Sexisten ihre Plattform zu entziehen“, „Monitoring“ (also Überwachung) zu betreiben sowie „repressiv zu handeln“, denn es handele sich um „Terrorismus“. Sich auf Diskussionen einzulassen, ergänzt die Schweizer Genderforscherin Franziska Schutzbach, sei jedenfalls nicht sinnvoll. Man habe es schließlich oft mit einem Gegenüber zu tun, der ein geschlossenes Weltbild besitze, und außerdem müsse man die eigenen Ressourcen und Energien schonen. Nur wenn man es mit einem Gesprächspartner zu tun bekommt, der lediglich „uninformiert“, aber offen dafür ist „dazuzulernen“, sei eine Diskussion vorstellbar.

Das finde ich bemerkenswert. Offenbar will man die Gefahr eindämmen, dass maskulistische Argumente auf fruchtbaren Boden fallen, dass sie überzeugend wirken. Diese Gefahr ist real. Ich selbst war Feminist und zwar ein sehr überzeugter. Die Konfrontation mit Männerrechtlern führte dazu, dass ich meine Meinung änderte. Das war heftig – ein Red-Pill-Erfahrung. „Red Pill“ ist der Titel eines Streifens einer ebenfalls ehemaligen Feministin. Sie wollte eine Dokumentation über die der Propaganda nach bösartigen Maskulisten drehen. Dabei machte sie etwas, was Feministen sonst nicht tun: Sie hörte sich an, was die Anliegen der Männerrechtler, zum Beispiel entsorgter Väter, sind. Feministen kamen bei ihr auch zu Wort, und die wirkten mit dem, was sie zu großer Not auf Seiten der Männer zu sagen hatten sehr, sehr hässlich. Die Produzentin änderte ihre Meinung. Feministen reagierten natürlich nicht inhaltlich, sondern wollten die Aufführung des Films verbieten lassen – teils erfolgreich. Vorzuschreiben, was in Kinos gezeigt werden darf, hat was mit Macht zu tun.

Auf Macht also baut die gesterkampische Strategie auf, Männerrechtler systematisch vom Diskurs auszugrenzen. Es zeigt, dass Feministen die Diskurshoheit innehaben. Denn wenn ein Maskulist dies genauso kontern würde, er würde sich nur lächerlich machen. Wer würde die Agenda, Feministen systematisch von der öffentlichen Debatte auszugrenzen, befolgen? Die Tagesschau? Die Zeit? Feministen sind an der Macht, und wer an der Macht ist, hat kein Interesse an freier Rede, Debatte, da er dadurch nur verlieren kann.

Gut, Feministen unterdrücken Maskulisten, lassen sie nicht zu Wort kommen. Ist das der Beweis, dass wir die Wahrheit auf unserer Seite haben, das also, was nach Ansicht einiger Philosophen niemals letztgültig erkannt werden kann? Nein, auch hier lässt sich ein Gegenargument finden: Maskulisten leugnen die systematische Vergewaltigung der Frau im „Patriarchat“. Und dass man so einen Holocaustleugner nicht frei sprechen lässt, versteht sich von selbst!

whatdowewant_frauenquotengegner

Hetze gegen Polizisten für die Meinungsfreiheit

hatefreespeech

Daphne Patai sagte mal, dass man in unserer Gesellschaft keine andere Gruppe in der Öffentlichkeit so niedermachen dürfte wie Männer. Es gäbe einen Aufschrei, wenn man das mit Anderen – Schwarzen, Migranten, etc. – machen würde, sie z.B. als Abfall bezeichnen würde. Es gibt keinen Aufschrei, wenn man das mit Männern macht.

Jetzt hat eine Autorin der taz Polizisten zu Müll erklärt: Auf einer Müllhalde wären sie unter ihresgleichen und würden sich dort auch am wohlsten fühlen, womit bewiesen ist, dass man in Wirklichkeit nur an das Wohl der Beamten im Auge hat.

Wie um Patai zu bestätigen, gibt es nun eine öffentliche Debatte und es droht eine Anzeige von ganz oben – es hat also, anders als bei Männern, Konsequenzen.

Die Frage, die sich jetzt stellt, ist, ob das ein Befreiungsschlag für die Meinungsfreiheit ist, die im Kampf gegen „Hatespeech“ arg gebeutelt wird. Wenn die taz damit durchkommt, bedeutet das dann, dass man wieder freier sprechen darf? Beleidigen?

Bei Jetzt.de solidarisiert man sich mit der Haterin und spricht vom Schutz der „Presse- und Meinungsfreiheit“, soll wohl heißen, wenn man als Kommentator davon spricht, dass die Jetzt.de-Redaktion auf den Müll gehört, dann hätte man dort kein Problem damit.

Nun, ich habe ihnen folgenden Kommentar dagelassen:

Dafür, dass hier nicht zu beanstandende Harmlosigkeiten zensiert werden, ist das ein… äh, „interessanter“ Artikel.

…der zensiert wurde. Was bedeutet das jetzt? Rätsel in der Finsternis.

Meine persönliche Meinung ist, dass solcherlei Beleidigungen erlaubt sein müssen. Gegen Männer. Gegen Polizisten. Und Anderen. Ich bin ein Fan von Meinungsfreiheit, ob ich allerdings soweit gehen würde, alles außer Gewaltandrohungen und Gewaltaufrufen zuzulassen, weiß ich nicht, hier muss ich mir noch eine Meinung bilden.

Billy Coen: Die Kleinkinderlogik der Antisexisten und -rassisten

Billy Coen:

Schon interessant, wie sich die zirkulären Allzeit-Selbst -Immunikatoren fanatischer Ideologen gleichen. Als Beispiel hier das Gequake einer „Anti“-Rassistin und das mal verglichen mit dem Bullshit aus feministischen Kreisen.

Man brüllt eine möglichst beleidigende Anklage gegen eine ganze, durch für die Individuen unveränderliche Kriterien definierte Gruppe in den Raum und hat, egal was passiert, immer Recht.

„Alle Männer sind Sexisten / Alle Weißen sind Rassisten!“

a) ein Mann / ein Weißer bestätigt dies und gesteht seinen tief verwurzelten Sexismus / Rassismus = er gibt es sogar zu und somit habe ich Recht
b) ein Mann / ein Weißer widerspricht der Aussage = er verleugnet seinen Sexismus / Rassismus, was ihn zu einem ganz besonders schlimmen Sexisten / Rassisten macht und somit habe ich Recht
c) ein Mann / ein Weißer reagiert verärgert auf eine solche Beleidigung = und schon kehrt er seinen ganzen Hass auf Frauen / Schwarze nach außen und somit habe ich Recht
d) ein Mann / ein Weißer reagiert gekränkt und mit Trauer auf eine solche Beleidigung = Ich kann ihm an den Kopf knallen: „Oooooooh! Mimimi! Masculinity / Whiteness so fragile!“… ach ja, und natürlich habe ich Recht

Und sie alle fühlen sich so unglaublich schlau, so dermaßen überlegen mit solchen Zirkelargumenten, bei denen JEDE Reaktion immer nur zu einer Bestätigung der eigenen Meinung führt, dabei verwenden schon Kinder im Kindergartenalter solche Argumentationsmuster. Nur dass die dann spätestens bei Übergang von der Grundschule zur Mittelstufe begreifen, dass und auch warum so etwas nicht clever sondern einfach nur armselig und intellektuell unlauter ist.

Billy Coen: „Jahrelange Propaganda wirkt!“

Billy Coen:

„Jahrelange Propaganda wirkt!“

Ja, leider. Arne verlinkte heute auf einen Spiegelbeitrag zu [den Morden in] Mexiko. Ich bin über die dortigen Kommentare ehrlich fassungslos. Gleich mehrere Kommentatoren, vor allem mit weiblichen Usernamen, sind erstens, obwohl dies mit nichts belegt werden kann, davon überzeugt, dass die 10 % Frauen unter den dortigen Mordopfern wegen ihres Geschlechts getötet werden, und zweitens die 90 % der Männer, weil sie ja alle kriminelle Gangmitglieder sind, und somit selbst Schuld an ihrem Tod. Da tun sich Abgründe auf und für mich wird es immer wichtiger, weite Teile der feministischen Ideologie als faschistische Bewegungen unter Verfassungsschutzaufsicht zu stellen. Denn das sind die Blüten, die eben diese beständige gequirlte Scheiße treibt, die man den Menschen pausenlos in die Köpfe presst. Hier vor allem „Femizid“. Würde jemand in einem Beitrag über Bandenkriminalität in den USA ähnliches über Schwarze statt über Männer schreiben, würde der Beitrag umgehend gelöscht und der User gesperrt. Aber selbiges Gehetze gegen hier sogar ermordete Männer? Kein Problem!

Man beachte hierbei auch die geile Logik: Es gibt zwar nichts als Beleg, dass die Frauen getötet wurden, weil sie Frauen sind, aber man bezeichnet es halt als Femizid. Und wenn jemand auf die männlichen Opfer hinweist, dann sind die eben nicht so schlimm, weil die wurden ja im Gegensatz zu den Frauen nicht wegen ihres Geschlechts ermordet. Und woran sieht man, dass die Frauen ermordet wurden, weil sie Frauen waren? Na weil es doch ein Femizid war; informier dich doch mal auf Wikipedia, was das ist, du Trottel!

Ich weiß nicht, was ich an solchen Auswüchsen schlimmer finde: die widerliche Selbstgerechtigkeit, das faschistoide Gruppendenken oder die abartige Melange aus Arroganz und unfassbarer Dämlichkeit, die feministisch indoktrinierte Deppen immerzu gemeinsam haben?

Vor 13 Jahren: Hexenjagd auf Eva Herman

077b2-vlcsnap-2015-05-05-14h45m13s848

Öffentlich-Rechtliche: Kinder sind eine Last, die Frauen stranguliert und von der Karriere abhält (man beachte den leidenden Gesichtsausdruck). Eva Herman: Kinder müssen wieder geliebt und gewertschätzt werden.

„Die NS-Familienpolitik hinterließ ein kulturelles Problem: Die Hausfrauenehe und – noch allgemeiner – die Anerkennung der mütterlichen (Arbeits-)Leistung galt im Nachkriegsdeutschland und vor allem nach 1968 für viele kritische Intellektuelle als ein Produkt der faschistischen Mutterideologie. Das war historisch falsch und folgenreich. Denn ‚Mütterlichkeit‘ stand nun unter politischen Verdacht.“(143)

Dieser Absatz, der auf den Punkt bringt, was Hermans Problem war, nämlich eine Geringschätzung der Mutter und damit einhergehender Kinderfeindlichkeit, erschien in einer Reihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Gegen Eva Herman lief vor 13 Jahren eine gewaltige, gleichgeschaltete Medienkampagne, da sie an heiligen, auch feministischen, Überzeugungen rüttelte. Dabei ging man weniger auf ihre eigentlichen Anliegen ein, als dass man viel mehr versuchte, sie als Nazi zu brandmarken, oder zumindest als nicht besonders helle im Köpfchen, was genauso vernichtend ist.

Wir haben als reiches Land eine der geringsten Geburtenraten überhaupt – wir kriegen die demografische Kurve nicht (Herman). Die Ursache hierfür suchte Herman im dritten Reich und den nachfolgenden 68er. An anderer Stelle brachte sie es noch mal kurz und knackig auf den Punkt: Die Familienwerte wurden missbraucht und dann für unbrauchbar befunden.

Herman begann das Sakrileg, wie später Kelle, dem herrschenden, feministischen Narrativ zu widersprechen, wonach der Frau von heute ihre Karriere das höchste zu sein hat, und dass sie ihre Kinder so früh wie möglich in Krippen und Kitas abschieben soll, um sich diesem höheren Ziel zu widmen. Gleichzeitig aber bejahen eine leichte Mehrheit der Frauen eine konservative Rolle in der Familie(32), während sie erleben, dass sie diese Rolle weniger und weniger ausfüllen können aus harten finanziellen und strukturellen Zwängen heraus. Dass die Menschen immer weniger verdienen, und sich so auch die Frauen zunehmend von ihren Kindern entfernen müssen, wenn sie für sie sorgen wollen (und damit das alte Schicksal der Väter teilen), führte Herman zur Frage, was das für die Kinder bedeutet, die in die Fremdbetreuung entsorgt werden – diese sei für den Nachwuchs eh besser als Betreuung zuhause unter unfähigen Müttern, so der Tenor. Sie beschäftigte sich hierzu mit der Bindungsforschung  und problematisierte, dass das frühe Abschieben des Nachwuchses für ihn nachteilhaft sei, da es ihn hindere, die für eine gesunde psychische Entwicklung so wichtige Urbindung aufzubauen (was übrigens Väter genauso leisten können – Anmerkung yx). Das Ziel (wie auf der wegweisenden Frauenkonferenz Peking 1995 festgelegt), alle Frauen in die Erwerbsarbeit zu pressen, schadet nicht zuletzt den Kindern, die vor allem einen verlässlichen Elternteil brauchen. Weiterhin sei Mutterschaft kein Übel, sondern ein Glück (in kinderfeindlichen Diskursen, in denen ständig von „Arbeit“ gesprochen wird, wenn Mütter Zeit mit ihren Kindern verbringen, ein außergewöhnlicher Gedanke). Dass man mit Familie vielleicht glücklicher ist als mit Karriere (sofern man eine hat und nicht einfach nur malocht) scheint ein wunder Punkt zu sein bei den tonangebenden Journalistinnen, die in Interviews mit Eva Herman die Contenance verloren und vor Wut brüllten, aggressiv wurden. (35) Ist dieses Verlieren der Selbstbeherrschung vielleicht der Ahnung geschuldet, dass zum Lebensabend liebende Kinder mehr wert sind als dass man eine hohe Sprosse der Karriereleiter erklommen hat?

Das war die Todsünde die Herman begangen hatte. Nicht weil sie eine Nazi war, wurde sie niedergemacht, sondern weil ihre Kritik den feministischen Lebensentwurf für Frauen in Frage stellte. Dass man auf das eigentliche Anliegen Hermans kaum einging sondern sie mit aller Macht in die rechte Ecke schieben wollte, zeigt deutlich, dass sie eine Schwachstelle getroffen hatte. Man ging nicht inhaltlich auf sie ein, sondern bediente sich niederträchtiger Diskursmittel, wie zum Beispiel Thea Dorn, die aus dem „Eva-Prinzip“ das „Eva-Braun-Prinzip“ machte: So nahm sie zwei Zitate, eines von Herman, eines von Rosenberg (Chefideologe der Nazis) und befand, sie klängen „verdammt ähnlich“, nämlich Herman:

„Die Forderung der heutigen Frauenemanzipation wurde im Namen eines schrankenlosen Individualismus erhoben“

und Rosenberg:

„Das Hohelied des Individualismus hat längst seinen verführerischen Klang verloren, doch mittlerweile haben sich reichlich Gründe erschlossen, warum man sich von dieser gefährlichen Vorstellung befreien sollte.“

Weil man in beiden Zitaten das gleiche Wort vorkommt und man den Folgen seines Sinngehalts ablehnend gegenübersteht, sollte Herman der rechten Szene nahe stehen. Nur dass sich Herman gegen einen zügellosen Egoismus wendet, während Rosenberg vermutlich das Aufgehen des Einzelnen in der faschistischen Volksseele meinte.

Wenn man auf so bösartige Weise „argumentieren“ muss, und dabei an allem vorbeigeht, was die tatsächliche Position des Widerparts angeht, dann ist die Schlussfolgerung nicht weit hergeholt, dass der Widerpart ganz richtig liegt und man ihn nicht widerlegen kann.

Kommen wir zum Zitat, das weitläufig fehlinterpretiert wurde, dem Zitat. In freier Rede ins Unreine gesprochene sagte Eva Herman auf einer Presskonferenz folgendes:

„Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.“

Von 30 Pressevertretern verstanden das alle richtig, nur eine nicht, Barbara Möller interpretierte das so:

„In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat“

Und das war’s dann. Der Vorwurf, Herman habe die Familienpolitik der Nazis gelobt oder sich zumindest „verharmlosend“ über sie geäußert, wird von nun an an ihr kleben wie Teer gemischt mit Tapetenkleister.

Weiter zum Fernsehtribunal mit Johannes B. Kerner als Ankläger, Richter und Henker. Es ging im Vornherein nicht um eine faire Diskussion, schon gar nicht um das Anliegen Eva Hermans, also Wertschätzung für Familie und Kinder oder Erkenntnissen aus der Bindungsforschung. Sie sollte vernichtet werden, sie sollte unmöglich gemacht werden, etwas, das Kerner nicht schaffte, was ihm von den „Qualitätsmedien“ in den nachfolgenden Tagen vorgeworfen wurde.

Eva Herman befand sich dabei allein auf weiter Flur, eine gegen alle. Und hat sich dafür grandios geschlagen. Ich gehe nur auf wenige Punkte ein:

Zum einen die Penetranz, mit der Kerner seine Interpretation ihres Zitates durchsetzen wollte. Immer wieder kam er damit und fragte scheinheilig, ob so ein Vergleich zur NS-Zeit notwendige gewesen wäre. Gesunde Kommunikation funktioniert so: A sagt etwas. B versteht etwas Ungeheures und fragt nach: „Meinst Du dies und das?“. A stellt richtig: „Nein, ich meinte das“.(67) Für Kerner war das aber wohl zu hoch. Und auch warum der NS-Vergleich wichtig ist: Hier liegen nunmal die Ursachen für gravierende Probleme in unserer Gesellschaft, nochmal: Wir kriegen doch die demografische Kurve gar nicht mehr!

Als das Wort an einen tollen Professor ging, der natürlich darüber stand, die Bücher zu lesen, deren Autorin er auf’s massivste angriff, wurde es besonders ekelhaft. (Er war so merkbefreit, dass er ein ganzes Buch zum Thema schrieb, welches hier zerpflückt wird.) Prof. Wippermann befand, Herman verwechsle Konservativismus mit Faschismus und musste erklären, letzteres bedeute Rassenzucht, Rassenvernichtung und Rassenstaat. Auch er nahm also für bare Münzen, was an Verleumdungen in der Lückenpresse stand; was in allen Zeitungen stand müsse auch richtig sein, so der Experte später, eine Äußerung, für die er in Hochzeiten der APO nur Hohngelächter geerntet hätte. Hätte er sich die Mühe gemacht, mal ins „Eva-Prinzip“ reinzuschauen, wäre er über Absätze wie diesen gestolpert:

„Was viele nicht wissen: Unsere distanzierte Haltung zu unseren Kindern steht auch in einem direkten Zusammenhang mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem Dritten Reich. Die Theoretiker des Nationalsozialismus erkannten früh, dass die Frage der Kindererziehung höchste politische Relevanz hatte. Das beschränkte sich nicht auf die erwünschte Steigerung der Geburtenrate, die sich in der Auszeichnung mit dem „Mutterkreuz-Orden“ für Frauen mit vielen Kindern ausdrückte. Es traf vielmehr die konsequente Einflussnahme auf den vormals privaten, familiären Bereich von Geburt, Mutterschaft und Säuglingspflege. Es ging nicht nur darum, „dem Führer Kinder zu schenken“, sondern die Kinder so früh wie möglich nach den Maßgaben des nationalsozialistischen Menschenbildes zu formen. Betrachtet man diese ideologischen Grundlagen, wird schnell klar, dass der Hilter-Staat alles daransetzte, jeden gesellschaftlichen Bereich zu kontrollieren und jede private Nische zu vernichten, in der sich individuelle Lebensformen entwickeln konnten. Verwirklichen ließ sich das nur, in dem die Gruppe, das Kollektiv, die „Volksgemeinschaft“ über den einzelnen Menschen gestellt wurde, eine Ideologie, die wir auch im DDR-Sozialismus immer wieder beobachten konnten. damit wurden Kinder zum Politikum. Um ihre Erziehung zu nationalsozialistischen Bürgern zu gewährleisten, solten sie der elterlichen Fürsorge so früh wie möglich entzogen werden…“

Wahrlich, so klingt ein Fan der Nazifamilienpolitik…

An anderer Stelle wurde es geradezu lustig, als Kerner und Wippermann verbieten wollten, von einer „gleichgeschalteten Presse“ zu sprechen, denn das sei Nazisprech. Dass der Begriff alltäglich gebraucht wird, spielte genauso wenig eine Rolle, wie dass sich Herman ja gegen die Gleichschaltung aussprach; sie kritisierte, dass sich die Medien ihr gegenüber wie gleichgeschaltet verhielten. Die Folgerung, damit rutsche sie Richtung Nazitum ist genauso hirnrissig, wie jemanden vorzuwerfen, er sei für eine Diktatur, da er sich gegen eine zu hohe Machtkonzentration im Staatsapparat ausgesprochen hatte. Schließlich sagte Eva Herman entnervt, man habe auch Autobahnen damals gebaut und man fahre trotzdem drauf. Wohlgemerkt: Ihr Einwand war, wenn man den Begriff „Gleichschaltung“ nicht benutzen dürfe, wegen „Nazis hatten das auch schon“, dann gelte das auch für Autobahnen. Sie sagte nicht, die Nazis hätten auch ihre guten Seiten gehabt, zum Beispiel eben diese Schnellstraßen. Dennoch wurde es so interpretiert. Das Qualitätsmedium Spiegel-Online kommentierte dies so: [Herman habe gesagt, dass] Wenn man nicht über die Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden“ und reiht sich damit ein in die gleichgeschaltete Lügenpresse.

Auch wurde er Vorwurf erhoben, Rechte bis Rechtsradikale würden Eva Herman zujubeln. Nun, das war so:

1. Lügenpresse sagt: „Eva Herman ist braun“,

2. Rechte sagen: „Oh, sie ist eine von uns!“,

3. Lügenpresse sagt: „Da habt ihr’s!“

Und wie wolle Herman gegen die Anbiederung von Rechts vorgehen? Natürlich so, wie man das macht in einem Rechtsstaat mit staatlichem Gewaltmonopol: Mit einer Pumpgun einem Rechtsanwalt.

Am Ende wird Eva Herman gegangen, sie wird rausgeworfen. Angeblich, weil sie sich was Ungeheuerliches geleistet hätte – was nicht der Fall war. Tatsächlich war sie diejenige in der Runde, die von den Nazis am weitesten entfernt war. Ein Forschungskonzept, mit dem man die NS-Lastigkeit von Menschen feststellen konnte, kam bei Kerner und den anderen Diskutanten auf extrem hohe Werte, fast wie bei Altnazis, während Eva Herman besser als Demokraten abschnitt.(142) Das wird viele Medienschaffende überrascht haben, die Mehrheit der Bevölkerung kaum, denn es handelte sich um einen weiteren der vielen Fälle, in welchen die veröffentlichte Meinung der gleichgeschalteten Presse nicht mit der öffentlichen Meinung übereinstimmt. Dennoch – oder wahrscheinlich doch eher deswegen – hat sich die Richtung der Familienpolitik kein bisschen geändert: Ihr höchstes Ziel ist nach wie vor, den Nachwuchs in die Kinderdeponien abzuschieben, damit die Mutter unbelastet von „Blagen“ arbeiten gehen kann.

Alle Seitenangabe aus: Arne Hoffmann – „Der Fall Eva Herman – Hexenjagd in den Medien“

p.s.: Es gab eine irreführend geschnittene Fassung des Tribunals, ob es sich um diese handelt, weiß ich nicht, bezweifle es aber, da es von Eva Herman selbst auf youtube veröffentlicht wurde (Ich habe mir anlässlich dieses Textes das Video aus meinem Archiv angesehen):

Die mich hassen und die, die mich auslachen

Ich muss mal wieder meinen Narzissmus ausleben und über meine Erfahrungen mit Begegnungen der feministischen Art schreiben.

Die Streitkultur der Feministen ist miserabel. Das liegt daran, dass der Feminismus eine dominierende Ideologie in unserer Gesellschaft ist, dass er an der Macht ist, und die, die an der Macht sind, können durch eine offene, freie Diskussion nur verlieren. Das geht inzwischen soweit, dass an den Universitäten weniger (!) wichtig ist, dass man ein kluger, kompetenter Kopf in seiner Disziplin ist, sondern dass man fachkundig über „Diversity“, „Diskriminierung“ etc. parlieren kann. Qualifikation bleibt dabei auf der Strecke.

Feministen argumentieren also (so gut wie) nie. Ich habe jetzt Erfahrungen mit zwei Typen gemacht, deren Vertreter sehr sehr unterschiedlich damit umgehen, dass sie es mit jemanden zu tun haben, der die These, Frauen seien benachteiligt und Männer an der Macht zurückweist.

Die einen hassen mich einfach. Leidenschaftlich. Voller Inbrunst. Sie beleidigen mich auf das Übelste, teilen mir mit, dass sie mich für meine „Frauenverachtung“ einfach nur verachten würden. Auf die Aufforderung, meine Thesen inhaltlich anzugreifen, reagieren sie nur damit, dass es ihnen nicht darum ginge, mich zu überzeugen und wie sehr man mich verachte…

Die Anderen hingegen zeigen sich köstlich amüsiert. Das kann ich sogar nachvollziehen: Dass die Frau unterdrückt ist, lernt man in der Schule, lernt man an der Uni, hört man im Radio, sieht man im Fernsehen, liest man in der Zeitung. Da muss man natürlich ein armer Irrer sein, ein Aluhut, wenn man diese These anzweifelt. Auch sie gehen nicht inhaltlich auf mich ein, sondern schicken mir nur viele lachende Smileys, sie lachen sich schlapp, obwohl: Warum hat man mich dann (teilweise) geblockt, wenn ich ihnen so ein Vergnügen bereitete? Ein weitere fröhlicher Zeitgenosse erklärte mir, dass er bei mir „nicht aufhören könne zu lachen“ – er und sein Kollege traumatisierten mich so sehr, dass ich ihnen einen ganzen Artikel widmete.

Man ging also nicht inhaltlich auf mich ein, da man mich nicht überzeugen wolle. Nun, das will ich auch nicht: Ich baue auf den Dritten, der schweigend mitliest und sich vielleicht noch eine Meinung bildet. Und wenn der erlebt, dass die eine Partei höflich bleibt (na gut, nicht immer, ich bin ja nicht Evo-Chris) und Argumente liefert, während die andere nur unflätig beleidigt, nur sinnentleerte, lachende Smileys oder auch nur ad-hominems raushaut, dann bin ich optimistisch, dass er meine Position überzeugender findet.