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Stürmisch.

In der Komödie „Bettgeflüster“ ist eine Szene zu sehen, die sich schön zur Analyse der Entwicklung des Geschlechterverhältnisses über die Jahrzehnte eignet.

Und zwar sitzt Day mit ihrem Filmpartner, der in seiner Rolle für sie in Liebe entbrannt ist, im Auto und er unternimmt Annäherungsversuche. Damals hätte man wohl gesagt, er sei stürmisch, heute wäre er ein Vergewaltiger oder zumindest übergriffig.

Seine Annäherung ist derart offensiv, dass sogar mir mulmig wurde. Mehrmals packt er zu und versucht Day zu sich heran zu ziehen und zu küssen. Und sie? Ruft um Hilfe Stößt ihn zurück. Drei oder Vier mal bis er schließlich aufgibt. Sie macht ihm aber keine Vorwürfe; weder sie noch der Film klagt den Mann dafür an, dass er so aufdringlich war, während man ihn heute metoon und canceln würde.

Ich denke, das zeigt sehr schön auf, dass die Frauen in den angeblich so rückständigen 50ern emanzipierter waren als jene von heute, die eine nationale Debatte wegen erfrorener Obdachlosen unwillkommener Komplimente lostreten.

Das Verlogene dabei ist, dass parallel die Superfrau von Hollywood & Co. beschworen wird. In der Entertainmentvision ist die Frau überlegen, stark und rockt den ganzen Laden, während man ihr in der Realität nicht zutraut, mit sexuellen Avancen umzugehen. Anders in den 50ern: Er ist stürmisch, sie weist ihn ab. Keine große Sache, kein Drama, kein Skandal. Ich würde hier gerne schreiben, sie wäre damit eine „starke Frau“, aber diese Begrifflichkeit ist in unseren Zeiten nur zu eine Groteske ihrer selbst geworden, also vielleicht so: Sie ist ein ganzer feiner Kerl.