Archiv der Kategorie: Faschismus

Was in Ordnung geht: Wenn der Höherwertige den Minderwertigen misshandelt

Humanisten sind gegen Gewalt. Feministen sind gegen Gewalt gegen Frauen.

Ausgelöst wurde [die Diskussion] durch einen Artikel über einen 46-Jährigen aus Bottrop, der von seiner Frau mit Schuhen und Fäusten über Jahre hinweg malträtiert worden war. Zunächst verlor er sein rechtes Augenlicht, dann wurde bei einer weiteren Attacke sein linker Augapfel verletzt, und er erblindete vollständig. Erst ein Nachbar konnte ihn durch langes Zureden dazu bewegen, die Polizei zu verständigen. („Sind Frauen bessere Menschen?“ – Seite 100)

Dass es schon vor Jahrzehnten zu solchen Fällen kam, liegt am geschlechtsspezifischen Blick auf Gewalt. Wären die Geschlechter getauscht gewesen, dann wäre dem Mann geholfen worden und die Frau wäre in den Knast gegangen. So aber half niemand dem Mann und auch sagte der Frau niemand, dass sie aufhören solle ihren Mann zu misshandeln, weil das sonst Konsequenzen hätte, weshalb sie fröhlich weiter machte. Es ist nur ein Mann. Es ist egal.

Deshalb will die EU eine Regelung durchdrücken, wonach Gewalt gegen Männer, den wertlosen und schädlichen Menschen, als weniger schlimm gewertet werden soll als gegen die wertvollen, die höherstehenden Menschen. Das, was inoffiziell schon üblich war, dass Frauen eher Gewalt ausüben dürfen, während Gewalt gegen sie besonders hart verurteilt wird, wird nun ins offizielle Regelwerk gegossen. Damit will die Legislative verabschieden, dass wir wieder zwei Klassen von Menschen unterteilen, solche, gegen die man Gewalt anwenden darf, und solche, bei der das besonders scharf verfolgt wird – minderwertig und höherwertig, hier egal, dort schlimm und bekämpfenswert.

Mit dazu beigetragen hat jene Studie, bei der von vornherein nur Frauen befragt wurden und in die solche Erfahrungen wie „geschupst“ werden mit eingeflossen sind, um möglichst hohe Zahlen von weiblicher Betroffenheit zu generieren; eine ganz alte und sehr erfolgreiche Taktik, wie hier beschrieben:

Eine auch in anderen Bereichen (nämlich Belästigung und Vergewaltigung)
beliebte Technik, um höhere Zahlen weiblicher Opfer zu erhalten, ist, leichte
und schwere Fälle in ziemlich dreister Weise zusammenzuschmeißen. In
einer Telefonumfrage etwa gaben 34 Prozent aller Frauen an, dass ihr Partner
sie im Verlauf der letzten Monate beschimpft hatte oder dass er eine Auseinandersetzung
beendet hatte, indem er wütend aus dem Raum gestürmt
wäre. Zwei Prozent der Befragten wurden körperlich angegriffen. Es gab auch
Frauen, die regelrecht zusammengeschlagen, gewürgt oder mit einer Waffe
bedroht wurden, aber diese Zahl bewegte sich im Promillebereich. Mit einer
eleganten Formulierung kann man solche Auskünfte leicht zu einem nationalen
Skandal hochpuschen, etwa indem man zusammenfasst: Ȇber 34 Prozent
aller Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt. Zum Beispiel werden sie
gewürgt, zusammengeschlagen oder mit einer Waffe bedroht…« Rein formal
ist diese Darstellung richtig, von der Aussagewirkung her aber die reinste
Gräuelpropaganda. Auch Constanze Elsner führt in einer Checkliste, anhand derer Leserinnen ihre eigene Situation einschätzen sollen, folgende
Punkte als Zeichen häuslicher Gewalt an: »Er kritisierte Sie«; »Er warf
Ihnen böse, wütende Blicke zu«; »Er beendete eine Diskussion mit Ihnen, indem
er einfach eine Entscheidung fällte.« Auch mit einer Bemerkung wie
»Deine Frisur sitzt aber heute nicht sonderlich gut« könnten Männer Frauen
zielsicher am Boden zerstören. Diese Ausweitung des Gewaltbegriffes
ist mehr als der ideologische Amoklauf einer einzelnen Autorin, sie
ist offizielle Politik unserer Bundesregierung. »Gewalt gegen Frauen ist das,
was Frauen als Gewalt empfinden«, verkündet Ministerin Bergmanns Broschüre
»Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter«

Solche Strategien sind von Erfolg gekrönt. Ich wiederhole mich: Es rächt sich, Feministen nicht ernst zu nehmen. Was sie heute an Hetze vom Stapel lassen, wird morgen in Gesetze gegossen.

Das Interessante: Gewalt gegen Kinder geht überwiegend von Frauen aus. Der Wille aber, Kinder, also die Schwächsten, zu schützen, lässt auf sich warten. Warum? Weil man dann die Gewalttätigkeit von Frauen in den Fokus rücken müsste. Zum Beispiel mit Hetzkampagnen vom Bundesministerium für alle außer Männer, wonach der gefährlichste Ort für ein Kind bei seiner Mutter ist; Hetzkampagnen, in denen düster-bedrohliche Frauengestalten vor ängstlichen, eingeschüchterten Kindern, die sich in eine Ecke kauern, zu sehen sind; Hetzkampagnen, die bewirken, dass Frauen nicht mehr unbefangen mit Kindern umgehen können. Aber: Nee, das machen wir nicht. Solche Hetze bleibt für Männer reserviert. Wenn Femofaschisten davon sprechen, es gehe um Gewalt gegen „Frauen und Mädchen,“ dann lügen sie sogar hier: Wenn es Frauen sind, die die Mädchen misshandeln, dürfen sie auch das. Erwachsene Frauen kommen noch vor Kindern, auch Mädchen. Die Interessen eines Mädchen, das von seiner Mutter gefickt wird und angibt: »Mutti bekommt ihr Gummigesicht« müssen hinten an stehen – für die höhere Sache. Überhaupt, die Formel „Frauen und Mädchen“ zu schützen – während die Folter von männlichen Säuglingen erlaubt ist – ist eine der perversesten Agenden überhaupt, da hier der Sexismus sogar auf Kinder ausgedehnt wird.

Warum man Männer nicht ungerecht behandeln kann: Feinbild Mann und die Logik des Geschlechterkriegs

Er hat es verdient!

Die Kriegsgewinnlerin glaubt nicht daran, dass es einen Geschlechterkrieg gibt. Kriegsgewinnlerin deshalb, da sie den Krieg vorantreiben darf aus einer exklusiven Position heraus, in der sie noch dafür bezahlt wird. Es gibt umgekehrt keine solche Stellung in einem Leitmedium, in dem ein Autor über die Rape-Culture als „großes Versprechen“ sinnieren dürfte mit dem Bedauern, dass es sie nicht gibt.

Die Logik des Geschlechterkriegs zeigt sich in erster Linie daran, dass man einen Mann nicht ungerecht behandeln kann. Denn der ist der Feind im Krieg, der wird einfach bekämpft.

Zum Beispiel Väterrechte. Die gibt es bekanntlich nicht. Frauen an der Macht wie eine Antje Schrupp oder Christine Lambrecht verfolgen eine Politik der vollkommenen Entrechtung der Väter. In der Logik des Geschlechterkrieges sind Väter immer der Feind, man kann ihnen also nicht Unrecht tun, vielmehr ist die Auslöschung des Vaters das erklärte Ziel der Matriarchen. Deshalb denken Feministen keine Sekunde darüber nach, dass es vielleicht Konstellationen gibt, in denen es für die Kinder besser wäre, wenn sie zum Vater kommen. Stattdessen werden Unmenschen, die zur sytematischen Väterentsorgung anleiten, mit Steuermitteln gefördert, während Vereine, die die beste Lösung für alle Beteiligten anstreben, von Förderung ausgeschlossen bleiben. Niemals der Gedanke: „Vielleicht liebt das Kind seinen Vater und leidet unter der Trennung“. Oder „Er ist ein guter Vater, das hat er nicht verdient“. Es wird im konkreten Fall nicht danach entschieden, was das beste für die Kinder ist sondern nach Gruppenzugehörigkeit der Betroffenen. Es gibt keinen guten Vater, wenn die Mutter entscheidet, ihr Eigentum für sich allein zu beanspruchen; wenn sie mit einem Partner auf Augenhöhe nicht klarkommt sondern Allmacht ausüben will über ein Kind, das sich nicht wehren kann. Kindeswohl wird mit Mutterwillen gleichgesetzt. Wenn es aber auch nur ansatzweise um das Kindeswohl ginge, hätte man schon vor Jahrzehnten das Alleinerziehendendrama, in welchem sich die Mutter ihr selbstsüchtiges Lebensmodell durch einen Unterhaltssklaven finanzieren lässt, beendet, da alle Erfahrungen deutlich machen: Es schadet Kindern. Längst ist klar, dass es für Kinder das beste ist, wenn ihnen bei einer Trennung beide Elternteile erhalten bleiben. Allerdings müsste man dafür die Allmacht der Mutter beschneiden und das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Sexisten wie Schrupp oder Lambrecht ist es egal, ob die Mutter eine gewalttätige Säuferin ist, unter der die Kinder massiv zu leiden haben und für’s Leben geschädigt werden: Im Geschlechterkrieg geht Mutterwillen immer vor Kindeswohl. Im Geschlechterkrieg kann man Vätern nicht Unrecht tun, das ist gar nicht die Perspektive, vielmehr ist er der Feind im Krieg – ein Soldat, der abdrückt, fragt sich ja auch nicht, ob dem gegnerischen Kombattanten Unrecht tut.

Ein weiteres Thema ist Falschbeschuldigung. Eine Feministin, die dazu anleitet einen Mann mit ihrer Hilfe zu vernichten, stellt sich auch nicht die Frage, ob sie damit einem Mann großes Unrecht antut, dass er als Unschuldiger darunter zu leiden hätte. Er ist der Feind, das Schwein: Auch wenn er sie nicht vergewaltigt hat, hat er es dennoch verdient, wenn eine Frau entscheidet, ihn fälschlich zu bezichtigen – irgendetwas wird er sich schon schuldig gemacht haben, der Beweis: Er hat eine Frau verärgert, also ist er schuldig und zu Recht wird er vernichtet. Im Krieg ist der Feind nicht unschuldig, schon allein die Frage nach Schuld und Unschuld macht also in dem Kontext einfach keinen Sinn, es sind die falschen Kategorien, über die Geschlechterbeziehung zu denken, er ist qua Geschlecht schuldig und deshalb wird er mit allen greifbaren Mitteln bekämpft.

Verdient!

Oder der Tyrannenmord. Wenn ein Mann eine Frau tötet, dann ist das ein Verbrechen. Im umgekehrten Fall hat sie sich lediglich gewehrt. Er habe sie über die Jahre misshandelt so dass sie sich nicht anders zu helfen wusste. Schon jetzt ist es so, dass Täterinnen weniger hart bestraft werden, und Männer ganz besonders hart, wenn ihr Opfer eine Vertreterin der höherwertigen Menschen ist. Mit dem Prinzip der Tyrannentötung will man durchsetzen, dass die Frau einfach nur die richtigen Stichworte vor Gericht nennen muss, um als das eigentliche Opfer freigesprochen (letzter Absatz) zu werden. Auch hier ist nach der Logik der Geschlechterkrieger ein Missbrauch natürlich ausgeschlossen – der Mann hat es verdient, jeder Mann.

 

Ein Mann muss sterben, weil er ein Mann ist.

Ganz dieser Logik des Krieges – des totalen Krieges mit der Auslöschung der Männer – verschrieben ist das SCUM Manifesto, das von Feministen gut gelaunt gelesen wird – eine Distanzierung davon gibt es nicht. Sollte es mal zu Kritik daran kommen, heißt es einfach, es wäre Satire. Der Text lässt aber nicht erkennen, dass er satirisch gemeint wäre, er ist die Ausgeburt reinen Männerhasses. Wenn der Text eine Satire wäre, dann eine, die den Feminismus als Herrenmenschenideologie entlarvt mit Frauen als Ariern und Männern als Untermenschen. Und das hat Konsequenzen. Sicherlich ist bereits mancher Mann gestorben, da ihm unter dem direkten oder indirekten Einfluss dieser Lektüre sein Lebensrecht abgesprochen wurde, der Hass gegen ihn geschürt wurde. Aber es muss gar nicht mal bis zum Mord kommen. Hier liest die Frau vergnügt, dass Männer lebensunwerte Kreaturen sind, dort unterstützt sie eine Kultur der Männerentrechtung, die Väter entsorgt, Männer unschuldig in den Knast befördert oder den Mord an ihnen als gerechtfertigt hinnimmt. Denn: Man kann Männern gar nicht Unrecht tun. Sie sind Schweine, Vergewaltiger, und das ist alles, was sie sind, weshalb tote Männer auch unter Bundestagsabgeordneten ein Anlass zu fröhlichem Gelächter sind.

Weiterlesen: Die Verfolgung der Mannes.

Vor 13 Jahren: Hexenjagd auf Eva Herman

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Öffentlich-Rechtliche: Kinder sind eine Last, die Frauen stranguliert und von der Karriere abhält (man beachte den leidenden Gesichtsausdruck). Eva Herman: Kinder müssen wieder geliebt und gewertschätzt werden.

„Die NS-Familienpolitik hinterließ ein kulturelles Problem: Die Hausfrauenehe und – noch allgemeiner – die Anerkennung der mütterlichen (Arbeits-)Leistung galt im Nachkriegsdeutschland und vor allem nach 1968 für viele kritische Intellektuelle als ein Produkt der faschistischen Mutterideologie. Das war historisch falsch und folgenreich. Denn ‚Mütterlichkeit‘ stand nun unter politischen Verdacht.“(143)

Dieser Absatz, der auf den Punkt bringt, was Hermans Problem war, nämlich eine Geringschätzung der Mutter und damit einhergehender Kinderfeindlichkeit, erschien in einer Reihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Gegen Eva Herman lief vor 13 Jahren eine gewaltige, gleichgeschaltete Medienkampagne, da sie an heiligen, auch feministischen, Überzeugungen rüttelte. Dabei ging man weniger auf ihre eigentlichen Anliegen ein, als dass man viel mehr versuchte, sie als Nazi zu brandmarken, oder zumindest als nicht besonders helle im Köpfchen, was genauso vernichtend ist.

Wir haben als reiches Land eine der geringsten Geburtenraten überhaupt – wir kriegen die demografische Kurve nicht (Herman). Die Ursache hierfür suchte Herman im dritten Reich und den nachfolgenden 68er. An anderer Stelle brachte sie es noch mal kurz und knackig auf den Punkt: Die Familienwerte wurden missbraucht und dann für unbrauchbar befunden.

Herman begann das Sakrileg, wie später Kelle, dem herrschenden, feministischen Narrativ zu widersprechen, wonach der Frau von heute ihre Karriere das höchste zu sein hat, und dass sie ihre Kinder so früh wie möglich in Krippen und Kitas abschieben soll, um sich diesem höheren Ziel zu widmen. Gleichzeitig aber bejahen eine leichte Mehrheit der Frauen eine konservative Rolle in der Familie(32), während sie erleben, dass sie diese Rolle weniger und weniger ausfüllen können aus harten finanziellen und strukturellen Zwängen heraus. Dass die Menschen immer weniger verdienen, und sich so auch die Frauen zunehmend von ihren Kindern entfernen müssen, wenn sie für sie sorgen wollen (und damit das alte Schicksal der Väter teilen), führte Herman zur Frage, was das für die Kinder bedeutet, die in die Fremdbetreuung entsorgt werden – diese sei für den Nachwuchs eh besser als Betreuung zuhause unter unfähigen Müttern, so der Tenor. Sie beschäftigte sich hierzu mit der Bindungsforschung  und problematisierte, dass das frühe Abschieben des Nachwuchses für ihn nachteilhaft sei, da es ihn hindere, die für eine gesunde psychische Entwicklung so wichtige Urbindung aufzubauen (was übrigens Väter genauso leisten können – Anmerkung yx). Das Ziel (wie auf der wegweisenden Frauenkonferenz Peking 1995 festgelegt), alle Frauen in die Erwerbsarbeit zu pressen, schadet nicht zuletzt den Kindern, die vor allem einen verlässlichen Elternteil brauchen. Weiterhin sei Mutterschaft kein Übel, sondern ein Glück (in kinderfeindlichen Diskursen, in denen ständig von „Arbeit“ gesprochen wird, wenn Mütter Zeit mit ihren Kindern verbringen, ein außergewöhnlicher Gedanke). Dass man mit Familie vielleicht glücklicher ist als mit Karriere (sofern man eine hat und nicht einfach nur malocht) scheint ein wunder Punkt zu sein bei den tonangebenden Journalistinnen, die in Interviews mit Eva Herman die Contenance verloren und vor Wut brüllten, aggressiv wurden. (35) Ist dieses Verlieren der Selbstbeherrschung vielleicht der Ahnung geschuldet, dass zum Lebensabend liebende Kinder mehr wert sind als dass man eine hohe Sprosse der Karriereleiter erklommen hat?

Das war die Todsünde die Herman begangen hatte. Nicht weil sie eine Nazi war, wurde sie niedergemacht, sondern weil ihre Kritik den feministischen Lebensentwurf für Frauen in Frage stellte. Dass man auf das eigentliche Anliegen Hermans kaum einging sondern sie mit aller Macht in die rechte Ecke schieben wollte, zeigt deutlich, dass sie eine Schwachstelle getroffen hatte. Man ging nicht inhaltlich auf sie ein, sondern bediente sich niederträchtiger Diskursmittel, wie zum Beispiel Thea Dorn, die aus dem „Eva-Prinzip“ das „Eva-Braun-Prinzip“ machte: So nahm sie zwei Zitate, eines von Herman, eines von Rosenberg (Chefideologe der Nazis) und befand, sie klängen „verdammt ähnlich“, nämlich Herman:

„Die Forderung der heutigen Frauenemanzipation wurde im Namen eines schrankenlosen Individualismus erhoben“

und Rosenberg:

„Das Hohelied des Individualismus hat längst seinen verführerischen Klang verloren, doch mittlerweile haben sich reichlich Gründe erschlossen, warum man sich von dieser gefährlichen Vorstellung befreien sollte.“

Weil man in beiden Zitaten das gleiche Wort vorkommt und man den Folgen seines Sinngehalts ablehnend gegenübersteht, sollte Herman der rechten Szene nahe stehen. Nur dass sich Herman gegen einen zügellosen Egoismus wendet, während Rosenberg vermutlich das Aufgehen des Einzelnen in der faschistischen Volksseele meinte.

Wenn man auf so bösartige Weise „argumentieren“ muss, und dabei an allem vorbeigeht, was die tatsächliche Position des Widerparts angeht, dann ist die Schlussfolgerung nicht weit hergeholt, dass der Widerpart ganz richtig liegt und man ihn nicht widerlegen kann.

Kommen wir zum Zitat, das weitläufig fehlinterpretiert wurde, dem Zitat. In freier Rede ins Unreine gesprochene sagte Eva Herman auf einer Presskonferenz folgendes:

„Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.“

Von 30 Pressevertretern verstanden das alle richtig, nur eine nicht, Barbara Möller interpretierte das so:

„In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat“

Und das war’s dann. Der Vorwurf, Herman habe die Familienpolitik der Nazis gelobt oder sich zumindest „verharmlosend“ über sie geäußert, wird von nun an an ihr kleben wie Teer gemischt mit Tapetenkleister.

Weiter zum Fernsehtribunal mit Johannes B. Kerner als Ankläger, Richter und Henker. Es ging im Vornherein nicht um eine faire Diskussion, schon gar nicht um das Anliegen Eva Hermans, also Wertschätzung für Familie und Kinder oder Erkenntnissen aus der Bindungsforschung. Sie sollte vernichtet werden, sie sollte unmöglich gemacht werden, etwas, das Kerner nicht schaffte, was ihm von den „Qualitätsmedien“ in den nachfolgenden Tagen vorgeworfen wurde.

Eva Herman befand sich dabei allein auf weiter Flur, eine gegen alle. Und hat sich dafür grandios geschlagen. Ich gehe nur auf wenige Punkte ein:

Zum einen die Penetranz, mit der Kerner seine Interpretation ihres Zitates durchsetzen wollte. Immer wieder kam er damit und fragte scheinheilig, ob so ein Vergleich zur NS-Zeit notwendige gewesen wäre. Gesunde Kommunikation funktioniert so: A sagt etwas. B versteht etwas Ungeheures und fragt nach: „Meinst Du dies und das?“. A stellt richtig: „Nein, ich meinte das“.(67) Für Kerner war das aber wohl zu hoch. Und auch warum der NS-Vergleich wichtig ist: Hier liegen nunmal die Ursachen für gravierende Probleme in unserer Gesellschaft, nochmal: Wir kriegen doch die demografische Kurve gar nicht mehr!

Als das Wort an einen tollen Professor ging, der natürlich darüber stand, die Bücher zu lesen, deren Autorin er auf’s massivste angriff, wurde es besonders ekelhaft. (Er war so merkbefreit, dass er ein ganzes Buch zum Thema schrieb, welches hier zerpflückt wird.) Prof. Wippermann befand, Herman verwechsle Konservativismus mit Faschismus und musste erklären, letzteres bedeute Rassenzucht, Rassenvernichtung und Rassenstaat. Auch er nahm also für bare Münzen, was an Verleumdungen in der Lückenpresse stand; was in allen Zeitungen stand müsse auch richtig sein, so der Experte später, eine Äußerung, für die er in Hochzeiten der APO nur Hohngelächter geerntet hätte. Hätte er sich die Mühe gemacht, mal ins „Eva-Prinzip“ reinzuschauen, wäre er über Absätze wie diesen gestolpert:

„Was viele nicht wissen: Unsere distanzierte Haltung zu unseren Kindern steht auch in einem direkten Zusammenhang mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem Dritten Reich. Die Theoretiker des Nationalsozialismus erkannten früh, dass die Frage der Kindererziehung höchste politische Relevanz hatte. Das beschränkte sich nicht auf die erwünschte Steigerung der Geburtenrate, die sich in der Auszeichnung mit dem „Mutterkreuz-Orden“ für Frauen mit vielen Kindern ausdrückte. Es traf vielmehr die konsequente Einflussnahme auf den vormals privaten, familiären Bereich von Geburt, Mutterschaft und Säuglingspflege. Es ging nicht nur darum, „dem Führer Kinder zu schenken“, sondern die Kinder so früh wie möglich nach den Maßgaben des nationalsozialistischen Menschenbildes zu formen. Betrachtet man diese ideologischen Grundlagen, wird schnell klar, dass der Hilter-Staat alles daransetzte, jeden gesellschaftlichen Bereich zu kontrollieren und jede private Nische zu vernichten, in der sich individuelle Lebensformen entwickeln konnten. Verwirklichen ließ sich das nur, in dem die Gruppe, das Kollektiv, die „Volksgemeinschaft“ über den einzelnen Menschen gestellt wurde, eine Ideologie, die wir auch im DDR-Sozialismus immer wieder beobachten konnten. damit wurden Kinder zum Politikum. Um ihre Erziehung zu nationalsozialistischen Bürgern zu gewährleisten, solten sie der elterlichen Fürsorge so früh wie möglich entzogen werden…“

Wahrlich, so klingt ein Fan der Nazifamilienpolitik…

An anderer Stelle wurde es geradezu lustig, als Kerner und Wippermann verbieten wollten, von einer „gleichgeschalteten Presse“ zu sprechen, denn das sei Nazisprech. Dass der Begriff alltäglich gebraucht wird, spielte genauso wenig eine Rolle, wie dass sich Herman ja gegen die Gleichschaltung aussprach; sie kritisierte, dass sich die Medien ihr gegenüber wie gleichgeschaltet verhielten. Die Folgerung, damit rutsche sie Richtung Nazitum ist genauso hirnrissig, wie jemanden vorzuwerfen, er sei für eine Diktatur, da er sich gegen eine zu hohe Machtkonzentration im Staatsapparat ausgesprochen hatte. Schließlich sagte Eva Herman entnervt, man habe auch Autobahnen damals gebaut und man fahre trotzdem drauf. Wohlgemerkt: Ihr Einwand war, wenn man den Begriff „Gleichschaltung“ nicht benutzen dürfe, wegen „Nazis hatten das auch schon“, dann gelte das auch für Autobahnen. Sie sagte nicht, die Nazis hätten auch ihre guten Seiten gehabt, zum Beispiel eben diese Schnellstraßen. Dennoch wurde es so interpretiert. Das Qualitätsmedium Spiegel-Online kommentierte dies so: [Herman habe gesagt, dass] Wenn man nicht über die Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden“ und reiht sich damit ein in die gleichgeschaltete Lügenpresse.

Auch wurde er Vorwurf erhoben, Rechte bis Rechtsradikale würden Eva Herman zujubeln. Nun, das war so:

1. Lügenpresse sagt: „Eva Herman ist braun“,

2. Rechte sagen: „Oh, sie ist eine von uns!“,

3. Lügenpresse sagt: „Da habt ihr’s!“

Und wie wolle Herman gegen die Anbiederung von Rechts vorgehen? Natürlich so, wie man das macht in einem Rechtsstaat mit staatlichem Gewaltmonopol: Mit einer Pumpgun einem Rechtsanwalt.

Am Ende wird Eva Herman gegangen, sie wird rausgeworfen. Angeblich, weil sie sich was Ungeheuerliches geleistet hätte – was nicht der Fall war. Tatsächlich war sie diejenige in der Runde, die von den Nazis am weitesten entfernt war. Ein Forschungskonzept, mit dem man die NS-Lastigkeit von Menschen feststellen konnte, kam bei Kerner und den anderen Diskutanten auf extrem hohe Werte, fast wie bei Altnazis, während Eva Herman besser als Demokraten abschnitt.(142) Das wird viele Medienschaffende überrascht haben, die Mehrheit der Bevölkerung kaum, denn es handelte sich um einen weiteren der vielen Fälle, in welchen die veröffentlichte Meinung der gleichgeschalteten Presse nicht mit der öffentlichen Meinung übereinstimmt. Dennoch – oder wahrscheinlich doch eher deswegen – hat sich die Richtung der Familienpolitik kein bisschen geändert: Ihr höchstes Ziel ist nach wie vor, den Nachwuchs in die Kinderdeponien abzuschieben, damit die Mutter unbelastet von „Blagen“ arbeiten gehen kann.

Alle Seitenangabe aus: Arne Hoffmann – „Der Fall Eva Herman – Hexenjagd in den Medien“

p.s.: Es gab eine irreführend geschnittene Fassung des Tribunals, ob es sich um diese handelt, weiß ich nicht, bezweifle es aber, da es von Eva Herman selbst auf youtube veröffentlicht wurde (Ich habe mir anlässlich dieses Textes das Video aus meinem Archiv angesehen):