Archiv der Kategorie: Geschlechterrollen

Wo Männer aus feministischer Sicht benachteiligt sind und die Verweiblichung des Mannes

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Ein Junge, der Feministinnen gefällt. Nur: Meinen sie es gut mit ihm?

Wenn man Feministinnen mit männlichen Nachteilen wie Obdachlosigkeit konfrontiert, ist die Reaktion auf Zustände, die auf weiblicher Seite ein Anlass für einen weiteren #aufschrei und eine nationale Debatte wäre, Ausflüchte, wie z.B. dass Männer selbst schuld daran seien oder dass das „Patriarchat“ eben auch Männern schaden würde, weshalb man nicht männlichen Obdachlosen helfen sollte sondern noch mehr Frauenförderung angesagt sei.

Aber halt: Bleiben wir fair. Feministinnen sind ehrlich empört über männerfeindlichen Sexismus. Dass zum Beispiel Männer nicht rosa Kleidchen tragen können, ohne dass man ihre Männlichkeit in Frage stellt, ist ein Anlass für Femininistinnen, sich über diese fiese strukturelle Benachteiligung zu empören!

Woran liegt das? Warum interessieren sie sich einen Scheiß für Männer, die unter der Brücke krepieren, sind aber echt leidenschaftlich dabei, wenn Jungen, die von feministisch inspirierten Müttern in Mädchenkleidern zur Schule geschickt werden, dort gehänselt werden? Die Antwort liegt auf der Hand: Feministinnen lieben schwache Männer, sie lieben verweiblichte Männer.

Und zwar genauso, wie sie umgekehrt die empauerte Frau, die Pauerfrau, lieben. Das liegt daran, dass entgegen der täglichen Propaganda der Mann kein Täter ist, sondern ein Held. Der feministische Hass gegen Männer resultiert nicht daraus,  dass der Mann so ein Widerling ist, sondern im Vergleich zur Frau ganz gut dasteht. Feministinnen sind verhinderte Geschlechterpatriotinnen: Sie wären so gerne so stolz auf ihr Geschlecht, das Problem ist nur, dass es neben dem Weltenerbauer Mann verblasst. Dadurch lässt sich das scheinbare Paradoxon erklären, wonach Feministinnen alles typisch männlicher verteufeln, aber gerade diese typisch männlichen Eigenschaften bei Frauen heranzüchten wollen. Männer sind Naturwissenschaftler, also sollen die Mädchen MINT-Fächer studieren. Männer werden als Soldaten missbraucht, also klagen Feministinnen das Recht auf Dienst an der Waffe ein. Und das, was bei Männern als Gewaltausübung verurteilt wird, gilt bei Frauen als emanzipierte Stärke und Durchsetzungskraft. Was Feministen bei Männern hassen, lieben sie bei Frauen und was sie bei Frauen hassen, lieben sie bei Männern.

Aus der Unfähigkeit, es dem Mann gleich zu tun, resultiert Hass. Deswegen soll der Mann dekonstruiert werden, soll zerlegt und vernichtet werden, soll weibliche Eigenschaften übernehmen – die insgeheim von Feministinnen verachtet werden: Pink stinks. Feministinnen wollen auf Männer herabblicken können.

Und damit zurück zur Ausgangsfrage: Nein, Feministinnen meinen es nicht gut mit dem Jungen, der Rosa trägt. Sie handeln nicht in seinem Interesse, sie verfolgen ihre eigene, selbstsüchtige Politik der Zerstörung von Männlichkeit. Und hier fangen sie bei Kindern an, bei denjenigen also, die sich am schlechtesten wehren können.

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Nachtrag zu Schlampen vs. Playboys

„Sex ist etwas, das Männer Frauen antun“ – Elfriede Jelinek (Literaturnobelpreis)

Siggi hat meinen Beitrag zum Thema „Schlampen“ aufgegriffen.

Als erstes muss ich den Strohmann zurückweisen, wonach „zu viel“ Sex ähnlich wie „zu viel“ Nahrung oder Alkohol zu werten ist. Das ist banal und steckt schon in dem Wörtchen „zu“ in „zu viel“ drin. Natürlich halte ich ein Plädoyer für gesunden Sex. Siggis Antwort ist in etwa so zu werten, als ob ich die Vorzüge hervorhebe, Essen zu genießen, etwa wie ein Gourmet, und dann eingewendet wird, dass „zu viel“ Essen gesundheitsschädlich ist. Das bestreite ich nicht, aber ich spreche nicht von Sexsucht (analog zu Esssucht oder Alkoholabhängigkeit) sondern von einer gesunden Beziehung zur Sexualität, sowohl der eigenen als auch zu der des Partners.

Siggi schreibt:

Warum sollte es bei Sex so wichtig sein, dass man ihn „ohne schlechtes Gewissen genießen“ kann?

und da frag ich mich, ob er es ernst meint, und wen er meint – allein Frauen oder auch Männer?

Will er allen Ernstes ein schlechtes Gewissen bei Sex als etwas gutes beurteilen? Und meint er damit allein Frauen, die sich zu schämen haben, wenn sie eine befreite Sexualität leben, oder auch Männer? Er verwendet allein den verurteilenden und stark herabwürdigenden Begriff „Schlampe“ ohne männliche Entsprechung, woraus man folgern kann, dass allein Frauen sich zu schämen hätten – das wäre frauenfeindlich und getragen von einer Doppelmoral: Ein und dasselbe Verhalten hier als etwas Kritikwürdiges, dort in Ordnung. Später im Text redet er von „Impulskontrolle“, ganz so als ob eine sexuell befreite Frau (und Mann?) sich nicht unter Kontrolle hätten. Das erinnert stark an Mädchenbeschneidung in primitiven Kulturen, denn diese werden dort auch mit dem Argument vorgenommen, dass man diesen Frauen den Spaß am Sex nehmen will, da sie sich ansonsten nicht unter Kontrolle hätten und fremdgehen würden.

Siggi schreibt:

Viele Dinge sind geschützt und rationiert, unterliegen also einer Zugangsbeschränkung. Das gilt für jeden Laden. „Schuldig machen“ sich nur diejenigen, die den Preis nicht bezahlen wollen. Zahlende Kunden sind herzlich willkommen.

Damit beschreibt er nichts anderes als Prostitution. Er zieht also Beziehungen vor, in welchen Männer Sex von Frauen kaufen. Sie müssen eine Gegenleistung erbringen, im Puff Geld, außerhalb des Bordells hingen Wohlverhalten. Wenn man so eine Frau heiratet, hat man eine Eheprostituierte geehelicht, die einen hin und wieder dran lässt dafür, dass man ihr das Leben unterhält. Ob allerdings eine solche Beziehung tragfähiger ist als eine mit befreiter Sexualität, ist angesichts der exorbitanten Scheidungszahlen fragwürdig.

Siggi ist offenkundig ein Anhänger des „Hure und Madonna“-Modells. Auf der einen Seite die Hure, die „Schlampe“ mit einer verlotterten Sexualität, die sich eigentlich zu schämen hätte, auf der anderen Seite die Heilige, die Madonna, die enthaltsam ist und die man guten Gewissens ehelichen kann um für sie zu sorgen.

Mein Konzept hingegen ist eines, in welchem Frauen wie Männer eine gesunde Beziehung zur ihrer Sexualität unterhalten, sich nicht schämen müssen, und auch nicht wie Jelinek oben Sex für etwas halten, wofür man die Partnerin entschädigen muss.

Ich las vor einiger Zeit mal eine interessante Anekdote einer Feministin. Sie berichtete, wie sie einen Mann erst aus ihrem Bett und dann aus dem Haus geworfen hatte. Der Grund: Er weigerte sich, sie oral zu befriedigen, weil er das ekelhaft fand. Die Feministin argumentierte, dass sie ein Recht auf ein gesundes Körpergefühl hätte, und ihr Partner ihr das auch schuldig wäre. Ein Partner, der sich vor ihren Genitalien ekelte, würde ihr harmonisches Körpergefühl stören. Typisch Feministin: Das Recht auf eine gesunde Körperharmonie forderte sie allein für Frauen.

Dieses Recht steht aber auch Männern zu. Auch ein Mann hat ein Recht darauf, dass die Partnerin seinen Körper und seine Sexualität als etwas Schönes auffasst. Männer wie Frauen dürfen ihre Sexualität als etwas Wunderbares und Positives begreifen, nicht als etwas, wofür man sich zu schämen hat oder für das man bezahlen muss. Siggis Modell von Sex ist deformiert. Frauen haben sich zu schämen, wenn sie Sex außerhalb einer eheähnlichen Beziehung haben und werden mit dem massiv herabwürdigendem Begriff „Schlampe“ belegt, welcher laut Siggi vollkommen in Ordnung ist – Männer hingegen haben Sex zu kaufen, als ob sie den Frauen was wegnehmen würden, oder ihnen etwas „antun“, wofür sie eine Entschädigung zu zahlen hätten.

Gesunde, nicht deformierte Menschen haben ein gesunde, genießerische Ader sowohl zur eigenen Sexualität als auch zu der des Partners. Möge sich jeder selbst entscheiden, was er vorzieht, Freude am Sex oder Scham und Prostitution.

[Nachtrag] In einem ausführlichen Kommentar hat mich Siggi korrigiert. Er verteidigt nicht das Hure-Madonna-Weltbild. Da habe ich zu flüchtig und blindwütig gelesen und mich von Reizwörtern triggern lassen.

Sexuell freizügig: Frauen sind Schlampen und Männer sind Playboys?

Zur Abwechslung mal ein Punkt, bei dem ich der feministischen Sicht auf die Dinge zustimmen kann, nämlich dem Umstand, dass Frauen, die viel Sex mit vielen Männern haben, als „Schlampen“ gelten, Männer, die umgekehrt dasselbe machen als „Playboys“ bewundert werden. Eine Metapher, die dabei häufig angeführt wird, ist die mit dem Schloss und dem Master-Key. Eine Frau, die viele Liebhaber hat, ist dabei ein „billiges“ Schloss, das durch jeden Schlüssel geöffnet werden kann. Ein Mann hat umgekehrt hingegen den „Master-Key“, welcher jedes Schloss öffnet.

Diese Sicht ist frauenfeindlich, ohne Frage, hat aber auch Ursachen. Eine auch nur durchschnittlich gutaussehende Frau hat es einfach an Sex zu kommen. Sie muss sich nur verführen lassen, was relativ einfach ist. Ein Mann hingegen muss etwas leisten, was nicht jeder kann und wofür es besondere Charaktereigenschaften und Fähigkeiten braucht, um die er von anderen Männern beneidet wird. Kurz: Erobert zu werden ist einfacher als zu erobern.

Auf einer Party kam das Gespräch mal auf das Thema. Es ging um die Frage, ab dem wievielten Date Sex in Ordnung. Als eine Frau in der Runde gefragt wurde, ob sie sich Sex beim ersten Date vorstellen könne, entgegnete sie entrüstet: „Ich bin doch keine Schlampe!“.

Das ist nicht gut. Das ist schlecht [Nachtrag: Damit meine ich nicht, dass man beim ersten Date unbedingt Sex haben sollte, ich verurteile lediglich die Implikation, wonach eine Frau, die beim ersten Date Sex hat, eine Schlampe sei]. Eine solche Frau ist nicht sexpositiv. Eine solche Frau hat keinen guten Kontakt zur ihrer Sexualität. Sie unterhält keine Beziehung zu ihrer Sexualität als etwas, dass man ohne schlechtes Gewissen genießen kann. Sie ist deformiert und verbogen, und wenn man sich als Mann mit ihr einlässt, muss man sich selbst auch verbiegen. Der ungesunde Umgang mit der eigenen Sexualität betrifft auch die Sexualität des Mannes. Denn wenn die weibliche Sexualität als etwas gesehen wird, was man schützen und rationieren muss, geht das mit dem Blick auf die männliche Sexualität einher, die nimmt, befleckt und sich schuldig macht – das eine bedingt das andere. Das geht in Richtung viktorianischer Prüderie, das hat was vom Verbot vorehelichen Sex‘ – es nötig Männer in die Ernährerrolle, welche von Frauen auch gewollt ist: „Ich bin monogam und gebe mich nur dir hin, bin keine Schlampe, und Du sorgst für mich“ (die traditionelle Rollenverteilung ist von Frauen gewollt, weshalb sie mit Einführung des Frauenwahlrechts auch nicht abgeschafft wurde).

Deshalb sollte man den Begriff „Schlampe“ tunlichst aus seinen Wortschatz streichen und Frauen meiden, die ihre Geschlechtsgenossinnen damit abwerten.

Sind wir darauf angewiesen, richtig "gelesen" zu werden?

Feministen sprechen häufig davon, dass Menschen „gelesen“ werden. Damit ist gemeint, dass die Umwelt einen auf eine bestimmte Art und Weise wahrnimmt (also: „liest“) und dann in eine bestimmte Schublade steckt, um das „Opfer“ dieses Vorganges dann dementsprechend zu behandeln. Hierbei entfalten sich Vorurteile, was von Feministen angeprangert wird.

Ein Beispiel: Ich sehe einen Menschen, lese ihn als Frau und gehe automatisch davon aus, dass ihr der Rechner von einem Mann eingerichtet wurde, da sie selbst nicht in der Lage ist, eine Betriebssystem zu installieren. Anhand dieses Beispiels zeigt sich schon, dass Feministen negative Vorurteile über Frauen haben, unabhängig davon, ob sie nun zutreffen oder nicht; ich schrieb bereits einmal, dass Problem der Feministen ist nicht, dass Männer so böse, gewalttätig und schlecht sind, das Problem ist, dass Männer zu gut sind, und der ganze Feminismus ist im Grunde eine Revolte gegen die eigene Selbstverachtung, wie es einmal ein Maskulist ausdrückte.

Jeder Mensch arbeitet mit auswendig gelernten Widerholungen, Schubladen und Vorurteilen. Was anderes wäre auch gar nicht möglich. Wenn ich jeden Morgen das Schuhzuknüpfen neu lernen müsste, die ganze Gesellschaft wäre schlicht nicht überlebensfähig. Und so ergeht es auch allen Menschen, die ich sehe, die irgendjemand sieht: Für mich wie für jeden heterosexuellen Mann ist eine junge, attraktive Frau nunmal etwas grundlegend anderes, als ein junger, attraktiver Mann. Von der einen will ich etwas, was ich vom anderen nicht will. Ich stecke sie also in unterschiedliche Schubladen, behandele sie unterschiedlich, was im Grunde ein Sexismus darstellt. Nur das dieser Sexismus moralisch einwandfrei ist (Feministen sehen das freilich anders): Es ist legitim, dass ich einen Mann anders behandel als eine Frau, also zum Beispiel keine Annäherungsversuche unternehme.

Meine These ist jetzt, dass dies von der großen Mehrheit der Menschen auch so angenommen, akzeptiert wird, ja: gewollt ist. Die allermeisten Menschen sind mit ihrem Geschlecht zufrieden, und wollen auch geschlechtsspezifisch behandelt werden, ja ich gehe sogar noch weiter und behaupte, als Frau oder Mann ist man geradezu darauf angewiesen auch als Frau oder Mann geschlechtsspezifisch gelesen und behandelt zu werden.

Zur Beweisführung berufe ich mich auf das Phänomen der Transsexualität. Ich habe mehrer Transsexuelle kennengelernt und will hier zwei Menschen als exemplarisches Beispiel anführen. In beiden Fällen handelt es sich um Mann-zu-Frau-Transsexuellen, also Frauen, die in einem Männerkörper eingesperrt sind oder waren. Beide hatten bereits ihre operative Geschlechtsumwandlung hinter sich.

Bei der Einen war die Geschlechtsumwandlung geglückt. Ich habe selten eine derart entspannte Seele kennengelernt. Die Geschlechtsumwandlung war in dem Sinne geglückt, als dass man ihr abkaufte, eine Frau zu sein, immer schon gewesen ist. Und das war der Grund für Glückseligkeit. Sie wurde als Frau gelesen und auch so behandelt, womit ihr höchstes Ziel erfüllt war. Sie trug lange blonde Haare, Lippenstift und Eyeliner, und man nahm es ihr ab. Ihr seelischer Glückszustand rührte daher, dass sie so behandelt wurde, wie sie es sich wünschte, dass die Reaktionen ihrer Umwelt in Kongruenz standen zu ihrer psychischen Verfassung – sie fühlte sich als Frau, trat so auf, wurde so behandelt, also war sie glücklich.

Der zweite Fall hingegen war ein tragischer. Während die Transfrau aus dem ersten Beispiel schon vor der Geschlechtsumwandlung ein sehr femininer Mann gewesen sein musste, so traf auf das zweite Beispiel das genaue Gegenteil zu. So war sie erstmal einen Kopf größer als ich, und ich bin nicht klein. Weiterhin verfügte sie über ein männlich-markantes Gesicht genauso wie über ein männlich-robusten Körperbau. Mit anderen Worten: Sie konnte sich bemühen wie sie wollte, sie wurde nicht als weiblich gelesen. Egal, ob sie Lidschatten oder Lippenstift auftrug, ob sie sich in Sommerkleider hüllte, man kaufte ihr einfach nicht ab, eine Frau zu sein, sie wirkte nur wie ein Freak. Und das war ihr höchstes Unglück – sie wurde nicht als Frau behandelt, keiner machter ihr den Kavalier und Gentleman, und darunter litt sie – so sehr, dass sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen musste.

Was sich hier am Beispiel der Transsexualität zeigt, ist, dass genau das, was von Feministen verteufelt wird, nämlich, dass man geschlechtsspezifisch gelesen, und in der Folge auch geschlechtsspezifisch behandelt wird, eine Notwendigkeit für psychische Gesundheit ist. Frau und Mann bleiben gesund, wenn wir sie als Frau und Mann lesen und so behandeln. Und so sind die Fronten: Hier Feministinnen, die sich dagegen verwahren, als „weiblich“ gelesen zu werden, weil dies „Diskriminierung und Sexismus“ sei, dort Transsexuelle, die von nichts anderem träumen, als genauso behandelt zu werden, wie es ihrer geschlechtsspezifischen, psychischen Situation entspricht. Ein Feminismus, der alle Geschlechtermerkmale oder -stereotype aufheben will, ist nicht nur krank, er ist auch krankmachend.

Gender und Rolle – Was ist anerzogen, was angeboren?

Eine Frage, die sich in Genderdebatten regelmäßig stellt, ist, wieviel der „Geschlechterrolle“ ist anerzogen, wieviel angeboren. Wenn Jungen gerne mit Autos spielen oder toben, wenn Mädchen Glitzer und Rosa bevorzugen, ist das nun durch gesellschaftliche Erwartungen aufgedrückt oder äußert sich hier die Biologie?

Was die biologistische Position angeht, so kenne ich keine, in welcher behauptet wird, dass jedwedes Verhalten angeboren ist – und zwar zu 100%. Erzieherische und gesellschaftliche Einflüsse auf die Charakterentwicklung wird in der Regel – bis zu einem bestimmten Maß – eingeräumt.

Auf der Gender-Seite sieht das anders aus. Eine dominierende Theorie lautet darauf, dass der Mensch von der Geburt an ein unbeschriebenes, weißes Blatt in seiner Persönlichkeit sei, und alle Charaktereigenschaften, wozu ausdrücklich auch die sexuelle Identität und Orientierung zählen, lediglich anerzogen seien (und zwar zum Nachteil der Frau). Mit anderen Worten: Wenn ich einen Jungen kastriere und wie ein Mädchen aufziehe, dann wird daraus eine vollwertige Frau (von der Gebärfähigkeit abgesehen). Ein solches Experiment wurde tatsächlich schon unternommen, unter Applaus der Gender-Szene und der Feministen, beispielsweise Alice Schwarzer, die bekundete, dass hier ein Mann dem Auftrag der Wissenschaft gerecht würde. Nachdem dieses Experiment tödlich scheiterte – das Versuchskaninchen erschoss sich – wurde der Fall stillschweigend aus der Gender-Literatur gestrichen. Aufgeklärt wurde nicht, unter anderem darüber, dass das Opfer sein ganzes Leben lang die aufgezwungene Geschlechterrolle ablehnte, und augenblicklich beschloss, als Junge weiterzuleben, als er erfuhr, dass er auch als ein solcher geboren worden war. Man hatte hier künstlich einen Transsexuellen geschaffen, einen Menschen, der sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlte, als es seinem körperlichen entsprach.

Die Frage, was denn nun anerzogen ist, und was angeboren, ist eine ungeheuer spannende. In nächster Zeit dürfte sie aber nicht zu klären sein, da Gender-Feministen, die den Diskurs dominieren, gar nicht an einer offenen Fragestellung interessiert sind, sondern das Dogma von der ausschließlich anerzogen Geschlechterrolle vor sich hertragen und keine Kritik daran zulassen.

Was meine persönliche Theorie angeht: Ich halte bestimmte Charaktereigenschaften bis zu einem gewissen Graf für angeboren, aber nicht für geschlechtsspezifisch – von sexueller Orientierung und Identität abgesehen.

Okay, das ist erklärungsbedürftig, ein Beispiel: Aggression. Der Mann gilt in der Regel als das gewalttätige und aggressive Geschlecht, was zu Folge hat, dass die ersten Opfer im Krieg als Täter gesehen werden und männliche Opfer häuslicher Gewalt keine Hilfe erfahren, da es sie ja angeblich gar nicht gibt. Jetzt weiß man aber aus der Forschung über häusliche Gewalt, dass Frauen ganz genauso gewalttätig werden wie Männer. Hier trifft einer der Gendergrundsätze zu, nämlich dass die Unterschiede innerhalb einer Geschlechtergruppe größer sind, als zwischen den Geschlechtern – sprich: Die Formel „Männer aggressiv – Frauen friedfertig“ ist nicht zu halten. Ich halte die Charaktereigenschaft „aggressiv“ oder „gewaltbereit“ also nicht für geschlechtsspezifisch.

Ich halte sie aber für einen guten Teil für angeboren. Hierzu erinnere ich mich an einem Fall, bei welchem ein Mann eine Kopfverletzung erlitt. Bis zu diesem Tag litt seine Familie darunter, dass er jähzornig und gewalttätig war. Eine Eigenschaft, die er nicht mehr aufwies, als er aus dem Krankenhaus heimkehrte. In Situationen, in welchen er vorher einen Wutanfall gezeigt hätte, blieb er nun ruhig, sein Jähzorn war mit der Beschädigung bestimmter Hirnareale wie weggeblasen. Ein starker Indikator dafür, dass seine Wut im Hirn angelegt war. Diese Eigenschaft war also angeboren – aber nicht geschlechtsspezifisch.

Solche Charaktereigenschaften halte nicht für geschlechtsspezifisch angeboren. Andere, wie die sexuelle Orientierung, schon. 95% der Jungen stehen nun mal auf Mädchen, das ist nicht anerzogen, sondern angeboren (genauso wie homosexuelle Neigungen).

Die Frage ist jetzt, wie es zu geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen kommt. Warum zum Beispiel obliegt es dem Mann, und nicht der Frau, den jeweils anderen anzusprechen und damit das Risiko der Zurückweisung einzugehen? Warum ist Rosa die weiblich kodierte Farbe? Dies halte ich für kulturell anerzogene Unterschiede; sicher gibt es kein Gen, welches das Weibchen auf „rosa“ trimmt*. Was aber angeboren ist, ist das Bedürfnis sich vom anderen Geschlecht abzugrenzen, Unterschiede zu kultivieren. Das hat was mit der geschlechtlichen Identität zu tun, denn wenn man gleich ist (nicht im Sinne der Gleichheit vor dem Gesetz) ist man gar nichts, da man sich vom anderen nicht unterscheiden kann. Die meisten Menschen fühlen sich mit ihrem Geschlecht wohl und auch damit, sich im alltäglichen Umgang voneinander zu unterscheiden. Das betrifft natürlich nicht die Gleichberechtigung, die Gleichheit vor dem Gesetz. Aber nur weil man als Rechtsperson gleichgestellt ist, bedeutet das nicht, dass man dies auch im kulturellen Umgang miteinander ist. Und in einer toleranten Gesellschaft können sowohl Mädchen als auch Jungen vom typisch-geschlechtsspezifischen Verhalten abweichen: Ein Mädchen kann ein Tomboy sein und eine Olivia Jones kann wie ein weiblicher Paradiesvogel auftreten, ohne, dass es damit ein Problem gibt – oder geben sollte. Jeder wie er will, lautet die Devise. Allerdings – und das wird Feministen gar nicht passen – bedeutet das auch, dass sich Mädchen und Jungen unter einer solchen Direktive überwiegend geschlechtsspezifisch verhalten werden.

*(Feministen stört es, dass Rosa die weiblich kodierte Farbe ist. Genauer: Feministen stört, dass überhaupt eine Farbe weiblich kodiert ist, wäre es Grün, diese würde genauso angefeindet werden, und es gäbe eine Initiative: „Die Grün-Hellblau-Falle“ und Parolen wie „Green stinkt“. Das Kernproblem des Feminismus ist nicht der Unterschied zwischen den Geschlechtern, das Kernproblem ist, dass es überhaupt zwei Geschlechter gibt, die man im alltäglichen Erleben klar und deutlich voneinander unterscheiden kann. Gender bedeutet, die Geschlechter aufzulösen, zu „dekonstruieren“, weil die bloße Existenz zweier Geschlechter für den Genderisten eine Zumutung darstellt.)

Filmkritik: "Waterworld"

„Waterworld“ feiert bald seinen zwanzigsten Geburstag, was nicht der einzige Grund ist, sich diesen Film mal näher anzusehen: Denn er war ein Flop. Nur warum?

(c) IMDB.com

Dieser Film bringt alles mit, was einen erfolgreichen Blockbuster ausmacht. Der Plot handelt in einer apokalyptischen Endzeitwelt, in welcher nach dem Schmelzen der Polkappen die gesamte Erde mit Wasser bedeckt ist. Weiterhin kommt der Film nicht nur mit dem Topdarsteller Kevin Costner daher, sondern erfüllt auch alle anderen Kriterien eines Spitzenfilms, wie eine überzeugende Tricktechnik, Action-Szenen und natürlich der alte Kampf Gut gegen Böse.

Trotz dessen war der Film nicht nur an den Kinokassen ein Flop, sondern wird bspw. auch bei der Filmdatenbank „IMDB“ mit gerade mal 6.1 abgestraft.

Woran liegt das? Die Antwort ist einfach: Die Hauptfigur, gespielt von Kevin Costner, befolgt nicht den Helden-, und auch nicht den Gentleman-Code. Er ist ein Einzelgänger, der allein um sein eigenes Überleben kämpft, aber nicht um das anderer. Dies hätte man ihm noch verzeihen können, wenn er diese harte Regel allein auf andere Männer anwenden würde, und nicht auch noch auf Frauen und Kinder – ja sogar Mädchen! Denn genau das tut er: So verlangt er am Beginn des Films einer Adoptivmutter ab, dass sie ihre Adoptivtochter dem sicheren Tod ausliefern soll. Später dann wird er zum Beispiel zum Beinahe-Zuhälter, bevor sich sein Sinn wandelt und er doch noch zum Frauenretter wird.

Anstatt also, dass er die klassische Heldenrolle erfüllt, und bereit ist, sein Leben für Frau und Kinder zu opfern, stellt er sein eigenes Überleben über das Anderer – einschließlich Frauen und Kinder. Und das verzeiht der Zuschauer dem „Helden“ nicht. Weder kann sich der männliche Zuschauer mit dem Helden identifizieren, noch kann der weibliche Zuschauer sein Handeln gutheißen – und das war’s dann: Der Film flopt.

Während Feministinnen das alte Konzept des „Prinz-rettet-Prinzessin“-Schemas ablehnen, lehnen die Zuschauer Filme ab, in welcher der „Held“ zumindest zu Beginn wenig daran denkt, die Rolle der Retters einzunehmen und dabei auch das eigene Leben zu riskieren.

Dass der männliche Held die für Männer alltägliche Härte auch Frauen und Kindern zumutete, das ist es, was der Zuschauer dem Film nicht verzeihen konnte.

Der ganze "Vereinbarkeits"-Krampf

Eine der Lieblingsfloskeln des Feminismus ist die Forderung nach „Vereinbarkeit von Kind und Beruf“ – und zwar allein für die Frau. Dass der Mann ebenfalls Kind und Arbeit nicht vereinbaren kann, also Familie der Arbeit opfert, ist ein Gedanke, auf den man nur selten kommt.
Ein Kind, besonders ein Säugling braucht Pflege, und zwar rund um die Uhr. Jetzt hat aber der Tag nur 24 Stunden. Wenn man sich also um ein Kind kümmert, kann man nicht Vollzeit arbeiten gehen. Da Frauen nicht bereit sind, den Rollentausch zu vollziehen, also mit ihrer außerhäuslichen Maloche das Geld zu verdienen, mit dessen Löwenanteil man einen Mann von der Arbeit freistellt, so dass er die Kinderpflege übernehmen kann, muss eine andere Lösung her: Der Nachwuchs wird in die staatliche Fremdbetreuung abgeschoben. Das hat gleich mehrere Vorteile: Der Staat kann die Kinder in seinem Sinne erziehen und prägen, und zudem wird ein wichtiger Punkt der Gender-Agenda erfüllt, wonach möglichst alle Frauen möglichst ihr ganzes Leben lang einer Vollzeitarbeit nachgehen, denn erst das mache die Frau frei: „Arbeit macht frei“… das wusste man früher schon.

Zurück zur „Vereinbarkeit“. Was ist damit gemeint? Warum spricht man bei einem der beliebtesten Modelle – Frau arbeitet Teilzeit, sobald die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind – nicht davon, dass man hier Beruf und Familie vereinbart – und zwar erfolgreich? Weil das Ergebnis für Feministinnen unbefriedigend ausfällt, denn es geht darum, dass Frauen mindestens genauso viel leisten wie Männer, in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Und das geht natürlich nur, wenn die Frau Vollzeit schafft – keine erreicht den Vorstand mit einer Teilzeittätigkeit (es sei denn, die feministische Liga schafft es, eine alte Forderung nach Quotenposten auf Teilzeit durchzusetzen…).

Feministen orientieren sich hier an Idealen, die sich zum einen nur durch (Über-)Vollzeit erreichen lassen, und zudem – bitter! – in der Regel nur von (einigen wenigen) Männern erreicht werden – zum Beispiel der Nobelpreis. Hierzu wird immer wieder die Klage vorgeführt, dass die Frauen selbst unzufrieden (mindestens) damit sind, dass sie wegen der Kinder beruflich zurückstecken müssen. Stimmt das? Sind Frauen tatsächlich unfähig, die Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen zu tragen und zu akzeptieren, wie zum Beispiel, sich versorgen zu lassen anstatt selbst zu versorgen? Blicken wir nach Schweden, welches wir alle ja als das Musterländle der Geschlechterpolitik kennen, unser aller Vorbild, welches wir nachahmen sollten. Dort ist es so, dass die Eltern gar nicht nicht mehr die Wahl haben. Aufgrund einer überbordenden Steuerlast sind dort Eltern gezwungen (!), ihre Kinder in Vollzeit-Fremdbetreuung zu geben, damit beide Elternteile Vollzeit arbeiten gehen können. Dort kann eine Mutter nur dann zu Hause bleiben, und sich selbst um die Kinderpflege kümmern, wenn sie das Glück hatte, sich einen Spitzenverdiener zu angeln. Und solche Frauen gelten – Überraschung (?) – als privilegiert. Ich denke, diese Lektion werden angesichts der deutschen Familien- und Frauenpolitik bei gleichzeitiger, neoliberaler Lohnstagnation auch die Frauen hierzulande lernen: Nämlich, dass man den Wert einer Sache erst dann erkennt, wenn man sie verloren hat.

Nur warum darüber heulen? Damit wird den Frauen nur etwas abverlangt, was für Männer schon immer eine Selbstverständlichkeit war – lebenslang vollzeit malochen. Hat da gerade dennoch ein Maskulist „Das ist trotzdem ein Problem!“ gesagt…?!