Archiv der Kategorie: Geschlechterrollen

Crumar: Geschlechterrollenwünsche der Jugend

Ein Kommentar, zu kostbar, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Die 18. Shell-Jugenstudie 2019 stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.572 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren, die zu ihrer Lebenssituation und ihren Einstellungen und Orientierungen befragt wurden.

Die hier dargestellten Ergebnisse entnehme ich der Zusammenfassung (Quelle unten), sie befinden sich auf den Seiten 25-26. Interessant ist, es handelt sich hier um die m.W. erste Zusammenfassung, die diese Themenkomplexe darstellt. Daher kann ich sie leider nicht im zeitlichen Verlauf präsentieren.
Alle Hervorhebungen und Kommentare sind von mir.

Einstieg: „Fragt man Jugendliche, wie sie sich die partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbstätigkeit wünschen würden, wenn sie 30 Jahre alt wären und ein zweijähriges Kind hätten, sind sich junge Männer und Frauen recht einig bezüglich der idealen Rollenverteilung: In einer Partnerschaft mit kleinem Kind sollte die Frau und nicht der Mann beruflich kürzer treten.
65 % der Frauen würden gerne maximal halbtags arbeiten – und 68 % der jungen Männer wünschen sich genau das von ihrer Partnerin.“

Womit dem immer wieder geäußerten Mantra, wonach „die verhaltensstarren Männer verhindern, dass Frauen mehr Erwerbsarbeit verrichten, um Karriere machen zu können“ eine Realität entgegensteht, in der knapp zwei Drittel der befragten Mädchen und jungen Frauen eine solche Option gar nicht wahrnehmen wollen.

Hier wird es merkwürdig: „Viele Männer wünschen sich eine Rolle als »aktiver Vater«, der sich an der Kinderbetreuung beteiligt, und nur 41 % von ihnen möchten in der beschriebenen Familiensituation in Vollzeit arbeiten. Von den jungen Frauen wünschen sich etwas mehr (51 %), dass der Vater in Vollzeit arbeitet.
Insgesamt haben beide Geschlechter also recht ähnliche Vorstellungen, was die Erwerbstätigkeit eines Vaters und einer Mutter angeht.“

Zunächst einmal wollen deutlich mehr junge Frauen von (!) Männern, sie mögen Vollzeit arbeiten, als diese es für sich selbst wollen, nämlich die Mehrheit dieser jungen Frauen (auffällig ausgelassen wird, wieviel Prozent der jungen Frauen sich einen „aktiven Vater“ wünschen).

59% der jungen Männer wollen in dieser familiären Situation demnach nicht (!) Vollzeit arbeiten, aber es bleibt unklar, wie die 68% der jungen Männer, die ihrerseits Frauen zugestehen, „maximal halbtags“ zu arbeiten es für möglich halten, ohne Vollzeit-Erwerbsarbeit familiär über die Runden zu kommen.

Ich strukturiere den Text folgend in Spiegelstrichen: „Insgesamt ist es mehr als die Hälfte (54 %) aller 12- bis 25-Jährigen, die ein »männliches Versorgermodell« favorisieren:
– 10 % bevorzugen das Modell eines »männlichen Alleinversorgers« (der Mann versorgt die Familie allein und arbeitet 30 oder 40 Stunden in der Woche), weitere
– 44 % präferieren das Modell eines »männlichen Hauptversorgers« (der Mann arbeitet mindestens 30 Stunden, die Frau maximal halbtags).“

Das traditionelle Familienmodell hat längst nicht ausgedient und es wird mehrheitlich auch gewünscht. Welche anderen Familienmodelle die – immerhin – 46% der Befragten sich vorstellen wird leider nicht dargestellt. Es wird leider auch nicht regional (siehe folgend) nach West und Ost aufgeschlüsselt.

Wenig erstaunlich „sind Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern zu sehen. Junge Menschen im Westen denken hier traditioneller:
– 58 % der Männer und 56 % der Frauen würden sich eine Familie mit männlichem Allein- oder Hauptversorger wünschen, während sich im Osten dem nur
– 38 % der Männer und 31 % der Frauen anschließen.“

Das sind erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West! Meine These, es gibt zwei Patriarchate in Deutschland, bzw. zwei Evolutionen wurde wieder glänzend bestätigt. 😉

Es folgt der feministisch inspirierte Euphemismus des Tages: „Der Vater als Ernährer der Familie ist – zumindest im Westen – offensichtlich keine rein männliche Vorstellung, dieses Modell wird auch von vielen jungen Frauen favorisiert.“

Wenn 56% der jungen Frauen sich dieser Vorstellung anschließen, dann handelt es sich nicht um „viele“, sondern um die Mehrheit der jungen Frauen. Damit hat sich die Ideologie, es handle sich um eine „rein männliche Vorstellung“ gründlich blamiert.
Nicht, dass die Forscher das daran hindern würde, den gleichen Quatsch immer wieder von sich zu geben. Natürlich nicht!

Die letzte Schlussfolgerung hat eine ähnliche Qualität: „In den neuen Bundesländern erfreuen sich dafür gleichwertiger aufgeteilte Modelle deutlich größerer Beliebtheit als im Westen.“

Man könnte nämlich auch sagen, 62% der jungen Männer und 69% der jungen Frauen lehnen den „Vater als Ernährer der Familie“ ab und nur die sogenannte Minderheit der jungen Männer und Frauen vertreten im Osten eine solche Ansicht.
Traditionelle Vorstellungen vom Vater als Ernährer der Familie: Westen = Mehrheit, Osten = Minderheit – das Konzept ist eigentlich ganz einfach zu verstehen.

Hier lassen sich die Erfolge des (West-) Feminismus besichtigen: Die Mehrheit der jungen Frauen (zumindest im Westen) strebt 2019 weder eine Beschäftigung über Teilzeit hinaus an, möchte, dass der Mann Vollzeit arbeitet und sieht den Mann als Haupt- oder Alleinversorger.
Das ist die ernüchternde Bilanz nach 50 Jahren Feminismus und es steht zu befürchten, die Einführung des Gendersternchen wird daran nichts ändern, weil auch das Binnen I seltsam wirkungslos blieb…

Zumindest wissen wir nun – und auch die jungen Männer sollten es wissen – was von all den schönen Umfragen über die „modernen Beziehungsvorstellungen“ junger Frauen zu halten ist.
Mehrheitlich gar nichts – ein Fall für das Altpapier.
Ermutigend nur der prozentuale Anteile von jungen Männern, die sich eine Rolle als aktiver Vater vorstellen können. Es bleibt viel Aufklärungsarbeit für uns zu leisten. Das steht fest!

Download hier: https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html

Hass auf PickUp weil die Frau falsch ist

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islieb.de

Die Anklagen gegen PickUp sind vielfältig. Das Ansprechen von Frauen sei manipulativ, Frauen würden zu Objekten gemacht, das sei übergriffig, gewalttätig und sexuelle Belästigung und schlimmer noch: In eine Sendung zum Thema „Flirten“ wird allen Ernstes ein Vergewaltigungsopfer reingesetzt um dann scheinheilig zu fragen, ob ein neuer Puritanismus Einzug hält: Flirten, Vergewaltigung… und sie merken es nicht…

Verführungskünstler sind Hassobjekte der Feministen, weshalb sie in die Nähe von Vergewaltigung gerückt werden. Diese Keule zeigt dann aber auch, das der Feminist offenbar nichts stichhaltiges dagegen vorbringen kann, dass ein Mann auf eine Frau, die er attraktiv findet, zugeht und sie anspricht, denn sensationelle Neuigkeit: Er will sie nicht vergewaltigen.

Diesen Hass gegen Männer, die Frauen ansprechen, führe ich auf zwei Punkte zurück.

Zum einen ist ein PickUp-Artist ein emanzipierter Mann. Er weiß seine Interessen zu wahren. Viele Männer akzeptieren auch eine asoziale Frau als Partnerin, die schlecht für sie ist, die sie schlecht behandelt, aus Angst, „keine andere abzukriegen“. Ein Verführungskünstler lässt sich von seiner Partnerin nicht schlecht behandeln, wie es heutzutage oft der Fall ist in Beziehungen mit Pudeln und Dominetten. Er trennt sich und sucht sich eine neue, bessere Frau. Und da Feministen Männern die Butter auf dem Brot nicht gönnen, können sie es natürlich auch nicht ertragen, dass Männer souverän darüber entscheiden, wen sie als Partnerin annehmen.

Um zum zweiten Punkt zu kommen, hole ich etwas aus. In dieser Sendung erklärt eine Feministin, dass sie zu ihren ganzen Männergeschichten gekommen wäre, weil sie „auch“ die Männer angesprochen hätte. Nun, wer für Gleichberechtigung ist, kann dann nur festhalten, dass PickUp auch für Männer erlaubt sein muss, wenn es Frauen gestattet ist, und somit nichts daran auszusetzen wäre.

Das ist für Feministen aber nicht der Fall. Warum? Um die Frage zu klären, hilft es wenn man sich die feministischen Klagen anhört, dass PickUp Geschlechterrollen aus den 50ern reproduzieren würde. Und das ist natürlich, wer wüsste es nicht, finsteres Mittelalter und übelste Frauenunterdrückung. Wenn also eine Frau Männer anspricht, ist das in Ordnung, da damit angeblich überholte Rollenmodelle negiert werden. Macht aber ein Mann dasselbe, dann lebt er damit ein Verhalten, welches in der schönen neuen feministischen Welt überwunden zu sein hat. Das ist ein Grund für den Hass auf PickUp: Hier manifestieren sich die traditionellen Geschlechterrollen. Er übernimmt die Initiative. Er übernimmt die Gesprächsführung. Er aktiv, sie passiv. Er verführt, sie wird verführt.

Der Feminist kann die naheliegende Frage, was die Alternative für den Mann ist, nicht beantworten in einer Welt, in welcher er allein bleibt, wenn er nicht die Initiative übernimmt. Denn die Frauen weigern sich. Sie sprechen Männer nicht von sich aus an. Und das führt den Feministen zielsicher zu der Klage, dass Mädchen zu ihren Nachteil erzogen seien, deshalb passiv und nehmend wären (was Humbug ist), ergo: Die Frau ist falsch – woran sie aber natürlich unschuldig ist. Sie sollte auf Männer zugehen, tut es aber nicht. Die Frau – nein: Die  ganze Gesellschaft sollte „ganz anders“ sein, um es mit Simone de Beauvoir zu sagen.

Ist sie aber nicht. So gehört gespielte Ablehnung zur weiblichen Rolle im Spiel des Flirts. Das versteht die Feministin scheinbar nicht. Da sitzt sie verbiestert und erklärt, wenn sie „Nein“ sagt, dann meint sich auch „Nein“. Ja! Ganz genau! So wie sie das sagt ist das auch offenkundig, das gilt aber nicht, wenn sich eine Frau ziert: „Also ich weiß nicht, ich gebe meine Nummer nicht so gerne raus.“ Menschliche Kommunikation besteht nicht aus 1 oder 0, Schwarz oder Weiß, „Ja“ oder „Nein“ – erst recht nicht in einem Flirt! Dieser ist ein Spiel aus Annähern und wieder auf Distanz gehen, es knistert und prickelt, man steht unter erotischer Spannung, weil der Flirt Unwägbarkeiten enthält, das Risiko, etwas falsches zu sagen oder zu tun, wie zum Beispiel jemanden zu küssen, eine Spannung, die keine wäre, wenn die Menschen ein binäres Kommunikationsverhalten pflegen würden.

Die Klage, dass die traditionelle Rolle für die Frau nachteilhaft sei, ist natürlich Humbug. Man ist privilegiert, wenn man sich in der Postion befindet, ein Angebot anzunehmen oder abzulehnen, während derjenige, der sich (!) anbietet, das Risiko eingeht, etwas falsches zu sagen oder sich eine mehr oder wenige schroffe Abfuhr einzuhandeln. Das ist der Grund, warum sich die traditionellen Rollen halten: Nicht weil man Frauen beibringt, ihre Interessen nicht zu wahren, sondern weil Frauen im Gegenteil ihre Interessen schützen und das Risiko meiden, sich eine seelische Verletzung einzuhandeln. Die beklagten Zustände gehen nicht auf Nachteile sondern Vorteile der Frau zurück – weshalb auch heute noch kaum eine Frau zu finden ist, die einen erwachsenen gesunden Mann ernährt.

Zum Männertag ein Leckerbissen: Robert Pfaller zu „Mansplaining“

Auszug aus dem zur Gänze lesenswerten „Erwachsenensprache – Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur“ von Robert Pfaller:

Das Sprachspiel des männlichen Erzählens und Erklärens

In ihrem Buch »Wenn Männer mir die Welt erklären« (2015, im Original: Men Explain Things to Me, London 2014) beschreibt Rebecca Solnit kritisch, wie Frauen zu Opfern männlicher Erklärungsfreude werden. Besonders bizarr ist ihr Ausgangsbeispiel, worin ein älterer Unternehmer ihr etwas über ein Buch zu erläutern beginnt, über das er einen Artikel in einer Zeitung gelesen hat – ohne freilich zu bemerken, dass seine Gesprächspartnerin selbst die Verfasserin dieses Buches ist. Solnit schreibt »…das durch und durch provokative Selbstvertrauen der vollkommen Unwissenden ist meiner Erfahrung nach geschlechtsspezifisch. Männer erklären mir die Welt, mir und anderen Frauen, ob sie nun wissen, wovon sie reden oder nicht. Manche Männer jedenfalls« Seither beklagen sich Frauen häufiger über diese »Standardsituation« heterosexuellen männlichen Verhaltens, dem aufseiten der Männer die fälschliche Annahme zugrunde zu liegen scheint, sie wüssten mehr über die Sache als die Frauen, zu denen sie sprechen. Dies wurde in der Folge mit einem Kunstwort benannt, welches das Übel durch dessen üble Benennung bannen soll »mansplaining« (männliches Erklären).

Besonders interessant erscheint bei diesem Kulturphantomen die Frage nach seiner geschichtlichen Zuordnung Warum macht sich diese Unsitte gerade jetzt störend bemerkbar? Haben Männer früherer Zeiten den Frauen etwa weniger zu erklären versucht? Oder waren Frauen damals, vielleicht aufgrund geringerer Emanzipation, noch mit schwerwiegenderen Verfehlungen beschäftigt, so dass sich erst jetzt, nachdem die allerägsten Grobheiten einigermaßen beseitigt sind, mehr Aufmerksamkeit auf dieses verstecktere Übel richten konnte? Waren Frauen früher etwa unwissender und mithin etwa froh, Dinge erklärt zu bekommen, wahrend sie jetzt, zum Beispiel aufgrund gestiegener Absolventinnenzahlen an Universitäten, ja den Männern an Wissen mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen sein mussten?

Vielleicht lohnt hier noch eine andere Vermutung. Das männliche Erklären entspringt ja nicht notwendigerweise und ausschließlich einem – sei es wirklichen auch nur fälschlich vermuteten – Wissensgefälle. Es ist vielmehr auch ein Versuch der Männer, die Frauen zu unterhalten und ihnen interessant zu erscheinen. Erklären (oder auch Erzählen) ist nicht nur etwas Erkenntnisbezogenes, »Epistemologisches«, mit Informations- und Neuigkeitswert, sondern auch etwas Höfliches oder Galantes mit dem Wert der Vermeidung von langweiligem und peinlichem Schweigen sowie der Herstellung mehr oder weniger großer geselliger Verbindlichkeit.

Da die Anbahnung eines Gesprächs und das Etablieren einer Konversation traditionell genauso die Aufgabe der Männer war wie das Anbahnen von Bekanntschaften oder erotischen Beziehungen, mussten notwendigerweise sie damit beginnen, irgendetwas zu erzählen – ob sie nun etwas wussten oder nicht. Es war in der traditionellen Geschlechterordnung ein Privileg der Frauen, den Männern diese riskante und oft peinliche Aufgabe überlassen zu dürfen. Nicht sie, sondern allein die Männer mussten sich auf dieses unübersichtliche und glatte Terrain begeben, auf dem man immer Gefahr lief, sich Gelangweiltheit oder auch eine schroffe Abfuhr einzuhandeln. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen scheint an diesem Privileg übrigens auch heute noch von den meisten heterosexuellen Frauen stillschweigend weiter eisern festgehalten zu werden.

Und noch ein weiterer Faktor spielt bei dieser ungleichen Verteilung der Erklärungsaufgabe in der traditionellen Geschlechter-Ordnung eine entscheidende Rolle: das Alter. Üblicherweise interessierten sich ältere Männer für jüngere Frauen. Sie ermöglichten den jungen Frauen dadurch oft Kontakte sowie Zugang zu Luxus und Wohlstand, der gleichaltrigen Männern nicht offenstand. Auch in Rebecca Solnits drastischem Ausgangsbeispiel ist es ein älterer Mann, der ihr und ihrer Freundin etwas erklären möchte. (Gleichaltrige Männer scheinen bei dieser Party gar nicht eingeladen gewesen zu sein.) Solnit aber lässt die Relevanz dieses Altersgefälles für das geschlechterspezifische »Erklärungsgefälle« unbeachtet. Auch wenn der männliche Gesprächspartner in Solnits Erlebnis vielleicht ein besonders arrogantes, herablassendes Exemplar gewesen sein mag, so folgte sein Verhalten offenbar nicht allein seinen individuellen Schwächen, sondern ebenso sehr einem kulturellen Muster, aus dem einem älteren Mann gegenüber einer jüngeren Frau eine Verpflichtung erwuchs. Männer mussten Frauen etwas erklären – entweder weil sie die Älteren waren und damit über mehr Erfahrung und ähnliche Begleiterscheinungen des Alters verfügten; oder aber um zumindest so zu tun, als ob sie die Älteren wären. Dieses strenge Prinzip galt nämlich sogar dann, wenn kein Altersunterschied bestand. Um zu den Frauen höflich zu sein, hatten die Männer sie auf jeden Fall so zu behandeln, als ob die Frauen jünger wären. Denn: »Ein Mann ist immer älter als eine Frau«, wie der Held einer fulminanten Geschichte von Jules Renard seiner (übrigens älteren) Begleiterin einmal erklärt. Im Gestus des männlichen Erklärens steckte somit immer auch der höfliche Akt, den Frauen den Platz der Jüngeren zu überlassen. Die Empörung über die männliche Unverschämtheit, den Frauen etwas erklären zu wollen, läuft darum Gefahr – nach der Logik des »Beuteverzichts« -, etwas preiszugeben, das in Wahrheit in mehrfacher Hinsicht ein Vorteil und Privileg für die Frauen war.

Obdachlose und Chefs ganzheitlich betrachtet

Der Feminismus kann nur erklären, warum Männer (scheinbar) mehr verdienen und häufiger Chefs sind, aber er kann nicht erklären, warum Männer soviele Nachteile erleiden, wie etwa Suizid oder Obdachlosigkeit, was aber kaum Mitgefühl erregt.

Ein ganzheitlicher Ansatz kann das, und der lautet:

Die Menschen kümmern sich mehr um Frauen als um Männer.

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…deshalb müssen Männer anders als Frauen erfolgreich sein.

So sind Männer in der traditionellen Rollenverteilung bereit für die Frau zu sorgen. Kein junger Mann, der die Schule abgeschlossen hat und nun studieren oder sich ausbilden lassen will, denkt sich: „Und dann, wenn die Kinder kommen, bleibe ich zu Hause und lasse die Frau arbeiten“. Er tut es deswegen nicht, da er genau weiß, dass keine Frau dies mitmachen würde. Die Frauen sind mit der traditionellen Rollenverteilung – Frau am Herd, Mann im Bergwerkhöchst einverstanden, und das sind sie deswegen, weil Arbeit nur selten „Selbstverwirklichung und Karriere“ bedeutet, wovon privilegierte Frauen in Amüsierberufen ständig faseln sondern Mühsal, Entbehrung und Maloche – auch als Chefs übrigens, denn Chefsein erfordert jahrzehntelange Arbeit in Übervollzeit, ein Opfer, das Frauen weitaus seltener bereit sind zu erbringen. Feministen selbst räumen ein, dass Frauen mehr wert legen auf die „Work-Life-Balance“, also nicht soviel arbeiten wollen. Da Männer für Frauen sorgen, sind letztere weniger genötigt, sich in einer 70 bis 100-Stundenwochen zu verausgaben, um mal im Vorstand zu sitzen. Ein Privileg also sorgt für einen vermeintlichen Nachteil, eine weibliche Unterrepräsentanz in Chefpositionen, auch in der Politik, übrigens. Auch die Annahme, dass Frauen als Mütter durch Kinder „gehindert“ werden erweist sich als falsch, wie bereits Joan Bitterman als auch Birgit Kelle aufzeigten. Tatsächlich sorgen selbst beitragsfreie Kitas nicht zu mehr berufstätigen Frauen, was einfach daran liegt, dass entgegen der feministisch-neoliberalen Propaganda Arbeit kein Vergnügen ist – letztlich wollen Frauen seltener als Männer Chefs werden.

Da der Mann also nicht erwarten kann, dass ihm eine Frau das Leben unterhält, und es an ihm liegt, den Löwenanteil der Lebensgrundlage seiner Familie zu erwirtschaften, ist er einem erhöhten Druck zu arbeiten ausgesetzt. Wenn aber eine Gruppe einem erhöhten Druck ausgesetzt ist zu arbeiten, bedingt das, dass sie sich beruflich stärker engagiert und dass diese Gruppe dann eben auch mehr verdient und höher aufsteigt.

Ein weiterer Punkt ist, dass nur der erfolgreiche Mann attraktiv auf Frauen wirkt. Der Loser bekommt keine ab. Esther Vilar merkte mal an, wenn das nicht gelte, würde es auch mal vorkommen, dass eine schöne Frau auch mal einen armen Rentner heiraten würde, das aber passiert nie. Das ergibt einen weiteren Anreiz für den Mann, sich stärker zu engagieren als jede Frau und sich dem mörderischen Konkurrenzkampf mit anderen Männern auszusetzen.

Diese Bereitschaft der Männer für Frauen zu sorgen, führt dann auch dazu, dass eine Frau weniger gefährdet ist, bis ganz nach unten abzustürzen; die männliche Bereitschaft zur Sorge bildet einen weiteren Faden im sozialen Netz der Frauen, weshalb sie seltener durch die Maschen fallen, obdachlos werden oder in völlig ausweglosen Situation stranden, in welchen sie sich das Leben nehmen. Männer sind ein Segen für Frauen.

Diese Sorge trägt nicht nur individuell, in Form der Ernährerrolle, sondern auch kollektiv. Der Mann nimmt es klaglos hin, dass es unzählige Hilfs- und Förderprogramme nur für Frauen gibt, Frauenbeauftragte, Frauenquoten, ein ganzes Ministerium für alle außer Männer – auch ein Grund, warum Frauen seltener abstürzen, aber wohl nur folgerichtig in einer Gesellschaft, in der Frauen die Mehrheit der Wahlberechtigten stellen. Männer finanzieren das alles, sie füllen die Kassen, während Frauen sie leeren. Weiterhin akzeptieren sie, dass die familiäre Macht bei den Müttern liegt, was auch nicht dadurch wett gemacht wird, dass Männer angeblich die „Macht im Berufsleben“ hätten, denn die meisten sind schlicht Befehlsempfänger. Das wiegt die ungeheure Macht, auch gegen den Willen des anderen Elternteiles entscheiden zu können, in welch familiären Verhältnissen man lebt – mit wem und mit wem nicht – bei weitem nicht auf. Frauen haben die Macht, und zwar auch die institutionelle.

Diese ganzheitliche Betrachtung kann also erklären, was die feministische Theorie nicht kann: Warum Männer sowohl ganz oben als auch ganz unten dominieren; ausführliche Fassung.

Cheerleader und Feministen

Ein Basketballverein hat den Cheerleadern, die in den Pausen ihre Kunst darboten, gekündigt. Denn: „Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr ins unsere Zeit passt“

Das Konzept von Cheerleading ist es, mit professionellen Arschwackeln nicht nur den Zuschauern sondern auch den Spielern einzuheizen, ihnen Feuer unterm Hintern zu machen, damit sie sich auch anstrengen. Das funktioniert, sei’s nun anerzogen oder -geboren. Eine universitär-psychologische Studie untersuchte das mal. Und zwar wurden die Testpersonen aufgefordert, einen Arm in Eiswasser zu tauchen. Das führt zu starken Schmerzen, die Propanden nehmen den Arm relativ schnell wieder heraus. Der eigentliche Test aber war, wie es sich auf das Durchhaltevermögen auswirkte, wenn ein männlicher Student oder eine attraktive Studentin den Test durchführte. Du ahnst es: War es die Studentin, die daneben stand und die Zeit maß, fiel sie erheblich höher aus, die Kerle strengten sich an und holten das letzte Bisschen an Selbstbeherrschung aus sich raus – Männer reißen sich für Frauen den Arsch auf, ein äußerst vorteilhaftes Arrangement für das schöne Geschlecht und Ausdruck ihrer unsichtbaren Macht und Privileg – Cheerleading: Frauen treiben Männer an.

Die Geschlechter sind unterschiedlich. Was hier attraktiv wirkt, wirkt dort lächerlich. Wären die Geschlechter gleich, wie es gleichschaltende Gendersozialingenieure anstreben, würden Männer Push-Up-Penishalter tragen und in Pin-Up-Posen posieren, und kleine Jungs würden rosa Kleidchen tragen, was Feministen gefällt.

Das gefällt ebenfalls: Die, die sich extra hässlich macht, übergewichtig mit kurzgeschnittenen, rotgefärbten Haaren als Andrea-Dworkin-Look, deren Bild man beim Sex zum Hinauszögern des Orgasmus verwenden kann – solche Frauen sind den sexnegativen, männerverächtenden Feministen am liebsten. Denn sie interessieren sich einen Dreck dafür, wie sie auf Männer wirken; das männliche Urteil über sie könnte sie nicht weniger angehen als der Tod eines alten weißen Mannes.

Ganz anders Cheerleader: Hier ist das Erregen (hihi…) des männlichen Interesses eine sportliche Disziplin.

Allerdings nicht nur in dieser Situation, Frauen machen das ständig. Sie präsentieren sich hot&sexy in der Werbung oder als Grid-Girls und werden dann von feministisch bewegten Männern gefeuert. Ein ähnliches Schicksal erlitten die Nummerngirls beim Boxen – jeweils unter Applaus von Feministen. Mal sehen, was aus den Funken-Mariechen wird.

Frauen machen es ständig, sie machen sich so zurecht mit Kleidung, die strategisch geschickt bestimmte Stellen nicht nur nicht verdeckt sondern hervorhebt oder ein Makeup, dass erotische Hitze ausstrahlt. Oder sie heizen als Cheerleader Männern ein. Das ist: Weiblichkeit. Und das ist desweiteren: Ein Problem, denn Frauen sollen so nicht sein, es ist aus feministischer Perspektive demütigend, wenn Frauen Männern gefallen wollen, wenn sie nicht die tiefsitzende Verachtung der Feministen teilen. Es geht um einen tiefgreifenden Eingriff in das bestehende Geschlechterverhältnis, in welchem er noch begehrt und sie begehrenswert ist und die Beiden damit Kraft Biologie und Evolution eine Beziehung pflegen, deren Abschaffung der Feministen erstes Anliegen ist.

Zurück zu den Cheerleadern: Sie heizen Männern ein, das wissen sie und so soll es sein. Nein, sagt die Feministen: Das ist falsch. Da würden sich Frauen unterordnen, wie Hatice Akyün weiß:

Es geht um die Macht von Männern, die sich aus ihrer Position heraus das Recht nehmen, den Frauen ihre Spielregeln zu diktieren. Eigentlich dachte ich, dass wir im feministischen Diskurs schon viel weiter sind. Langsam gewinne ich aber die Erkenntnis, dass die drei Urtriebe des Mannes, Jagen, Sammeln und Fortpflanzen, sich als Relikte der Steinzeit noch nicht wirklich weiterentwickelt haben.

Und wieder mal die Macht. Die Macht der Männer. Dass Frauen etwas machen, aus sich selbst heraus, und dass sie Männern gefallen wollen, das ist für Feministen undenkbar.

Aber: Ja, es ist die Evolution, die hier was diktiert, das hat sie richtig erkannt. Sie würde sich aber schön umgucken, wenn die Männer nicht mehr Jagen, Sammeln und sich Fortpflanzen sondern Streiken würden. Hatice Akyün würde diese Relikte aus der Steinzeit sehr vermissen. Aber nicht nur die Männer verhalten sich hier steinzeitlich. Frauen wenden diese Regeln genauso an. Aber Unterordnung? Jedes Mädchen kann jederzeit gehen oder Vorschläge einbringen, wie man die Show umgestalten könne. Letztlich bleibt es dabei: Sie wollen sich sexy präsentieren, einheizen und da gehören die glotzenden Männer dazu. Und es hat nicht das geringste mit Unterordnung zu tun. Diese Frauen behalten jede Souveränität darüber, was sie tun und lassen, mit wem sie sich einlassen. Aber nun wurden sie gefeuert, was eine Betroffene so kommentiert:

„Wer denkt, diese Entscheidung sei ‚zeitgemäß‘, hat die letzten 100 Jahre Emanzipation verpasst. Enttäuschung ist gar kein ausreichender Ausdruck für diese mehr als erbärmliche Rechtfertigung.“

Unter dem Hasthag „#deeplychauvinistic („zutiefst chauvinistisch“) fügte sie ironisch hinzu: „Hilfe, wir wurden gezwungen, unserem Sport und somit unserer Leidenschaft nachzugehen. Unseren Vorbildern aus der NBA nachzufeiern.“

Zurück zu Hatice Akyün. Diese strotzt dann auch nur so vor Intelligenz, wenn sie ihrer Tochter erklärt:

„Stell dir mal vor, du würdest Basketball spielen und Jungs würden in kurzen Hosen mit Pompons für euch Mädchen tanzen.“ Sie lachte bei der Vorstellung über dieses absurde Bild. „Siehst du“, entgegnete ich, „so komisch sieht es auch umgekehrt aus.“

Hierzu zwei Punkte: Wenn es für Frauen tatsächlich so lächerlich wäre, dann wäre es nicht notwendig, Männer in derartigen Posen als Kontrast herzunehmen, um diese Lächerlichkeit auch bei Frauen zu verdeutlichen. Diese Lächerlichkeit wäre dann auch so schon bei den Frauen ohne weiteres als solche zu erkennen. Das ist aber nicht der Fall. Denn – Punkt zwei und der feministische GAU – Männer und Frauen sind unterschiedlich und empfinden Dasselbe bei den unterschiedlichen Geschlechtern unterschiedlich: Nämlich entweder heiß und sexy oder aber lächerlich.

Es geht darum, die Geschlechter aufzulösen – Gender-Trouble – „Geschlechterärger“ – nennt es die einflussreiche Judith Butler. Und nirgends sonst manifestieren sich die Geschlechter so sehr, wie dort, wo es um Sex geht. Sei es, dass Frauen ein Dekolleté oder sich anderweitig sexy präsentieren oder Kerle anzügliche Sprüche fallen lassen. Sexy kommt von Sex und hier existieren die Geschlechter als gewaltige Archetypen, die aufeinander bezogen sind und die vereinigt über die gewaltigste Macht verfügen, nämlich Leben zu schenken. Das soll nieder gerissen werden, der Mann wird aussortiert, allein die zur Göttin erhobene Frau schenkt Leben und das ganz und gar ohne Mann.

Die Zeiten ändern sich und es werden Zeiten sein, in welcher ein Werbetreibender, der auf „sex sells“ setzt, Druck bekommt, es ihm verboten wird. Eine Zeit ohne Cheerleaderinnen, Boxenludern und Nummerngirls. Alles, was sexy ist, wird als Sexismus gebrandmarkt werden und damit aus dem öffentlichen Leben verbannt: Willkommen in der neuen Prüderie!

Martin van Creveld: Eine Frauenkrankheit und deren Heilung

Auszug aus „Das bevorzugte Geschlecht“ von Martin van Creveld, hier aus den Kapiteln zu psychischen Erkrankungen, speziell einer der urtümlich-weiblichsten Frauenkrankheiten, der „Hysterie“:

[Der Psychiater] Weir Mitchell, die herausragendste Kapazität jener Zeit, war folgender Ansicht: »Um einen Haushalt völlig unglücklich zu machen, gibt es kein besseres Mittel als eine dumme, in hohem Maße nervöse und schwache Frau, die um Mitleid fleht und nach Macht strebt.« Ende des 20. Jahrhunderts schrieb ein Psychiater, der eine groß angelegte Untersuchung zur Hysterie durchführte, letztere der Tatsache zu, daß Frauen »mehr Wert auf emotionale Reaktionsfähigkeit legen«. Andere glaubten, daß »Männer vielleicht weniger dazu neigen, ihre Symptome auf theatralische Weise zur Schau zu stellen« wieder andere, daß die »Kranken«-Rolle für Frauen akzeptabler sei als für Männer.

[…]

Einige dieser Erklärungen stammen von auf diesem Gebiet tätigen Männern. Andere von Frauen, die ihren Kollegen im großen und ganzen zustimmten. So schrieb Ende des 20. Jahrhunderts eine Historikerin, die sich mit dem Thema Frauen und Wahnsinn auseinandersetzte: »Wenn die hysterische Frau krank wurde … forderte sie die Hilfe und Aufmerksamkeit anderer. In den Familien von Hysterikerinnen drehte sich nun alles um die Patientin, die ständig gepflegt, mit Delikatessen zufriedengestellt und von den Alltagspflichten ausgenommen werden mußte … Die Ärzte beunruhigte es, daß die hysterische Frau es tatsächlich genoß, von häuslichen und ehelichen Pflichten befreit zu sein und Macht über ihre Familie und sogar den Arzt zu haben.«

[…]

Abgesehen von natürlichen Ursachen hat vielleicht der Erste Weltkrieg als weiterer Faktor zur Abnahme der Neurasthenie und der Hysterie beigetragen. Solange man sie als weibliche Krankheiten par excellence betrachtete, wurden die Neurasthenie und die Hysterie, wie es sich bei Frauen ziemte, mit vergleichsweise milden Mitteln behandelt. Selbst wenn es zu einer Operation kam, wurde sie auf jeden Fall unter Narkose durchgeführt. Der Krieg änderte die Situation jedoch völlig. In allen Armeen litten Hundertausende junger Männer nun an dem, was der Volksmund als Kriegsneurose bezeichnete. Zu den Symptomen gehörten extreme Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Weinen, Zittern, Bettnäßen, Impotenz und ihr Gegenteil, die Dauererektion, Blindheit, Stottern, Mutismus und Lähmung der Gliedmaßen. Allein die deutsche Armee registrierte 613.047 Fälle, was heißt, daß fast jeder zwanzigste Kriegsteilnehmer davon betroffen war.

[…]

Die meisten gönnten ihnen ein paar Tage Ruhe, unterwarfen sie dann jedoch einem ziemlich strengen Tagesablauf, einschließlich Drills und Arbeitsdiensten. Denjenigen, die sich nicht erholten, wurden an verschiedenen Körperteilen Elektroschocks verabreicht. In England und Deutschland war die Behandlung manchmal so schmerzhaft, daß man von Folter sprechen konnte. Dabei ging es nicht so sehr darum, eine Heilung herbeizuführen, sondern den Patienten klarzumachen, daß der Arzt alles unternehmen würde, um sie wieder frontfähig zu machen. Deswegen kam es gar nicht in Frage, Narkosemittel zu verwenden. Im Gegenteil, es ging darum, dem Soldaten so viel Schmerzen zuzufügen, wie er aushalten konnte, vielleicht auch ein wenig mehr. Nach und nach kristallisierte sich als beste Behandlungsmethode heraus — beste in der Hinsicht, daß man die Soldaten wieder als Kanonenfütter verheizen konnte, unabhängig davon, wie schlecht sie sich fühlen mochten —, ihnen nicht zu erlauben, sich weit entfernt vom Schlachtfeld auszuruhen. Im Fall der US Expeditionary Force kehrten zwei Drittel zu ihren Einheiten zurück.

[…]

Für Neurasthenikerinnen und Hysterikerinnen kam es fast einer Katastrophe gleich, daß es Männer gab, die ähnliche Symptome zeigten wie sie selbst. Zweifellos mußten die Ursachen, die zu den Problemen der Frauen führten, ob Unterdrückung, Diskriminierung, Mißbrauch oder ähnliches, ernst genommen werden. Dennoch verblassten sie neben dem schrecklichen Martyrium der Männer, wie zum Beispiel dem Grauen, daß das einem Kameraden herausgeblasene Gehirn über den eigenen Körper ausströmte, oder die sehr reale Möglichkeit, in einem einstürzenden Schützengraben lebendig begraben zu werden. Einige neurasthenische und hysterische Soldaten hatten sich eine Gehirnerschütterung zugezogen, als in unmittelbarer Nähe eine Granate einschlug, waren vielleicht gegen eine Wand geworfen worden, von der Schutt auf sie nie- derprasselte und ihnen den Atem nahm, bevor sie sich erholen konnten. Andere waren vielleicht durch Gas vorübergehend erblindet — Hysterie war bei Menschen, die dieser Waffe ausgesetzt waren, eine verbreitete Nachwirkung —, oder ihre Atmungsorgane waren auf Dauer geschädigt. Im Vergleich dazu ist die Verwendung des Wortes »überleben« in bezug auf sexuelle Belästigung einfach unangebracht. Romanschriftstellerinnen wie Rebecca West und Virginia Woolf beschrieben die Symptome bis in alle Einzelheiten. Die Öffentlichkeit war entsprechend schockiert. Da nun auch junge, gesunde Männer von der Neurasthenie betroffen waren, war sie, wie Dorothy Sayers, eine weitere Schriftstellerin, erklärte, nicht länger akzeptabel, sondern wurde »anstößig«.

[…]

Von Ärzten darüber informiert, daß ihre Probleme ähnlich gelagert seien wie »Fälle von Funktionsstörung, die während des Krieges beobachtet wurden«,- war den Frauen sozusagen der Wind aus den Segeln genommen worden. Noch schlimmer, es hatte sich gezeigt, daß man mit Hilfe einiger ziemlich brutaler Methoden eine Art Heilung herbeiführen konnte. Solche Methoden bei Frauen anzuwenden — ganz zu schweigen von den gestörten, schwachen Mittelschichtsfrauen —, war undenkbar. Statt daß man mit ihnen redete und sie beruhigte, war es durchaus im Rahmen des Denkbaren, daß sie sich vor Schmerz wanden und schrien, wenn ein elektrischer Strom durch ihren Körper geleitet wurde und ein erbarmungsloser Arzt ihnen sagte, dies beweise, daß sie schließlich doch gehen oder sprechen könnten. Zur großen Überraschung der Ärzte nahmen die Zahl der Hysterikerinnen und die Stärke der Symptome rapide ab. Und man brauchte dringend ein anderes, wenn möglich noch bizarreres und unberechenbareres Ventil für weibliche Beschwerden.

Billy Coen: Frauen und Krieg

Ein Kommentar, zu wertvoll um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Die ganze Chose mit der „toxischen Männlichkeit“ ist auch, selbst wenn man sie auf ihre angeblichen allgemein akzeptablen Komponenten runterbricht, einfach nur hochgradig zynisch.

Nehmen wir mal die Sache mit dem Krieg als Beispiel: in archaischen Gesellschaften war Krieg oft tatsächlich der unmittelbare Schutz der eigenen Gruppe, vor allem der Frauen und Kinder. Diesen Schutz übernahmen schon immer selbstverständlich die Männer. Obwohl in Massengesellschaften der Sinn von Kriegen dann eher schon auf größere Zusammenhänge runtergebrochen wurde („Für Führer und Vaterland“), war es doch oft nach wie vor die wesentliche Motivation jedes einzelnen Soldaten im gesellschaftlichen Zwangsdienst, mit dem Einsatz seines eigenen Lebens zumindest das seiner ihm nächsten Stehenden zu schützen. Nicht umsonst wurden Feinde zu jeder Zeit rituell als monströse Barbaren skizziert, die Frauen vergewaltigen und Kinder fressen.

Dieses Herunterbrechen des Krieges auch in Massengesellschaften auf diese archaischen Ursprünge wurde (und wird) auch von Frauen so betrieben. Männer, die sich in Kriegszeiten dem Dienst an der Waffe verweigern, werden nicht wahrgenommen als Menschen, die einfach an ihrem eigenen Leben hängen, sondern als Feiglinge, die den Frauen einfach nicht den ihnen zustehenden Schutz bieten wollen. Diese Männer mussten schon immer – auch und vor allem – von Frauen ausgehenden Erniedrigungen klarkommen. Grundtenor: „Wenn alle Männer solche Schlappschwänze wären, könnten hier problemlos die wildesten Barbaren reinmarschieren und ungestört uns Frauen vergewaltigen und unsere Kinder fressen“.

Dieses Denken steckte schon immer so tief drin, dass bekanntlich selbst die angeblich ach so sehr an Gleichberechtigung interessierten Suffragetten keinen Widerspruch zu ihren Phrasen sahen, wenn sie sich gleichzeitig an der inszenierten, öffentlichen Beschämung von Männern beteiligten, die doch tatsächlich keine Lust hatten, sich an der Front des ersten Weltkrieges mit sehr großer Wahrscheinlichkeit abschlachten oder zumindest verstümmeln zu lassen.

Männer, die ihrer gesellschaftlichen Pflicht der völligen Selbstaufgabe nachkamen, wurden hingegen öffentlich – auch und vor allem – von Frauen dafür bejubelt.

Nun aber in Zeiten, in denen es Gott sei Dank schon viele Jahrzehnte her ist, dass sich Menschen in unseren westlichen Gesellschaften mit der realen Bedrohung eines Krieges direkt vor der eigenen Haustür auseinanderzusetzen hatten, wird auf einmal so getan, als sei Krieg etwas absolut ureigen Männliches, mit dem Frauen, das friedfertige Geschlecht eben, nie auch nur das Geringste zu tun gehabt hätten. Da wird es unter „toxisch männlichem“ Verhalten subsummiert, so als hätten Männer einfach nur irgendeine Art perverse Affinität dafür, sich abschlachten zu lassen. Über Jahrtausende hinweg wurden Milliarden von Männern in kriegerische Himmelfahrtskommandos geschickt und Frauen standen immer voll und ganz dahinter, vor dem Hintergrund des seinerzeitigen durchaus realen Gefühls, von Feinden umringt zu sein, aber kaum ist eben dieses Bedrohungsszenario weg, führt feministischer Gruppennarzissmus dazu, dass sich Menschen, nur aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit, die Hände in Unschuld waschen und jede Verantwortung für geschichtliche Greul auf die Mitglieder des anderen Geschlechts schieben. Und wie schnell sich da auch wieder eine Kehrtwende vollziehen würde, würde auch für uns die Bedrohung durch einen Krieg wieder realer, das zeigten unter anderem die Reaktionen auf die Vorkommnisse der Kölner Silvesternacht damals. Auch dort wurde ja den „guten Männern“ vorgeworfen, die „bösen Männer“ nicht aufgehalten und die Frauen nicht geschützt zu haben. Dahinter steckte nichts anderes, als die immer noch vollumfängliche Anspruchshaltung den Männern gegenüber, dass diese sich völlig selbstverständlich in Gefahr begeben müssten, sich notfalls gar opfern müssten, um nicht nur ihre eigene sondern gegebenenfalls irgendeine Frau zu beschützen.

Es wären fraglos exakt dieselben Damen, die sich jetzt über „toxische Männlichkeit“ das Maul zerreißen, die in veränderter politischer Gefahrenlage umgehend eben diese von allen Männern vehement einfordern würden, denn schließlich ginge es dann ja wieder darum, die schützenswertesten Wesen überhaupt, also sie selbst, vor Heerscharen barbarischer Feinde zu bewahren. Und hinterher hatte man das alles natürlich gar nicht gewollt und setzt die Dauerbeschämung der „toxischen, kriegerischen“ Männer ungebrochen fort.

So finde ich es im Übrigen nachvollziehbar, wenn experimentelle Studien zu Ergebnissen kommen, dass Frauen dazu neigen, eine als Feinde qualifizierte Gruppe weit unversöhnlicher und auch grausamer zu behandeln. Frauen waren schon immer in der Situation, Feinde immer nur als reine Bedrohung für ihr eigenes „Nest“ wahrnehmen zu müssen. Der Umgang mit dieser Bedrohung wurde wiederum schon immer an die Männer delegiert. Das heißt, Frauen haben Feinde immer eher abstrakt, nur in Form der von ihnen ausgehenden Gefahr gesehen, während für Männer der Feind etwas war, mit dem sie sich permanent, Auge in Auge, konfrontiert sahen. Sie waren diejenigen, die die Sache regeln mussten und das auch gegebenenfalls unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Es ist somit im Sinne des Selbsterhaltungsinteresses nachvollziehbar, dass Männer eher gewillt sind, auch mit Feinden Kompromisse zu finden, um es entweder gar nicht erst zu kriegerischen Handlungen kommen zu lassen oder zumindest durch fairen Umgang mit dem Feind nach Beendigung von Kriegshandlungen eine bessere Basis für eventuellen künftigen Frieden zu schaffen. Die weibliche Position ging hingegen eher davon aus: wird der Feind, der mich bedroht, komplett vernichtet, so ist auch die Bedrohung dahin. Wer aber mit der Erreichung dieses Zieles nichts zu tun haben muss, sich durch seine soziale Rolle nie dafür die Hände schmutzig zu machen braucht, dem fällt es auch leichter, sich über mögliche Konsequenzen dessen keinerlei Gedanken zu machen. Mögliche Rachehandlungen des gedemütigten Feindes? Egal! Denn auch darum werden sich ja dann die Männer kümmern… Ja, ich weiß, alles stark überspitzt und vereinfacht, aber ich denke, da zumindest eine Facette dran nicht völlig unzutreffend beschrieben zu haben.

Was ich mit diesem sehr ausführlich geschilderten Beispiel sagen will: für mich ist diese ganze Quakerei von „toxischer Männlichkeit“ nicht nur absurd unterkomplexer Kokolores, es ist verlogen, heuchlerisch und zynisch vor dem Hintergrund realer Bedingungen, damals wie heute. Kurzum: einfach nur widerlich!