Archiv der Kategorie: Kapitalismus

Die Kommunisten sind schuld…

Wie vernageltes Denken zur falschen Diagnose und damit zur falschen Therapie führt. In dem höchst lesenswerten „Vom Verlust der Freiheit“ führt der Autor Raymond Unger aus, wie der Great Reset ein Projekt des Großkapitals zur Profitmaximierung und totalen Kontrolle ist, um dann am Ende das alles so zu interpretieren, das sei irgendwie kommunistisch, als ob Black Rock vorhätte, seine Profite an die Arbeiterklasse auszuschütten.

Oder Danisch bezieht sich auf die neu beschlossene Gesetzgebung zur Zensur, über die es heißt:

„das Ergebnis massiver Lobbyarbeit der Content-Industrie und Rechteinhaber“

also ebenfalls ein kapitalistisches Projekt, nur um dann zu schließen, das wäre irgendwie: „marxistisch-illusionistischer Phantasiegesellschaften”.

Ich persönlich schätze das neue Gesetz so ein, dass es auch für diesen Blog hier der Todesstoß sein könnte – freie Meinungsäußerung ist einfach nicht erwünscht -, und wenn man mit der falschen Diagnose an das Problem herantritt, wird man auch auf die falsche Problemlösungsstrategie verfallen und so zu keiner Lösung gelangen. Und nur weil sich ein Unternehmen mit Diversity schmückt, heißt das nicht, dass sich irgendwas an seinen kapitalistisch-neoliberalen Ausbeutungsverhältnissen ändert – sie geben sich einen modernen, progressiven Anstrich – „kommunistisch“ – aber die Knechtschaft wird umso erdrückender. Nach dieser Logik waren auch die Sklavenhalter der Südstaaten Kommunisten.

Billy Coen: Kapitalismus und Krankenhäuser

Aus der Reihe „Der freie Markt regelt Alles zum Besten Aller“ (sieh auch) Billy Coen:

Krankenhausschließungen sind sowieso oft eine Pest, die daher rührt, dass sich der Irrglaube politisch hat einnisten können, man müsse Krankenhäuser, jedes für sich, wie Wirtschaftsunternehmen bewerten. Das verkennt vollends den ureigensten Sinn von Krankenhäusern: für eine bestimmte Region eine möglichst gute Sicherung der Leben der dort Beheimateten zu gewährleisten.

In der Region Hannover gibt es das kleine Städtchen Großburgwedel. Das dortige Krankenhaus stand für viele Jahre ständig auf der politischen Abschussliste und bekam erst vor kurzem endlich das OK zur Weiterexistenz. Um Burgwedel herum ist alles sehr ländlich. Nur Dörfer, also keine besonders dichte Besiedelung. Entsprechend dürften die Auslastungszahlen für das Krankenhaus dürftig gewesen sein, weshalb es wohl zu Disposition gestellt worden war. Aber: für die besagte ländliche Region hätte die Schließung des Krankenhauses bedeutet, dass sich das nächstgelegene Krankenhaus in der Nordstadt von Hannover befunden hätte. Ein dort losfahrender RTW bräuchte locker zehn bis fünfzehn Minuten länger, um in einem medizinischen Notfall vor Ort zu erscheinen. Ich glaube, es ist müßig zu erwähnen, was zehn bis fünfzehn Minuten zusätzliche Wartezeit – ganz zu schweigen, dass sich auch der Transport ins Krankenhaus um nochmals dieselbe Zeit verlängert – bedeuten können, wenn gerade jemand mit einem Infarkt oder Schlaganfall zu Hause darniederliegt. Man hätte mit der Schließung also, nur weil man meint, alles nach strikten betriebswirtschaftlichen Kriterien bewerten zu müssen, die medizinische Notfallversorgung für viele Menschen massiv verschlechtert.

Ja gut, dann sind halt in diesem Jahr mal wieder so und so viele Menschen über die Wupper gegangen, die wir, hätte es das Krankenhaus noch gegeben, hätten retten können. Aber dafür haben wir viel Steuergeld gespart, welches wir jetzt in so lebensnotwendigen Projekten wie, ganz aktuell, der Gleichstellungsstiftung versenken können.

Djadmoros über Kapitalismus und Feminismus

Djadmoros:

»Wer verteidigt welche Interessen mithilfe des Feminismus? Und inwiefern hilft Feminismus dabei?«

Unter der Voraussetzung, dass wir nicht von dem Kapitalismus reden, sondern von der derzeitigen Form des Kapitalismus (ich nenne sie »neoliberal« oder »marktradikal«), werfe ich mal meine zwei Cent in den Opferstock:

(1) Der marktradikale Kapitalismus setzt ein höheres Vertrauen in die Fähigkeit der Märkte, sich zum Wohle der Gesellschaft selbst zu regulieren, als empirisch gerechtfertigt ist.

(2) Diesem marktradikalen Kapitalismus korrespondiert eine Ideologie, derzufolge die Systemeffekte marktinduzierter Fehlallokationen den Anbietern von Arbeitskraft als persönliches Versagen zugerechnet werden und die durch ideologische Dauerbeschallung dafür sorgt, dass Arbeitnehmer dieses Fremdbild als Selbstbild übernehmen.

(3) Das Interesse, das dabei verteidigt wird, ist das Interesse, im Konflikt zwischen »Kapital und Arbeit« die Verhandlungsposition der »Arbeit« möglichst weitgehend zu schwächen, indem Lohndumping psychologisch und gesellschaftlich nicht nur akzeptabel gemacht, sondern für geboten erklärt wird.

(4) Die Übernahme dieses Fremdbildes als Selbstbild führt zu einer beständigen Selbstüberwachung der Anbieter von Arbeitskraft im Hinblick auf die »Marktkonformität« des eigenen Verhaltens.

(5) Der Feminismus kommt hier ins Spiel, weil die feministische Ideologie den Modus der moralischen Selbstüberwachung zur kulturellen Kardinaltugend erhebt. Während der Marktradikalismus nur Verstöße gegen die Marktkonformität als Sünden ahndet, verallgemeinert der Feminismus diese Sündenlehre auf nahezu beliebige Verhaltensweisen, die nun beständig auf »Privilegien«, »Sexismus«, »Rassismus« und all die anderen -ismen der intersektionalen Theologie überprüft werden sollen.

(6) Der Feminismus schwächt auf diese Weise die Verhandlungsposition der »Arbeit« durch Spaltung, indem einem Teil der Arbeitnehmer die Möglichkeit eröffnet wird, sich durch die Berufung auf »Diskriminierung« (also Unter-Privilegierung) eine privilegierte staatliche Behandlung zu erschleichen.

(7) Das führt dazu, dass die Kritik an systematischer Benachteiligung von marktinduzierten Fehlallokationen auf staatliches Handeln deflektiert und auf dem Umweg über staatliche Umverteilung dem steuerzahlenden Arbeitnehmer (überwiegend weiß, männlich und »Kartoffel«) aufgelastet wird.

(8) Die Ideologen des Marktradikalismus holen sich derweil Popcorn und genießen die Selbstzerfleischung der Arbeiterklasse.

Leszek über kapitalistische Leichenberge und real existierenden Sozialismus

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

„Video hat mich der Vergleich der „leichenstrecke“ zw Locke und Marx umgehauen. Das ist so falsch auf so vielen Ebenen, da weiß man gar nicht wo anfangen.“

Die Darstellung in dem Video ist in der Grundtendenz richtig, allerdings sind die Leichenberge, die der Liberalismus/Kapitalismus produziert hat, wahrscheinlich größer als die Leichenberge, die der sogenannte real existierende Sozialismus (in Wahrheit Staatskapitalismus) produziert hat. Dieser Aspekt kommt in dem Video nicht so deutlich zum Ausdruck und dies könnte in der Tat kritisiert werden.

Bezüglich der Verbrechensgeschichte des Liberalismus/Kapitalismus hatte ich ja schon mehrfach auf Standardwerke zu diesem Thema hingewiesen:

1. Domenico Losurdo – Freiheit als Privileg. Eine Gegengeschichte des Liberalismus

Hier eine kurze Rezension zu dem Buch beim Humanistischen Pressedienst:

http://hpd.de/node/13383

2. Robert Kurz – Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft

Dieses Buch kann vollständig im Netz gelesen werden:

http://www.exit-online.org/pdf/schwarzbuch.pdf

3. Noam Chomsky – Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung

https://www.bol.de/shop/home/artikeldetails/ID42827145.html

4. Mike Davis – Die Geburt der Dritten Welt

https://www.buecher.de/shop/kolonialgeschichte/die-geburt-der-dritten-welt/davis-mike/products_products/detail/prod_id/10858900/

Die statistischen Tricks, mit denen heute versucht wird, den Eindruck zu erwecken, dass der globale Kapitalismus die Armut in der Welt deutlich verringern würde, beschreibt übrigens der Wirtschaftswissenschaftler und Anthropologe Jason Hickel in einem Kapitel seines Buches „Die Tyrannei des Wachstums. Wie globale Ungleichheit die Welt spaltet und was dagegen zu tun ist“:

https://www.bol.de/shop/home/artikeldetails/ID87951498.html

„Da Du aber möglicherweise auch so vernagelt bist, das nicht auf anhieb zu sehen 8immerhin hast du gedacht, das Video sei so insgesamt als ernst zu nehmende Kritik an Petersons marxismuskritik zu werten),“

Wenn ich das Video von „Zero Books“ nicht begründet für eine gute Kritik an Petersons Marxismuskritik halten würde, hätte ich es wohl nicht verlinkt.

„zumindest ein dezenter Hinweis (dabei belasse ich es aber jetzt wirklich):
Was dem Marxismus besonders vorzuwerfen ist, sind nicht allein die Leichenberge im Zuge der jeweiligen „Revolution“ selbst. die sind zwar schrecklich, aber eben inhärent bei solchen Revolutionen. Und die Französische war da sicher eine der grausigsten.“

In dem Video von „Zero Books“ geht es ja auch nicht nur um die Leichenberge im Zuge von Revolutionen, an denen Marxisten beteiligt waren, sondern um die Leichenberge, die insgesamt, laut dem „Schwarzbuch des Kommunismus“

https://www.amazon.de/Das-Schwarzbuch-Kommunismus-Unterdr%C3%BCckung-Verbrechen/dp/3492040535/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1540743696&sr=1-1&keywords=schwarzbuch+kommunismus

– das ich übrigens lesenswert finde – durch autoritäre marxistisch-leninistische Gruppen/Regimes produziert wurden.

Und ebenso geht es in dem Video natürlich nicht nur um die Leichenberge im Zuge von Revolutionen, an denen Frühliberale/Liberale beteiligt waren, sondern um die Leichenberge, die insgesamt durch Liberalismus/Kapitalismus produziert wurden. Literatur dazu habe ich oben ja angegeben.

In meinem Bücherregal stehen sowohl Standardwerke zur Verbrechensgeschichte des sogenannten real existierenden Sozialismus (in Wahrheit Staatskapitalismus) als auch Standardwerke zur Verbrechensgeschichte des Liberalismus/Kapitalismus und übrigens ebenso Standardwerke zur Kriminalgeschichte des Christentums wie zur Krimininalgeschichte des Islams.

In meiner politischen Weltsicht stehen allerdings weder Marxismus, noch Liberalismus, sondern der libertäre Sozialismus in der Tradition des Sozial-Anarchismus im Zentrum. Aus den direktdemokratischen und föderalistischen Organisationsstrukturen, die unter dem Einfluss anarchistischer Ideen zeitweise in bestimmten Regionen (z.B. Spanien und der Ukraine) von Teilen der Bevölkerung verwirklicht wurden, sind nie Diktaturen hervorgegangen.
Die freiheitlich-sozialistischen Organisationsformen sind vielmehr durch Gewalt von außen zerstört worden, z.T. durch diejenigen, die Jordan Peterson fälschlich als „Kommunisten“ bezeichnet, z.T. auch durch Faschisten. Autoritäre Marxisten-Leninisten mögen „echten Kommunismus“ oder „echten Sozialismus“ nämlich genausowenig wie Jordan Peterson und sie haben überall, wo libertär-sozialistische Organisationsstrukturen zeitweise verwirklicht wurden, stets alles getan, um diese schnellstmöglich zu beseitigen.

Allerdings – und das ist wichtig – gilt dies nur für die marxistisch-leninistischen Strömungen, also die autoritär-marxistischen Strömungen. Es hat aber auch immer demokratische marxistische Strömungen gegeben und es gab und gibt auch stets relativ Anarchismus-nahe, also basisdemokratisch-orientierte marxistische Strömungen, die wir Anarchisten meist mit dem Oberbegriff „libertäre Marxisten“ zusammenfassen. Mit libertären Marxisten haben Anarchisten und Syndikalisten historisch stets kooperiert. Libertäre Marxisten haben, historisch betrachtet, sogar oft mit der Waffe in der Hand basisdemokratische, freiheitlich-sozialistische Organisationsformen gegen die gewaltsamen Angriffe von autoritären Marxisten-Leninisten verteidigt, (genauso wie Anarchisten und Syndikalisten diese notfalls mit Gewalt gegen gewaltsame Angriffe verteidigt haben).

Man sollte daher stets versuchen klar zwischen undemokratischen und demokratischen marxistischen Strömungen zu differenzieren, denn diese unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Theorie und Praxis erheblich.

„Der eigentliche Vorwurf richtet sich gegen die danach errichtete Gesellschaft und die Leichenberge, die sich jeweils regelmäßig als Begleiterscheinungen der Kommunistischen Regime halt so einstellen – innerhalb der eigenen, eigentlich doch kommunistisch zu „beglückende“ Bevölkerung. Und genau das ist schon ein sehr erheblicher Unterschied zu aufgeklärten oder kapitalistischen Gesellschaften.“

Die oben genannten Bücher zur Verbrechensgeschichte des Liberalismus/Kapitalismus beinhalten natürlich ebenfalls Informationen zu den Opfern, die legitimiert durch bestimmte Varianten liberaler/kapitalistischer Ideologie, z.B. durch schlechte Arbeitsbedingungen, Sklaverei, Ausbeutung, Diktatur, Hunger, Kolonialismus, imperialistische Kriege usw. Leid erfahren mussten und ums Leben gekommen sind.

„(Die Leichenberge aus den Kriegen nehme ich dabei ausdrücklich aus – ich finde es nicht ohne weiteres legitim, die jeweils der „kapitalistischen“ oder kommunistischen Seite zuzuschlagen. Der Krieg folgt da seinen eigenen Regeln, und alle Seiten haben da dreck am stecken. )“

Imperialistisch motivierte Kriege sollten m.E. in die Berechnungen einbezogen werden.

Ist George Orwells „Farm der Tiere“ eine Kritik am Kommunismus?

George Orwells „Farm der Tiere“ wird von neoliberalen Kapitalismusfans gerne als die Kritik am Kommunismus schlechthin gefeiert. Die Geschichte beginnt mit einer Despotie auf einem Bauernhof. Die Tiere dort haben auf’s Ärgste unter der brutalen Ausbeutungsherrschaft durch einen Menschen zu leiden. Eines Tages erheben sich die Geknechteten und verjagen den Tyrannen vom Hof. Nach der Revolution etabliert sich dann aber langsam eine Herrschaft durch die Schweine, welche noch schlimmer ausfällt. Am Ende beobachten die Tiere die neuen Machthaber durch ein Fenster, wie sie mit Menschen zusammensitzen und können nicht unterscheiden wer Mensch ist und wer Schwein – die neuen Despoten sind wie die alten. „Farm der Tiere“ erzählt also nicht von einer geglückten Revolution, einer gelungenen Befreiung sondern von einer gescheiterten.

Dieses Märchen wird oft als eine Parabel zur kommunistischen Revolution in Russland angesehen, auch dort hatten die Menschen unter Stalin noch mehr zu leiden als unter den Tyrannen, welche mit der Revolution überwunden worden waren. Tatsächlich ist es mir schon mehrmals passiert, dass mir ein Neoliberaler vorrechnete, dass die eine Despotie immer noch besser war als die andere. Na, dann ist’s ja gut!

So stellt die Parabel dann auch keine Kritik am Kommunismus dar, sondern nur an einer Tyrannei, die durch eine andere ersetzt wurde – eine Pervertierung der Ideale der Revolution. Besonders schön lässt sich das am Manifest der Tiere veranschaulichen: Dort wird festgeschrieben wer Freund und wer Feind ist, und dass die Tiere die Sitten der Feinde meiden sollen, wie etwa in Betten zu schlafen, Alkohol zu trinken oder andere Tiere zu töten. Mit am wichtigsten ist Punkt 7 in der Erklärung:

Alle Tiere sind gleich.

Dass die Revolution gescheitert ist, zeigt sich dann eindrucksvoll daran, dass dieser Punkt umgeschrieben wird zu:

Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.

Die neuen Machthaber legitimieren durch diese Pervertierung des Ideals der „Gleichheit“ – welches man besonders gut aus der französischen Revolution kennt – ihre eigene, neue Tyrannei. Und nicht nur das: Weiterhin treiben sie Handel mit dem Feind, trinken Alkohol, schlafen in Betten und lassen andere Tiere töten – die Revolution frisst ihre Kinder. Zu dem Vergleich mit dem real existierenden Russland könnte man dasselbe sagen: Es wurde eine Despotie durch sich selbst abgelöst, eine Variante der kapitalistischen Ausbeutung durch eine andere. Die Sowjetunion lebte keinen Kommunismus sondern einen Staatskapitalismus: Die Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln lagen nicht bei der Arbeiterklasse – wie sich das Marx und Engels gedacht hatten – sondern beim Staat bzw. dem Regime. Es handelte sich sowohl bei der „Farm der Tiere“ als auch bei der Sowjetunion um eine Pervertierung einer sozialistischen oder kommunistischen Gesellschaft.

Die Verfilmung dieses Märchens endet mit einer zweiten Revolution und vielleicht machen es die Tiere diesmal besser, haben aus der bitteren Erfahrung gelernt und stellen die Ideale der Revolution – Alle Tiere sind gleich – wieder her. In der Realität lässt sich das wohl nicht verwirklichen, denn niemals dürfen es die herrschenden Eliten zulassen, dass es irgendwo ein sozialistisches Land gibt, in dem die Menschen gut und gerne leben.