Archiv der Kategorie: Links-Rechts

Telepolis: Linksidentitäre und alte weiße Männer

„Der Unmut ist einigermaßen nachvollziehbar: Warum sollte ein schwarzer Homosexueller, der beruflich erfolgreich ist und ein hübsches Einfamilienhaus mit Garten bewohnt, allein aufgrund seines Minderheitsstatus mehr politische Aufmerksamkeit verdienen als ein weißer unterbezahlter Arbeiter, der nebenan im Plattenbau wohnt?

Doch für die Gerechtigkeitsdebatten der neuen Linken spielt das sozioökonomische Prekariat kaum eine Rolle mehr. Was die großen Konzerne am meisten freuen dürfte. Eine Marketing-Abteilung nach der anderen hat in den letzten Jahren die linke Identitätspolitik und die neue „Woke“-Kultur, also das Bewusstsein für die politischen Anliegen vermeintlich oder tatsächlich benachteiligter Minderheiten, für sich entdeckt. Das Ergebnis sind Werbe-Spots, die politische Positionen transportieren, indem Black-Lives-Matter-Slogans benutzt werden oder toxische Männlichkeit verurteilt wird.

Die Kritik daran ist nicht von der Hand zu weisen: Warum gaben sich dieselben Konzerne nicht genauso aufgeklärt und vom Guten überzeugt, als es noch um faire Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen ging? Sollte es nicht zu denken geben, wenn ein Jeff Bezos die linksliberale Washington Post aufkauft? Nicht um sie auf Kurs zu bringen, sondern weil sie mit ihren Inhalten bereits einen Kurs vertritt, der für einen Multimilliardär, der immer wieder mit Vorwürfen der Ausbeutung und Steuerflucht konfrontiert ist, kein Problem mehr darstellt.“

Ganzer Artikel.

Billy Coen: Linke gegen Linke

Billy Coen:

Was mich immer wieder am meisten verblüfft: hier im Forum schreiben nun nicht gerade wenige politisch eher bis klar links stehende User regelmäßig mit. Sie haben unterschiedlichen persönlichen Hintergrund und gehören auch unterschiedlichsten linken Strömungen oder / und Denkschulen an. Dennoch haben sie sowohl miteinander als auch mit dem Rest der hiesigen User eines gemein: sie lehnen postmoderne Identitätspolitik ab, äußern sich regelmäßig höchst kritisch über Themen wie Islam oder BLM und lassen kein gutes Haar an dem derzeitigen „linken“ politischen Lager in unserer Parteienlandschaft.

Dennoch kommen immer wieder derartig pauschale Rundumschläge gegen „Linke“. Wie kriegt man die hier zu erlebende Realität von Linken mit einem derart holzschnittartigen Bild unter eine Decke? Oder wird dann auf einmal mal eben der echte Schotte anders herum verwendet als gerne in die andere Richtung vorgeworfen: sind auf einmal die hier postenden Linken keine echten Linken?

Liebe Pseudolinke: Wenn ihr über Nazis sprecht

Liebe Pseudolinke,

wenn ihr über Nazis – also z.B. auch über solche wie mir sprecht – dann fügt bitte immer hinzu, ob ihr jetzt Nazis meint, oder echte Nazis. Schreibt unbedingt immer dazu, ob das echte Nazis sind, von denen ihr redet, sonst ist es einem als Leser einfach nur egal.

Danke.

Der unflexible Linke

Links feiert jetzt auch auf einmal den Überwachungs-, Zensur- und Polizeistaat, seit sich dessen hochnotpeinlichen Instrumente so schön gegen den Gegner einsetzen lassen. Deplatforming. Ausladungen. Demoverbote. Knüppelgarde. Inlandsgeheimdienst. Funkzellenüberwachung an der Stadtgrenze Berlins. Wird von links alles abgefeiert. Auch das war nie der Deal. Der Deal war: Kein Polizeistaat. Keine Überwachung. Keine Zensur. Nicht einen Fußbreit. Gar nicht. Unter gar keinen Umständen. Und mit gar keinem Vorwand.

Ich fühle mich sehr fremd jetzt. Dabei stehe ich immer noch dort wo ich immer war. Habe mich gar nicht bewegt. Bin da sehr traditionell. Oder unflexibel, wenn Sie so wollen. Und glaube in meiner alten Linksdenke entgegen dem, was heute als links durchgeht, gerade nicht, dass sich der Staat im Moment um die Gesundheit von mir, Ihnen oder überhaupt irgendwem sorgt. Weil das nämlich der Staat ist. Dem bin ich so egal wie der mir. Ich bin für den nur eine Wurst. Wie Sie auch. Wie jeder. Der interessiert sich einen Fick. Wenn ich morgen abkratze, dann ist dem Staat das so maximal egal wie irgendwem irgendwas egal sein kann. Er muss dann halt eine Steuernummer im System löschen. Klick. Weg. Und bei der jährlichen Haushaltsaufstellung fällt ein Posten auf der Einnahmenseite weg und es fehlt fortan einer der Idioten, der Rundfunkgebühren für diejenigen abdrückt, die inzwischen kilometerweit an ihm vorbei senden.

Der Artikel eines wahren Linken ist zur Gänze lesenswert.

Links Emanze, rechts Hausfrau: Als Maskulist zwischen allen Stühlen

Die alternative Konstellation findet sich deshalb so selten, da keine Frau bereit ist, ihr Leben lang malochen zu gehen und ihr Lebenseinkommen an Mann und Kind abzugeben.

Es ist eine Umfrage und sie fragt, ob es denn nun nicht genug sei mit der „Gleichstellung“, oder ob nicht doch noch viel mehr nötig wäre. Tja, was soll ich darauf antworten? Die Macher der Umfrage meinen natürlich Gleichstellung für Frauen. Was soll ich also antworten, wenn ich denke, es müsse noch viel für Männer getan werden?

Für die Macher zählt allein die Perspektive auf die Frauen und dabei auch nur, ob Frauen sich als Hausfrauen und Mütter verwirklichen (Pfui!), oder aber lieber eine Karriere anstreben (Hui!). Die Frage, wie Frauen ihr Leben leben, spielt rein in politische Haltungen, die man in rechts und links unterteilen kann (Einwände, diese Gruppierungen seien obsolet, kommen meistens aus der neoliberalen, antilinken Ecke). Und wenn man als Antifeminist auftritt, wird man diesem Raster nach in die rechtskonservative Schublade gesteckt, also Pfuibäh, für den die „natürliche Ordnung“ jene mit ihm als Malocher und ihr als Kinderhüterin ist. Positioniert man sich hingegen links, dann wird einem unterstellt, Feminist zu sein und damit eine „Befreiung“ der Frau mittels Erwerbstätigkeit anzustreben; man wolle frei nach de Beauvoir der Frau das Recht entziehen, zu Hause zu bleiben und sie in die Maloche pressen.

Nehmen wir die Hausfrauenfraktion. Und zwar die, die sich gegen den Feminismus positioniert, zugleich aber das weibliche Privileg wahren will. Konkret zu nennen wäre hier Birgit Kelle. Dass sie den Feminismus unter Feuer nimmt, machen sie für Männerrechtler erst mal sehr sympathisch. Zu Unrecht, denn sie stellt klar, dass ihre Opposition zum Feminismus sie noch lange nicht zur Männerverbündeten macht. Kelle prügelt wie jede Vulgärfeministin auf Männer ein und nimmt sie in die Kollektivhaft.

Dass der Mann auf der feministischen Seite auch mal dazu aufgefordert wird, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, weniger zu arbeiten und mehr zu Hause zu sein, ist dabei nur auf den ersten Blick zum Vorteil des Mannes. Dieses Geschenk ist vergiftet, denn es hat nicht seinen sondern ihren vermeintlichen Vorteil im Sinn. Dem Irrtum unterliegend, dass Frauen deshalb seltener Karriere machen und weniger hoch aufsteigen, nicht weil sie es so wollen, sondern weil sie durch ihre Kinder und Haushalt daran gehindert wären, soll der Mann ihnen diese lästigen Pflichten abnehmen. Die Verlogenheit zeigt sich besonders im Trennungsfall: Dort ist auf einmal keine einzige Feministin mehr zu finden, die sich dagegen verwahrt, die Frau auf die Rolle der Mutter und Hausfrau festzulegen, und die für Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern eintritt. Die Kinder gehören dann ganz genauso wie für den Konservativen allein zur Mutter.

Wenn ich mich also antifeministisch positioniere, dann besteht die Gefahr wie oben in der Umfrage, dass ich als konservativ eingeordnet werde und damit versehentlich als Verbündeter jener Frauen gesehen werde, die zu Hause bleiben wollen und dafür einen Mann brauchen, der ihnen dieses Lebensmodell unterhält.

Tatsächlich aber will ich auch, dass der Mann mehr bei den seinen bleiben kann. Aber nicht, weil ich linker Feminist, sondern weil ich Maskulist bin und dabei die Interessen der Männer im Blick habe. Ich halte es mit Warren Farrell, der sagte, die schlimmste Tragödie im Leben eines Mannes ist es, dass wenn er für die Seinen sorgen will, er sich von ihnen entfernen muss, dadurch, dass er den ganzen Tag auf der Arbeit ist. Ich halte es mit Esther Vilar, die vorschlug, wie echte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau aussehen könnte, dabei aber von Feministen auch körperlich angegriffen wurde, da sie diesen Vorschlag nicht auf der Annahme unterbreitete, es wäre die Frau, die durch die traditionelle Rollenverteilung benachteiligt wäre.

Somit kann ich als Linker nicht auf dem linken Stuhl mit seiner Geschlechterpolitik Platz nehmen, da ich Männerrechtler bin, und auch auf den rechten Stuhl ist kein Platz für mich, da ich die traditionelle Rollenverteilung ebenfalls ablehne – nicht weil ich die Familienzeit der Frau verringern will, damit sie sich vermeintlich „selbstverwirklichen“ – also entfremden – kann, sondern weil der Mann mehr von der Familie haben soll.

Damit steht man als linker Maskulist zwischen allen Stühlen, hat keine größere Gruppe als Verbündeten, keine politische Heimat.

Sag mir, wo die Linken sind, wo sind sie geblieben

Privilegiert.

Ein schwarzer Multimillionär faselt unwidersprochen in die Kamera, dass ein weißer obdachloser Mann immer noch privilegierter wäre als er selbst – „egal wieviel Geld ich mache!“

Ein Bedürftiger zahlt mehr als eine Reiche.

Das ist so eine grenzenlose Idiotie, dass ich bis heute Probleme damit habe, das zu glauben, also dass das ernst gemeint ist, dass dahinter tatsächlich eine breit etablierte Denke steht. In dieser Denke ist eine schwarze Multilmillionärin zweifach benachteiligt gegenüber einem weißen männlichen Obdachlosen – und eine lesbische schwarze Multimillionären dreifach, wenn dieser Obdachlose heterosexuell ist.

Das Lieblingsfeindbild der Pseudolinken schlechthin, der alte weiße Mann, wird über drei biologistische Merkmale erfasst und als privilegierte, ausbeuterische und unterdrückende Klasse definiert. Wobei hier mal wieder das Spiel Feld und Festung gespielt wird. Erst wird Nonsense verzapft (Feld), indem gesagt wird, der alte weiße Mann sei eine verbrecherische und privilegierte Klasse, wenn man dann aber auf all die weißen Männer verweist, die einfach nur machtlose Arbeitsdrohnen sind, zieht man sich in die Festung zurück, und behauptet, „alt, weiß, männlich“ stünden nur als Symbole stellvertretend für repressive Unterdrückung und Privilegiertheit. Hey, wie kommst Du nur darauf, dass „alt, weiß, männlich“ „alt, weiß, männlich“ heißt?!

Wenn das aber nicht gemeint ist, warum dann nicht Unterdrückung und Privilegiertheit exakt dort festmachen, wo sie tatsächlich gemeint sind, tatsächlich auftreten? Warum nicht gleich von reichen, weißen und mächtigen Männern sprechen? Nein: von reichen und mächtigen Männern? Nein: Von Reichen und Mächtigen, womit dann konsequenterweise auch Frauen gemeint sein können, wie Thatcher, Mohn, Springer oder von der Leyen.

Wenn man die rassistischen und sexistischen Merkmale – weiß, männlich – wieder fallen lässt, kommt man wieder dorthin, wo meine politische linke Heimat ist, und die ich zurück will: Der Blick auf tatsächliche Unterdrückungsverhältnisse, nämlich zwischen Arm und Reich.

Identitäre vergiften den ganzen Diskurs, es heißt nicht mehr: „Ich denke X aus den Gründen Y“, es heißt: „Ich bin X und also solcher fühle ich Y“: Die Linke ist in Identitätsträger zerfallen, Schwarze gegen Weiße, Frauen gegen Männer, Lesben gegen Heterosexuelle, also Alle gegen Weiße, Männer, Heteros, das Feindbild der Moderne schlechthin. Die Menschen werden nicht mehr nach sozialen Gesichtspunkten betrachtet, sondern danach, welche Hautfarbe, Geschlecht oder Orientierung sie haben, was eben zu solch absurden Punkten führt, ein Millionär sei gegenüber einem Obdachlosen im Nachteil

Frauen und Farbige sind gleicher.

Die Menschen sind nicht mehr gleich unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht, Schwarze und Frauen sind gleicher. Die Gleichheit der Menschen – zum Beispiel in der Menschenwürde – wäre ein unlauterer Vorteil der Privilegierten, die weiß und männlich wären, womit sie für diese aufgehoben werden müsste. So will man nicht mehr Gleichheit unter den Menschen sondern einen Sonderstatus für die vermeintlich Unterprivilegierten, Rechte und Würde gelten nur noch für sie, denn Crumar: „Die Linksidentitären gehen davon aus, dass dieser Universalismus eine Erfindung der Weißen ist, die sich selber damit als Maßstab setzen und diese Werte dazu dienen, ihre weiße Vorherrschaft (white supremacy), die ihnen weiße Privilegien (white privilege) sichert, zu legitimieren. Kurz: Es ist ein Machtreduktionismus par excellence. Was aber bspw. an „Menschenwürde“ spezifisch weiß sein soll, erschließt sich nur den „woken“. 

Oft hört man, bei uns werde man systematisch zu Rassismus und Sexismus erzogen. Es gehörte aber zu meiner guten Kinderstube, dass ich jeden Menschen unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder Sexualität mit Anstand behandle. Nein, genauer, und da liegt bereits der Fehler: Ich habe gelernt, Schwarze, Frauen und Homosexuelle mit Anstand zu behandeln, die weißen Männer hatten ja genug Privilegien, auf die musste man keine Rücksicht nehmen. Zur Heilung der Linken müssen Pseudolinke die Regeln des Anstands auch gegenüber alten weißen Männern lernen.

…eines Obdachlosen?

Die pseudolinken Akteure, die aus einem biologistischen Merkmal Identität ziehen und sich als eine entsprechende Gruppe begreifen, unterstellen dabei dem weißen Mann, dass er es selbst genauso hält, womit er eine eigene Klasse stelle. Das ist aber Schwachsinn: Die Gruppe der weißen Männer zerfällt vom Obdachlosen über den Arbeiter bis zum Kapitalisten in viele Untergruppen. Und ein weißer Mann identifiziert sich auch nicht über diese biologistischen Eigenschaften. Der Chef der deutschen Bank und der Bundespräsident sind ihren Ehefrauen viel näher als dem Arbeiter; und wenn Letzterer Probleme mit seiner Frau hat, da diese ihn aus einer tatsächlichen Machtposition heraus daran hindert, seinen Kindern ein Vater zu sein, dann rührt kein mächtiger, reicher weißer Mann auch nur einen müden Finger, um seinem angeblichen Klassenkameraden zu helfen. Und umgekehrt: Mit einem schwarzen Arbeiter bin ich solidarischer als mit jenem Millionär oben, der davon spricht, die Armen sollten halt Kuchen essen ein obdachloser weißer Mann wäre privilegierter als er selbst.

Der Multimilliardär Warren Buffet sagte, dass es seine Klasse – die der Reichen – sei, die einen Klassenkampf führe und diesen auch gewinne. Mal davon abgesehen, dass er noch ein vernünftiges Verständnis von „Klasse“ hat, kann man hier der Verschwörungstheorie anhängen, hinter der Zerfledderung der Linken in identitäre Klassen stünde eine gesteuerte Strategie des altbekannten Teilen und Herrschen, Crumar: „…Fragen sozialer Ungleichheit werden nicht mehr allgemein behandelt (s. weißer obdachloser Mann), sondern nur noch im Kontext der Hautfarbe. Womit es vortrefflich gelingt, weiße Armut – und damit die absolute Mehrheit der Armen in den USA – einfach verschwinden zu lassen. Die sind schließlich privilegiert. Durch die Überführung einer sozialen Frage in einer der „Rasse“, ist man die soziale Frage elegant losgeworden.

Rate mal, wie es mir geht, mit diesem Pack in einem Atemzug als „Linker“ genannt zu werden. Es handelt sich bei den Linksidentitären um die beste Linke, die man für Geld kaufen kann“

Die Linke hat sich selbst zerlegt, indem sie die Frage nach der geschlechtlichen oder ethnischen Zugehörigkeit über die nach der sozialen stellte; indem der Nebenwiderspruch zum Hauptwiderspruch erhoben wurde, wurde sie kastriert.

Crumar: Über alte Linke, Linksidentitäre und Anti-Rassismus

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Das Problem ist, was die alte Linke – darunter Marxisten – als „Anti-Rassismus“ verstanden hat, hat mit dem, was Linksidentitäre darunter verstehen nichts mehr zu tun.

Die alte Linke ging von dem Universalismus aus, dass alle Menschen gleich sind (im Sinne von Rechten, Freiheit, Menschenwürde) und Stereotype, Klischees und Vorurteile gegenüber anderen Gruppen zwar existieren, aber überwunden werden können.

Die Linksidentitären gehen davon aus, dass dieser Universalismus eine Erfindung der Weißen ist, die sich selber damit als Maßstab setzen und diese Werte dazu dienen, ihre weiße Vorherrschaft (white supremacy), die ihnen weiße Privilegien (white privilege) sichert, zu legitimieren. Kurz: Es ist ein Machtreduktionismus par excellence. Was aber bspw. an „Menschenwürde“ spezifisch weiß sein soll, erschließt sich nur den „woken“.

In diese „weißen Privilegien“ wird man hineingeboren – wie praktisch für diese „Theorie“, dass man sich damit einen Blick auf die konkrete Sozialstruktur eines Landes ersparen kann. Unglaubliche Arbeitszeitverkürzung. /sarcasm
Aus dieser unwissenschaftlichen Sicht ist es „logisch“, dass ALLE Weißen privilegiert sind und ja, auch der weiße obdachlose Mann ist zweifach privilegiert gegenüber einer schwarzen Multi-Millionärin.

Hier wird immer wieder kritisiert, es handle sich um einen primitiven „Kollektivismus“ – das ist nur die halbe Wahrheit. Es sind vor allem „Kollektive“, die überhaupt nicht existieren. Es sind reine Kopfgeburten einer Pseudo-Theorie auf biologistischer Basis.

Dieser Rassismus ist „den Weißen“ also angeboren, sie haben ihn gefälligst zu gestehen (als „racial bias“) und wiedergutzumachen, indem sie ihre Macht und Privilegien abgeben. Er ließe sich nur durch jahrelanges antirassistisches Training im Zaum halten und ist prinzipiell unüberwindbar.

Wie ausgesprochen hilfreich für den Broterwerb als ein solcher Trainer, dass man a. als Weißer nur rassistisch sein kann (gerade wer leugnet er sei Rassist ist einer), b. jede Form von Ungleichheit darauf hindeutet, dahinter steckt Rassismus und c. auch jeder zwischenmenschliche Konflikt, wie auch jede Interaktion zwischen den „Rassen“ zwangsläufig eine rassistische Komponente hat.

Und jetzt stelle dir vor, wie eine Gesellschaft aussieht, die nur ausreichend genug „trainiert“ worden ist, nämlich mit Folgen, die absehbar sind: Gegenseitiges Misstrauen, permanente Vorwürfe und Unterstellungen von einer Seite, Rückzug in die jeweiligen „Kollektive“, Segregation. Also prinzipiell das genaue Gegenteil von dem, was die alte Linke – mit Martin Luther King – gewollt hat, nämlich einen Menschen nach seinem Charakter, nicht nach seiner Hautfarbe zu beurteilen.

Die Theorie hinter dem Begriff „Anti-Rassismus“ hat sich komplett geändert, das liegt nicht am „Das ist kein echter™ xxx“, sondern die Linksidentitären wollen den Begriff kapern, um ihr völlig absurde, kontraproduktive „Theorie“ durchzusetzen.

An der extrem auffällt, Fragen sozialer Ungleichheit werde nicht mehr allgemein behandelt (s. weißer obdachloser Mann), sondern nur noch im Kontext der Hautfarbe. Womit es vortrefflich gelingt, weiße Armut – und damit die absolute Mehrheit der Armen in den USA – einfach verschwinden zu lassen. Die sind schließlich privilegiert. Durch die Überführung einer sozialen Frage in einer der „Rasse“, ist man die soziale Frage elegant losgeworden.

Rate mal, wie es mir geht, mit diesem Pack in einem Atemzug als „Linker“ genannt zu werden. Es handelt sich bei den Linksidentitären um die beste Linke, die man für Geld kaufen kann.

Billy Coen: Verdrängung der Klassenfrage durch Intersektionalismus, oder wie Privilegierte mit gutem linken Gewissen privilegiert werden

Billy Coen:

Ich kann mir vorstellen, dass sich in den Kreisen der nicht wenigen linken Akademiker bzgl. der eigenen Position und Rolle in der Gesellschaft ein Unwohlsein eingenistet hatte. Auf der einen Seite fand man Marx toll, sah aber auch, dass man selbst zu denen gehörte, die über Einfluss und nicht selten Wohlstand verfügten. Eine „linke“ Ideologie, die dann darauf abhebt, dass viel wichtiger als die Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Klassen / Schichten in Wahrheit die Zugehörigkeit zu irgendwelchen mehr oder weniger willkürlichen Gruppen ist, aus denen sich angeblich individuelle Privilegien oder auch Diskriminierungserfahrungen ergeben, kann da als persönlich sehr entlastend wirken. Entweder kann man sich so auf einmal sogar selbst als ganz doll unterdrückt darstellen (Ich habe zwar zig Millionen auf dem Konto und für mich arbeiten 20 000 Menschen, aber ich bin eine schwarze, lesbische, muslimische Rollstuhlfahrerin; bitte unterstützt mich in meinem harten Los!) oder sich wesentlich einfacher, weil oft nur rein virtuell stattfindend, als tugendhafter Unterstützer inszenieren, ohne sich dabei selbst existentieller Bedrohung ausgeliefert sehen zu müssen.

Ein Einfallstor, zumindest in Europa, dürfte dabei tatsächlich die irrige Ansicht gewesen sein, Feminismus sei links, so dass sich mit dieser Ideologie erstmals im linken Lager eine eindeutig auf biologistischem Essentialismus aufbauende Weltsicht ausbreiten konnte (Männer unterdrücken Frauen). Schon damals wurde dabei standhaft der offensichtliche Widerspruch dieses Gemeinplatzes zur traditionell linken Klassenfrage ignoriert, gewiss nicht ohne teils erhebliches Bewältigen kognitiver Dissonanzen. Die Frage, wie ein männlicher Tagelöhner denn bitte die Gattin eines Bankchefs unterdrücken solle, war so naheliegend und derart entwaffnend, dass sie einfach nicht mehr gestellt werden durfte, sobald es um die „Geschlechterfrage“ ging.

Durch die nunmehr nahezu vollständig stattgefundene Importierung weiterführender intersektionalistischer Biologismen aus den USA, stehen Identitätslinke endgültig nicht mehr vor der Aufgabe, diesen Widerspruch verleugnen zu müssen. In ihrem Weltbild wurde die traditionell linke Klassenfrage unter derart viel Bullshit begraben, dass sie quasi nonexistent geworden ist. Identitätslinke müssen keine kognitiven Dissonanzen mehr auflösen, um die offenen Widersprüche ihres biologistischen Essentialismus‘ zur Klassenfrage zu bewältigen, sie sehen diese Widersprüche einfach nicht mehr, weil das Konzept von Klasse in ihren Überlegungen gar nicht mehr auftaucht.

Es ist also wohl eher keine „böse Absicht“, sondern eher eine Entwicklung aus Bequemlichkeit heraus. Der Intersektionalismus ist ein klares Kind elitärer Kreise. Auch in diesen Kreisen ist es schick, sich selbst als links zu bezeichnen, weil links irgendwie allgemein als „gut“ gelabelt wird. Der Intersektionalismus als „linke“ Ideologie bringt nun aber direkt mit sich, dass sich Leute, die nach traditionell linker Sichtweise klar zu den „Privilegierten“ zählen, sich nicht mehr als solche fühlen und hinterfragen müssen. Der Intersektionalismus hält für viele Dinge bereit, dank derer sie sich an sich selbst etwas suchen können, um sich trotz allem Wohlstands und gesellschaftlichem Einflusses als irgendwie doch eigentliches Opfer darstellen zu können. So kann man sich auch als reiche Bankierstochter links fühlen, ohne sich aufgrund der eigenen Überzeugungen hinterfragen zu müssen.

Und selbst jene, für die der intersektionale Opferkatalog kein Kriterium bereithält, können Abbitte leisten, ohne wirklich schmerzhaft ans Eingemachte gehen zu müssen. Zumindest bis jetzt reicht es für jene aus, sich einfach ab und zu via Twitter ob ihrer weißen Männlichkeit verbal zu geißeln, um sich auch weiterhin als einer von den Guten fühlen zu können.

Früher haben Intellektuelle die linke Arbeiterbewegung philosophisch mit Ideen unterstützt, heute haben sie sie auf dem politischen Parkett weitgehend hingerichtet und ersetzt durch eine „linke“ Ideologie, mit der sie sich in erster Linie selbst aufgrund ihres eigenen gesellschaftlichen Status‘ reinwaschen können, sich nicht ob ihrer eigenen Privilegien „schämen“ müssen.

Lucas Schoppe über Biologismus und identitäre Linke

Lucas Schoppe:

Ich weiß nicht, ob es wirklich eine gute Idee ist, dem Biologismus der identitären Linken – die sich auf die Kategorien Rasse und Geschlecht kapriziert – mit einem anderen Biologismus zu begegnen. Dass Frauen stärker auf Gefühle, Männer stärker auf Sachebenenen bezogen wären, ist klischeehaft und erklärt zudem die linke Identitätspolitik, die sich auch in den „Grievance Studies“ ausprägt, nicht gut.

Denn deren Kennzeichen ist es ja keineswegs, dass dort Gefühle wichtig wären, sondern dass sauber zwischen Menschen unterscheiden wird, die Unterstützung verdienen, und denen, die es nicht tun. Die Gefühle der Menschen, die zur zweiten Gruppe gehören, werden dann entweder als toxisch dämonisiert oder als „white/male tears“ etc. lächerlich gemacht. Jeder klassische Sozialdemokrat war vielfach empathischer, als linke Identitätspolitiker es sind.

Gefühle sind bei denen lediglich eine Auszeichnung derjenigen Gruppen, die als wichtig wahrgenommen werden. Der Sinn einer Fixierung auf Gefühle ist es dann nicht aber etwa, diesen Menschen gerecht zu werden (denn dazu müssten Gefühle ggfs. ja auch mal kontextualisiert werden) – sondern ihnen die Last zu nehmen, ihre Position allgemein nachvollziehbar, mit Bezug auf eine gemeinsame Welt und in einem gemeinsamen Diskurs begründen zu müssen. Was für Gefühle sie haben, ist dann völlig unwichtig – wichtig ist lediglich, dass die Berufung auf Gefühle von Begründungspflichten und Plausibilitätserwartungen befreit. „Ich erlebe das so – willst DU mir das absprechen?“

Gut erkennbar ist die identitätspolitische Zweiteilung der Menschen am Beispiel der WUT, die bei den einen als Kennzeichen ihrer Niedrigkeit dasteht und ihre Position völlig entwertet („Angry white men“ etc.), bei den anderen als kräftiger und vitaler Ausdruck von Gerechtigskeitsbedürfnissen durchgeht.

Das ist u.a. deswegen interessant, weil die Zuschreibung der Wut zuerst SCHWARZE Männer und auch Frauen getroffen hat. Es ist eine im Kern immer schon rassistische Zuschreibung von oben herab, in der Emotionen als Ausweis von Primitivität hingestellt werden.

Kennzeichen der linken Identitätspolitik ist also keineswegs die Berufung auf Gefühle, sondern die Absage an universelle Konzepte. Dass ausgerechnet eine „linke“ Politik sich so entwickeln konnte, lässt sich leicht erklären. Mit dem Erfolg linker (in Deutschland: sozialdemokratischer) Politik wurden linke Parteien für Menschen interessant, die Positionen in den Institutionen anstrebten. Die SPD hat sich z.B. im Vergleich zur SPD der sechziger Jahre zu einer durchweg bürgerlichen Partei entwickelt, in der klassische Arbeiter kaum noch Chancen haben.

Das heißt: Hier sind jetzt Akteure entscheidend, die nicht mehr an gleichen Rechten für alle interessiert sind, sondern die ihre eigene, durchaus privilegierte Position behaupten und politisch orchestrieren möchten. Dafür ist es sinnvoll, Menschen in Opfer und Täter, Marginalisierte und Privilegierte etc. einzuteilen. Das knüpft erstens oberflächlich an klassische linke Konzepte an und dient zweitens der Begründung institutioneller Machtausweitungen – denn es gibt ja immer Gruppen von Menschen, die gegen andere Gruppen von Menschen Schutz und Beistand brauchen.

Die biologistische Orientierung (Rasse/Hautfarbe, Geschlecht) macht die Zuordnung jeweils sehr leicht und dient zudem dazu, ÖKONOMISCHE Unterschiede und Abhängigkeiten zu kaschieren. Daher ist es auch Kennzeichen der identitäten Linken, ökonomische Argumente immer nur oberflächlich anzuführen und von „Strukturen“ so zu reden, dass regelrecht gezielt Diffusion hergestellt wird. Um Gefühle geht es dabei nicht: Die Berufung auf Gefühle dient lediglich dazu, vielen allgemein relevanten Fragen ausweichen zu können.

Daher finde ich es auch völlig falsch, diese Politik auf Marx zurückzuführen. Ich würde an Marx zwar einiges aussetzen, aber DIESE Politik ist so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was er vertreten hat.

ARD Tatort: Sexismus geht, Rassismus nicht

nichtdeutsche_tatverdaechtige

Eine solche Statistik zu präsentieren: Das ist Pfuibäh, das ist Rassismus, sowas ist nur mit weißen Männern erlaubt.

Abschließende Empfehlung: kann man sich den Film antun? Ja, wenn man Feminist ist.

Spoilerwarnung.

Der ARD-Tatort „National Feminin“, der einen Mord an einer weiblichen Ikone Rechtsgesinnter zum Plot hat, verhandelt das Thema Rassismus und identitäre Bewegung, welche das Abendland durch schrankenlose Einwanderung dem Untergang geweiht sieht. Dabei wird aber klargestellt, dass das eigentliche Problem nicht die Gewalt von Migranten, sondern die Gewalt von Männern ist. So wird dann die Propaganda abgespult, wonach alle 24 Stunden ein Mann versucht, seine Partnerin zu töten, was ihm aber nur alle drei Tage gelingt – was sind Männer aber auch unfähig (Sorry, aber ich habe langsam die Schnauze voll). Wer so Männer anklagt, ist progressives Mitglied der Gesellschaft; wer so über Migranten redet ist Rassist. Ein Mord an einem Mann ist dabei ein Mord, ein Mord an einer Frau ein „Femizid“ – und geht auf „patriarchale Strukturen“ zurück (weil ja Frauen niemals Männer ermorden). Ich kann’s nicht beschwören, aber ich glaube nicht, dass in dem Format auch mal das Wort Andrizid“ fällt.

Feminismuskritik, wie zum Beispiel der Wahnsinn, dass manche Frauen lieber in der Familie sind als auf Karriere, oder dass alleinerzogene Kinder überdurchschnittlich oft Entwicklungsstörungen zeigen, kann dann natürlich nur aus der rechten Ecke kommen. Solchen Verschwörungstheorien steht aber die alleinerziehende Kommissarin und Karrierefrau entgegen, deren Sohn sich prächtig macht.

Eine der Protagonisten ist eine rechtsgesinnte, angehende Bundesverfassungsrichterin, die auch zu den Verdächtigten zählt. Ich persönlich halte nichts von einer Rechtskonservativen als Bundesverfassungsrichterin, die vermutlich ohne viel Federlesens den Zwangsdienst wieder einführen würde, damit der deutsche Mann auch die deutsche Frau beschützen kann (ich halte aber auch nichts vom Islam, aber nicht, weil ich rechts bin, sondern weil der Islam rechts ist). Die Identitären sind dabei ganz große Frauenbeschützer, die die tuetsche Jungfrau gegen die Horden mit Migrationshintergrund verteidigen, allerdings entpuppt sich dann einer der Hardcore-Identitären als der eigentliche Mörder, welcher auch nur „uralte männliche Gewalt“ ausübt, womit all seine hohlen Phrasen, Frauen vor Ausländern zu schützen, als hohle Phrasen entlarvt werden (ich hab’s übrigens kommen sehen, ungeschickter Krimi). Dennoch: Identitär bewegte Frauen sehen den (weißen) Mann als Verbündeten, sie stellen ihn nicht unter Anklage („jeden dritten Tag tötet ein Mann…“) sondern leben und arbeiten mit ihm zusammen. Wenn Du also links bist, und nicht mehr die Scheiße von den Stiefeln deiner Herrinnen lecken willst, lohnt es sich vielleicht, darüber nachzudenken, das Lager zu wechseln – also zu den Maskulisten, nicht den Identitären.

Auch ist auffällig, dass zum Ende des Films keine wirklich bösen Frauen übrigbleiben; dass böse Frauen zu guten mutieren, habe ich bereits öfter beobachtet, als ein weiteres Beispiel hierfür kann „Toystory 4“ (guter Film) angeführt werden. Das Mordopfer, eigentlich eine Hardcore-Identitäre, vögelte mit jemanden aus dem linken Lager; die andere ist eine Marionette, und kriegt das, was sie an ausländerfeindlichen Parolen raushaut, von einem Mann diktiert; und die rechte, angehende Bundesverfassungsrichterin entpuppt sich als eigentlich doch ganz sympathische Lesbe. Frauen können nicht aus sich selbst heraus der falschen Gesinnung anhängen, sie werden nur verführt.

Und zum Schluss?

Bei Nasenbluten soll man den Kopf nicht in den Nacken legen – fail.