Archiv der Kategorie: Neoliberalismus

Youtube schafft Dislikes ab oder wenn Konzerne Politik betreiben

Youtube schafft die Disklikes unter den dort eingestellten Videos ab und soweit ich das überblicke, ist das woke Lager dafür. Offiziell heißt es, dass die Dislikes die Leute fertigmachen würden, und damit sind bestimmt nicht die Nazis gemeint. Nun Sorry, aber negatives Feedback muss man aushalten. An anderer Stelle heißt es, die Motivation für Dislikes wäre Hass, und Hass ist bekanntlich nicht erlaubt. Dazu: Erstmal hassen alle irgendwas (außer vielleicht irgendwelche Buddhisten, die 24/7 meditieren) und zweitens kommt es auf die Handlung an und nicht auf die Motivation. Ein Dislike ist eine legitime Handlung, egal durch welche Motivation sie getragen ist, sei es rationale Verneinung oder emotionaler Hass.

Auch das Argument, dass man ja einen Kommentar schreiben könnte, sticht nicht. Denn erstens kann auch ein solcher durch Hass getragen sein (auch wenn das nicht sichtbar ist), zweitens ist das ein überaus elitäres Argument: Ein Dislike schert sich nicht darum, ob jemand intelligent ist oder ihm das intellektuelle Rüstzeug fehlt, seine Ablehnung mit guten Argumenten zu untermauern. Und drittens werden Kommentare auf youtube massiv zensiert, es ist wirklich hässlich. Dislikes lassen sich sehr viel schwerer zensieren bzw. manipulieren, obwohl auch das schon passierte:

Ich bin mir sicher, dass man bei Google diese Entscheidung deshalb getroffen hat, da man dort zur Erkenntnis gelangte, dass die Dislikes besonders jene traf, hinter denen der Konzern steht, deren Meinungshoheit es durchzusetzen gilt – also das woke Lager. Denn Google betreibt Politik, und da stellt sich die Frage, wie die Kapitalisten dazu stehen.

Ich habe hierzu die Klage eines Libertären in Erinnerung. Ein richtig krasser Libertärer, der z.B. keine Sozialabgaben zahlen will und jenen, die darauf zum Überleben angewiesen sind, sagt, dass unter den Brücken noch genug Platz wäre und: „… dann geh weg und stirb so, wie es dir am besten deucht!“ Ein Kapitalist und sein Eigentum also. Nur: Ist eine Plattform wie Youtube nicht auch Eigentum? Sollte also so eine Konzern diese so nutzen dürfen, wie es ihm in den Kram passt? Zum Beispiel so, dass genannter Libertärer empfindlich weniger Aufrufe erhält, da die Algorithmen angepasst wurden, worüber er sich dann beklagt? Google betreibt Politik, und das bedeutet, dass mir zum Beispiel feministische Videos vorgeschlagen werden, wo ich feminismuskritische sehen will. Vielleicht gibt es auf Youtube noch brillante, linke Männerrechtler, von denen ich aber nie was erfahre, da Google mich erziehen und mir Dreck andrehen will? Erst kürzlich entfernte Google „Genderama“ aus dem Suchindex, um es nach Protesten wiederaufzunehmen. Warum? Feministen beklagten sich unlängst, dass die KI, die hinter solchen Suchergebnissen und Vorschlägen steht, sexistisch wäre. Echter Sexismus wurde den Algorithmen daraufhin anerzogen, so dass dem Publikum auf der Suche nach Beiträgen z.B. zur Geschlechterdebatte femosexistische Videos empfohlen werden. Auf diese Weise beteiligt sich ein kapitalistischer Konzern an der öffentlichen Meinungsbildung und lenkt damit die Richtung, in die sich die Gesellschaft entwickelt. Sollten das kapitalistische Unternehmen, die über Monopole verfügen, dürfen? Oder sollte man hier doch Regulierungen vornehmen – wobei Regulierungen für Libertäre fast so schlimm sind wie Sozialhilfen. Knifflige Frage für unwoke Libertäre, die erleben müssen, dass sie es sind, deren Meinung unterdrückt wird.

Um Antwort wird gebeten: Klassengerechte Sprache

An die Tagesschau:

Sehr geehrte Damen!$ und Herren!$

Arme Menschen sind im Generischen nicht sichtbar. Man liest einen Text und denkt nur an solche Menschen, die keine Geldnöte kennen. Um diese Strukturen zu überwinden ist es notwendig, dass eine klassengerechte Sprache eingeführt wird.

Dazu wird jede generische Form markiert, heißt mit dem unwahr-Symbol, bekannt aus Programmiersprachen: ! und dazu das Dollarzeichen $(Sie können natürlich auch € verwenden.)

Also: „Die Studenten!$ demonstrierten gegen die Studiengebühren.“

Bitte ab sofort immer von all ihren Journalisten!$ zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Keine Antwort.

Ingbert Jüdt: Kapitalismus, Neoliberalismus, Verschwörungstheorien

Für manche ist die Corona-Krise eine von langer Hand geplante Verschwörung zur Errichtung einer neuen Weltordnung. Für andere ist sie ein »gewöhnliches« Politikversagen, wahlweise aufgrund zu großer geübter Härte oder eines Mangels an solcher. Erstere Anschauung vermutet einen perfiden, detailliert ausgearbeiteten Plan hinter den Ereignissen, letztere beanstandet ein erratisches, von den Umständen überfordertes Verhalten. Aber zwischen bewusster Großplanung und simpler Unfähigkeit lässt sich das Verhalten der Politik noch auf einer mittleren Ebene erklären: auf der Ebene eines Gespürs für Gelegenheiten und ihrer ad hoc improvisierten Nutzung, das einerseits einem roten Faden folgt und darum weniger erratisch ist, als es für letztere den Anschein hat, jedoch ohne dabei andererseits geplant zu sein und darum von weniger Kalkül getrieben wird, als es für erstere den Anschein hat. Diese mittlere Ebene möchte ich die Ebene des »Machtinstinkts« nennen und im Folgenden ausführen, was ich damit meine.

Und schließlich ist es in der neoliberalen Perspektive auch nur folgerichtig, auch die Demokratiedefizite der globalen politischen Ordnung nicht als Defekt, sondern als erwünschtes Merkmal zu betrachten.

Zur Gänze lesenswert: Warum Macht korrupt macht

Die Kommunisten sind schuld…

Wie vernageltes Denken zur falschen Diagnose und damit zur falschen Therapie führt. In dem höchst lesenswerten „Vom Verlust der Freiheit“ führt der Autor Raymond Unger aus, wie der Great Reset ein Projekt des Großkapitals zur Profitmaximierung und totalen Kontrolle ist, um dann am Ende das alles so zu interpretieren, das sei irgendwie kommunistisch, als ob Black Rock vorhätte, seine Profite an die Arbeiterklasse auszuschütten.

Oder Danisch bezieht sich auf die neu beschlossene Gesetzgebung zur Zensur, über die es heißt:

„das Ergebnis massiver Lobbyarbeit der Content-Industrie und Rechteinhaber“

also ebenfalls ein kapitalistisches Projekt, nur um dann zu schließen, das wäre irgendwie: „marxistisch-illusionistischer Phantasiegesellschaften”.

Ich persönlich schätze das neue Gesetz so ein, dass es auch für diesen Blog hier der Todesstoß sein könnte – freie Meinungsäußerung ist einfach nicht erwünscht -, und wenn man mit der falschen Diagnose an das Problem herantritt, wird man auch auf die falsche Problemlösungsstrategie verfallen und so zu keiner Lösung gelangen. Und nur weil sich ein Unternehmen mit Diversity schmückt, heißt das nicht, dass sich irgendwas an seinen kapitalistisch-neoliberalen Ausbeutungsverhältnissen ändert – sie geben sich einen modernen, progressiven Anstrich – „kommunistisch“ – aber die Knechtschaft wird umso erdrückender. Nach dieser Logik waren auch die Sklavenhalter der Südstaaten Kommunisten.

Etwas freie Marktwirtschaft…

Billy Coen:

„Das Mantra der Libertären. Aber über dogmatische Marxisten meckern.“

Und ein Mantra, welches man nur aufrecht erhalten kann, wenn man staatliche Sozialleistungen als völlig selbstverständlich gegeben abtut und immer nur dahin schaut, wo man den völlig freien Markt sein wundervolles Schaffen am Werke vermutet.

Für manche wäre es mal sehr lehrreich, ein Jahr lang in eine Welt des völlig freien Marktes hineinzuschnuppern. Heißt: keine staatliche Rentenversicherungen, keine staatliche Arbeitslosenversicherungen, kein Kündigungsschutz, keine Arbeitsgesetze, keine gesetzlichen Urlaubsansprüche, keine gesetzlichen Ansprüche auf Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall. Also quasi die Situation, in der sich Arbeiter in der Frühzeit der Industrialisierung wiederfanden. Aber hey! Das muss ja DER Wohlstand für alle schlechthin gewesen sein…

Toxische Männlichkeit und Eigenverantwortung

Eine der größten Lügen des Neoliberalismus‘ ist, dass jeder, der sich nur ehrlich bemüht, es auch zu Wohlstand bringen kann. So gut wie immer werden hierzu die wenigen absoluten Ausnahmekarrieren einzelner angeführt, die es wie im Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft haben. Weil sie es geschafft haben, könnte es jeder schaffen, so die Lüge, wo man es entweder mit Heuchlern zu tun hat, oder solchen, die auf den Gipfeltrugschluss reingefallen sind. Wer also arm ist, ist in unserer Gesellschaft ganz zu recht arm, da er sich einfach nicht genug bemüht hätte: „Biste arm, selber schuld! Biste krank, Pech gehabt!“ – so der neoliberale Schlachtruf, dessen Logik darauf hinausläuft, dass eine in arm und reich getrennte Gesellschaft eine gerechte wäre. Gerne wird in diesem Zusammenhang das Falschwort „Eigenveranwortung“ bemüht. Damit ist immer Sozialabbau gemeint und gleichzeitig täuscht man darüber hinweg, dass Armut seine Ursache in struktureller Gewalt hat, die sich der Einflussmöglichkeit des Betroffenen entzieht; dass er einer Gewalt ausgesetzt ist, die er eben nicht unter Kontrolle hat, und womit er auch nicht die Verantwortung dafür tragen kann. Der Niedriglöhner ist in seiner Lebenssituation gefangen und kommt da auch nicht raus, egal wie selbstausbeuterisch er schuftet, es sei denn, er hat viel, viel Glück, wie zum Beispiel Bill Gates, der, wäre er auch nur ein Jahr zu spät oder zu früh gekommen, nur ein weiterer kleiner Programmierer wäre, den niemand kennen würde.

Was dem Neoliberalen die Eigenverantwortung ist dem Feministen die toxische Männlichkeit. Die Dreistigkeit mit der hier vorgeheuchelt wird, dass man sich um Männer Sorgen machen würde, lässt einen dabei nur noch kalt kotzen. Mit dem Prinzip der toxischen Männlichkeit wird geleugnet, dass der Mann struktureller Gewalt ausgesetzt ist, womit ihm die Verantwortung für Notlagen in die Schuhe geschoben wird – dort, wo man auf solche Notlagen ausnahmsweise mal zu sprechen kommt, denn normalerweise verfolgen Feministen wie z.B. Andreas Kemper die Strategie, solche Nachteile auf Seiten der Männer unsichtbar zu machen.

Das ganze Problem wäre zum Beispiel, dass der Mann nicht um Hilfe fragen könnte – wegen „toxischer Männlichkeit“. Er müsse nur diese Form der Männlichkeit aufgeben, und seine Probleme wären gelöst. Das ist natürlich Humbug: Der Obdachlose zum Beispiel kann um Hilfe auch geradezu betteln, geholfen wird ihm trotzdem nicht, sein Problem ist damit nicht gelöst. Ganz ganz beliebt ist dieses Muster auch bei Buben, die von einem „jungenfeindlichen Biotop Schule“ (GEO) ins Prekariat entlassen werden: Die Schule ist richtig, der Junge ist falsch, wie es die neue schwarze Pädagogik will. Dieses Problem ist aber ein jüngeres; vor einem halben Jahrhundert schnitten die Knaben noch nicht so katastrophal ab. Diese Entwicklung ist also nicht darauf zurückzuführen, dass sich eine neue – toxische – Männlichkeit etabliert hat, sondern auf einen steigenden feministischen Einfluss in der Gesellschaft und ihren Institutionen, eines Feminismus, der schon aus Müttern Monster macht. Auch von den Selbstmördern unter den Männern weiß man, dass sie zum Schluss gekommen sind, dass ihnen nichts mehr helfen könne. Trennungsväter z.B. begehen im Schnitt achtmal häufiger Selbstmord als die geschiedene Frau: Eine Studie hat ergeben, dass die Trennung von den Kindern in vielen gerichtsmedizinischen Untersuchungen als Hauptursache für männlichen Suizid genannt wurde. Wenn man ihnen helfen wollte, wie es der Heuchler vorgibt tun zu wollen, müsste man nur Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern einführen – das aber will keiner der Feministen, sei es in einem Forum einer Tageszeitung oder in einem Ministerium für alle außer Männer.

Der Feminist sagt also: „Kann nicht um Hilfe fragen“ und damit vereint mit dem Neoliberalen: „Selber schuld!“,  und denkt keine Sekunde darüber nach, wie sich dem Mann in Not helfen ließe. Denn dann würde er ganz anders an die ganze Thematik herangehen. Er würde die Frage stellen, wie Hilfe aussehen müsste, die ihr Ziel erreicht, die etwas bewirken könnte. Das tut er aber nicht, stattdessen dient dieses Manöver allein dazu, die strukturelle Gewalt zu leugnen, die der Mann ausgesetzt ist und die auf den Empathy-Gap zurückgeht, so wie der Neoliberale die strukturelle Gewalt leugnet, die der Arme ausgesetzt ist. Beides derselbe Dreck.

Die Kommis sind’s!

Danisch und „Kritische Wissenschaft“ lassen sich über den Great Reset aus, eine Dystopie, wie sie sich nicht mal Orwell hat träumen lassen. Bei ihnen läuft das unter „Kommunismus“. Würde mich ja interessieren, wer dort die absolute Allmacht ausüben wird, der keiner entkommen kann? Die Arbeiterklasse, oder eher doch eine kleine reiche Elite?

Siehe auch: Mausfeld: Demokratie bedeutet nur, andere Hirten aus dem Personal des Herdenbesitzers zu wählen

Billy Coen: Kapitalismus und Krankenhäuser

Aus der Reihe „Der freie Markt regelt Alles zum Besten Aller“ (sieh auch) Billy Coen:

Krankenhausschließungen sind sowieso oft eine Pest, die daher rührt, dass sich der Irrglaube politisch hat einnisten können, man müsse Krankenhäuser, jedes für sich, wie Wirtschaftsunternehmen bewerten. Das verkennt vollends den ureigensten Sinn von Krankenhäusern: für eine bestimmte Region eine möglichst gute Sicherung der Leben der dort Beheimateten zu gewährleisten.

In der Region Hannover gibt es das kleine Städtchen Großburgwedel. Das dortige Krankenhaus stand für viele Jahre ständig auf der politischen Abschussliste und bekam erst vor kurzem endlich das OK zur Weiterexistenz. Um Burgwedel herum ist alles sehr ländlich. Nur Dörfer, also keine besonders dichte Besiedelung. Entsprechend dürften die Auslastungszahlen für das Krankenhaus dürftig gewesen sein, weshalb es wohl zu Disposition gestellt worden war. Aber: für die besagte ländliche Region hätte die Schließung des Krankenhauses bedeutet, dass sich das nächstgelegene Krankenhaus in der Nordstadt von Hannover befunden hätte. Ein dort losfahrender RTW bräuchte locker zehn bis fünfzehn Minuten länger, um in einem medizinischen Notfall vor Ort zu erscheinen. Ich glaube, es ist müßig zu erwähnen, was zehn bis fünfzehn Minuten zusätzliche Wartezeit – ganz zu schweigen, dass sich auch der Transport ins Krankenhaus um nochmals dieselbe Zeit verlängert – bedeuten können, wenn gerade jemand mit einem Infarkt oder Schlaganfall zu Hause darniederliegt. Man hätte mit der Schließung also, nur weil man meint, alles nach strikten betriebswirtschaftlichen Kriterien bewerten zu müssen, die medizinische Notfallversorgung für viele Menschen massiv verschlechtert.

Ja gut, dann sind halt in diesem Jahr mal wieder so und so viele Menschen über die Wupper gegangen, die wir, hätte es das Krankenhaus noch gegeben, hätten retten können. Aber dafür haben wir viel Steuergeld gespart, welches wir jetzt in so lebensnotwendigen Projekten wie, ganz aktuell, der Gleichstellungsstiftung versenken können.

Neoliberalismus: „Wer macht die Drecksarbeit?“

In der Thematik zum bedingungslosen Grundeinkommen kenne ich mich nur schlecht aus. Ich finde die Idee faszinierend, befürchte aber, das ließe sich nicht umsetzen. Ich habe aber eine Umfrage in Erinnerung, die zu einem recht witzigen Ergebnis kam: Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie weiterarbeiten würden (vielleicht etwas weniger), zugleich vertrat aber auch die Mehrheit die Auffassung, dass „die Anderen“ dann nicht mehr arbeiten würden, weshalb das Modell nicht realistisch sei. Nun ja, wie auch immer: Gäbe es ein Bedingungsloses Grundeinkommen und wäre Obdachlosigkeit abgeschafft, dann hätte ich auch kein Problem mit Frauenquoten für die Jobs mit Macht, Geld und Status.

Mich interessiert jetzt aber was anderes: Im Zusammenhang mit der Diskussion über das BGE bin ich bei einem Neoliberalen über eine Frage gestolpert, die ich für vielsagend halte:

„Wer macht dann die Drecksarbeit?“

Denn es zeigt auf, dass Libertäre die Behauptung, wir lebten in einer gerechten Gesellschaft – „Wer sich ehrlich bemüht, bringt es zu Wohlstand“ und „Hier wird man fair entlohnt“– selbst auch als Lüge durchschauen. Lebten wir in eine freien, gerechten Gesellschaft, hätten diejenigen, die die Drecksarbeit erledigen auch die Freiheit, diese Arbeiten abzulehnen, und würden trotzdem überleben, in Würde, was z.B. mit einem BGE gegeben wäre. In der Realität haben sie diese Freiheit nicht, sind also unfrei.

Neoliberale Vordenker wie etwa Hayek wissen ganz genau, dass die Entlohnungen in der Arbeiterklasse ungerecht sind, sie sehen aber ungerechte Löhne – nicht für sich selbst, nur für andere – als notwendig an, damit die Gesellschaft weiterläuft, also dass sie – nicht die anderen – es auch weiterhin gut haben – das nennen sie dann Freiheit, für die andere Opfer zu erbringen haben.

Wie ließe sich aber regeln, dass unter den Bedingungen eines BGE die Drecksarbeit dennoch erledigt wird? Dazu der erste Vorschlag: Diese Jobs müssten eben so gut bezahlt werden, dass sich Leute finden, die das übernehmen. Das wäre dann auch eine tatsächlich gerechte Entlohnung. Zweiten müsste die Arbeitszeit begrenzt werden, zum Beispiel maximal 5 Stunden.

Wie gesagt, ich bin skeptisch, ob ein BGE funktionieren könnte, aber ich sehe diesen ersten neoliberalen Einwand als so herrlich entlarvend an.

Sag mir, wo die Linken sind, wo sind sie geblieben

Privilegiert.

Ein schwarzer Multimillionär faselt unwidersprochen in die Kamera, dass ein weißer obdachloser Mann immer noch privilegierter wäre als er selbst – „egal wieviel Geld ich mache!“

Ein Bedürftiger zahlt mehr als eine Reiche.

Das ist so eine grenzenlose Idiotie, dass ich bis heute Probleme damit habe, das zu glauben, also dass das ernst gemeint ist, dass dahinter tatsächlich eine breit etablierte Denke steht. In dieser Denke ist eine schwarze Multilmillionärin zweifach benachteiligt gegenüber einem weißen männlichen Obdachlosen – und eine lesbische schwarze Multimillionären dreifach, wenn dieser Obdachlose heterosexuell ist.

Das Lieblingsfeindbild der Pseudolinken schlechthin, der alte weiße Mann, wird über drei biologistische Merkmale erfasst und als privilegierte, ausbeuterische und unterdrückende Klasse definiert. Wobei hier mal wieder das Spiel Feld und Festung gespielt wird. Erst wird Nonsense verzapft (Feld), indem gesagt wird, der alte weiße Mann sei eine verbrecherische und privilegierte Klasse, wenn man dann aber auf all die weißen Männer verweist, die einfach nur machtlose Arbeitsdrohnen sind, zieht man sich in die Festung zurück, und behauptet, „alt, weiß, männlich“ stünden nur als Symbole stellvertretend für repressive Unterdrückung und Privilegiertheit. Hey, wie kommst Du nur darauf, dass „alt, weiß, männlich“ „alt, weiß, männlich“ heißt?!

Wenn das aber nicht gemeint ist, warum dann nicht Unterdrückung und Privilegiertheit exakt dort festmachen, wo sie tatsächlich gemeint sind, tatsächlich auftreten? Warum nicht gleich von reichen, weißen und mächtigen Männern sprechen? Nein: von reichen und mächtigen Männern? Nein: Von Reichen und Mächtigen, womit dann konsequenterweise auch Frauen gemeint sein können, wie Thatcher, Mohn, Springer oder von der Leyen.

Wenn man die rassistischen und sexistischen Merkmale – weiß, männlich – wieder fallen lässt, kommt man wieder dorthin, wo meine politische linke Heimat ist, und die ich zurück will: Der Blick auf tatsächliche Unterdrückungsverhältnisse, nämlich zwischen Arm und Reich.

Identitäre vergiften den ganzen Diskurs, es heißt nicht mehr: „Ich denke X aus den Gründen Y“, es heißt: „Ich bin X und also solcher fühle ich Y“: Die Linke ist in Identitätsträger zerfallen, Schwarze gegen Weiße, Frauen gegen Männer, Lesben gegen Heterosexuelle, also Alle gegen Weiße, Männer, Heteros, das Feindbild der Moderne schlechthin. Die Menschen werden nicht mehr nach sozialen Gesichtspunkten betrachtet, sondern danach, welche Hautfarbe, Geschlecht oder Orientierung sie haben, was eben zu solch absurden Punkten führt, ein Millionär sei gegenüber einem Obdachlosen im Nachteil

Frauen und Farbige sind gleicher.

Die Menschen sind nicht mehr gleich unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht, Schwarze und Frauen sind gleicher. Die Gleichheit der Menschen – zum Beispiel in der Menschenwürde – wäre ein unlauterer Vorteil der Privilegierten, die weiß und männlich wären, womit sie für diese aufgehoben werden müsste. So will man nicht mehr Gleichheit unter den Menschen sondern einen Sonderstatus für die vermeintlich Unterprivilegierten, Rechte und Würde gelten nur noch für sie, denn Crumar: „Die Linksidentitären gehen davon aus, dass dieser Universalismus eine Erfindung der Weißen ist, die sich selber damit als Maßstab setzen und diese Werte dazu dienen, ihre weiße Vorherrschaft (white supremacy), die ihnen weiße Privilegien (white privilege) sichert, zu legitimieren. Kurz: Es ist ein Machtreduktionismus par excellence. Was aber bspw. an „Menschenwürde“ spezifisch weiß sein soll, erschließt sich nur den „woken“. 

Oft hört man, bei uns werde man systematisch zu Rassismus und Sexismus erzogen. Es gehörte aber zu meiner guten Kinderstube, dass ich jeden Menschen unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder Sexualität mit Anstand behandle. Nein, genauer, und da liegt bereits der Fehler: Ich habe gelernt, Schwarze, Frauen und Homosexuelle mit Anstand zu behandeln, die weißen Männer hatten ja genug Privilegien, auf die musste man keine Rücksicht nehmen. Zur Heilung der Linken müssen Pseudolinke die Regeln des Anstands auch gegenüber alten weißen Männern lernen.

…eines Obdachlosen?

Die pseudolinken Akteure, die aus einem biologistischen Merkmal Identität ziehen und sich als eine entsprechende Gruppe begreifen, unterstellen dabei dem weißen Mann, dass er es selbst genauso hält, womit er eine eigene Klasse stelle. Das ist aber Schwachsinn: Die Gruppe der weißen Männer zerfällt vom Obdachlosen über den Arbeiter bis zum Kapitalisten in viele Untergruppen. Und ein weißer Mann identifiziert sich auch nicht über diese biologistischen Eigenschaften. Der Chef der deutschen Bank und der Bundespräsident sind ihren Ehefrauen viel näher als dem Arbeiter; und wenn Letzterer Probleme mit seiner Frau hat, da diese ihn aus einer tatsächlichen Machtposition heraus daran hindert, seinen Kindern ein Vater zu sein, dann rührt kein mächtiger, reicher weißer Mann auch nur einen müden Finger, um seinem angeblichen Klassenkameraden zu helfen. Und umgekehrt: Mit einem schwarzen Arbeiter bin ich solidarischer als mit jenem Millionär oben, der davon spricht, die Armen sollten halt Kuchen essen ein obdachloser weißer Mann wäre privilegierter als er selbst.

Der Multimilliardär Warren Buffet sagte, dass es seine Klasse – die der Reichen – sei, die einen Klassenkampf führe und diesen auch gewinne. Mal davon abgesehen, dass er noch ein vernünftiges Verständnis von „Klasse“ hat, kann man hier der Verschwörungstheorie anhängen, hinter der Zerfledderung der Linken in identitäre Klassen stünde eine gesteuerte Strategie des altbekannten Teilen und Herrschen, Crumar: „…Fragen sozialer Ungleichheit werden nicht mehr allgemein behandelt (s. weißer obdachloser Mann), sondern nur noch im Kontext der Hautfarbe. Womit es vortrefflich gelingt, weiße Armut – und damit die absolute Mehrheit der Armen in den USA – einfach verschwinden zu lassen. Die sind schließlich privilegiert. Durch die Überführung einer sozialen Frage in einer der „Rasse“, ist man die soziale Frage elegant losgeworden.

Rate mal, wie es mir geht, mit diesem Pack in einem Atemzug als „Linker“ genannt zu werden. Es handelt sich bei den Linksidentitären um die beste Linke, die man für Geld kaufen kann“

Die Linke hat sich selbst zerlegt, indem sie die Frage nach der geschlechtlichen oder ethnischen Zugehörigkeit über die nach der sozialen stellte; indem der Nebenwiderspruch zum Hauptwiderspruch erhoben wurde, wurde sie kastriert.