Archiv der Kategorie: Religion

„God is a woman“ – über die halbierte matriarchale Liebe

Die Liebe zum Vater eines Kindes, die Liebe des Vaters zu seinem Kind, die Liebe zwischen Mann und Frau als Eltern eines gemeinsamen Kindes… all das gibt es nicht im Matriarchat und Matriarchinnen sind ernsthaft in ihrem narzisstischen Stolz gekränkt, dass im „Patriarchat“ Kinder auch ihren Vater lieben. Das Kind soll allein die Mutter lieben, allein die Mutter soll die Bezugsperson für das Kind sein, denn: Du sollst keinen anderen Gott neben mir haben.

Ariane Grande singt: „God ist woman“ und dazu als erstes: Gott – sollte es ihn geben – hat kein Geschlecht. Geschlecht hat was mit Biologie und Fortpflanzung zu tun, und beides ist bei Gott nicht gegeben.

Grande jedenfalls liefert ein schönes Profil davon, was es mit einer matriarchalen Gottheit auf sich hat, wenn Gott also tatsächlich eine Frau wäre. Männer sind nur kleine, wütende, armselige Gestalten die die bei weitem überlegene Göttin anschreien, von der aber alles abprallt; Männer, die – wenn auch Witzfiguren – dennoch an die Göttin glauben sollen, das scheint wichtig zu sein.

Weiterhin unterteilt Grande die Menschheit in Gut und Böse nach Geschlecht. Allein die guten Frauen stehen unter Schutz der Göttin, die die bösen Männer zerschmettert und ihre Rache spüren lässt, wenn diese sich gegen die eigentlich heiligen Frauen vergreifen. Denn dass Frauen Verbrechen begehen, auch gegen Männer, das kommt im matriarchalen Weltbild nicht vor: Frauen brauchen keine Justiz. Dass Frauen Kinder wie Eigentum behandeln, falschbeschuldigen, missbrauchen, misshandeln und morden, all das gibt es nicht in der matriarchalen Religion – die Göttin straft all das allein bei Männern, Frauen genießen spirituelle Immunität. Frauen sind heilig und Männer ihre Diener. Wobei noch nebenbei bemerkt, allein Frauen aber nicht Kinder heilig sind; letztere sind beliebige Verfügungsmasse der Frauen und ganz ihrem Willen ausgeliefert.

Damit ist diese feministische Religiösität auch kein Spiegelbild zu der vermeintlich patriarchalen Religion, selbst dann nicht, wenn in ihr allein Männer hohe Ämter bekleiden dürfen. Denn worauf es ankommt, ist die Lehre in diesem Glaubenssystem, und die Frauen waren und sind zu allen Zeiten höchst einverstanden mit dem, was der Priester dem Mann lehrt, wie er seine Frau zu behandeln hat, nämlich dass er für sie zu sorgen und sie zu beschützen habe – was dazu führt, dass es der Frau stets besser als dem Mann ergeht, der niemanden hat, der für ihn sorgt.

Die patriarchale Religion droht nicht allein Frauen Strafen an, wenn diese schuldig gegenüber Männern werden; sündhaftes und tugendhaftes Handeln wird nicht nach Frauen und Männern unterteilt sondern nach Sündern und Frommen, wobei beides Männer oder Frauen sein können. Der patriarchale Gott zerschmettert nicht allein Frauen und droht nicht allein diesen Rache an.

Ehrlich gesagt frage ich mich, wie man dahin kommen kann, ernsthaft zu denken, Gott würde die halbe Menschheit von seiner Liebe ausschließen. Diese Menschen sind gläubig, wenn ich das richtig sehe, und denken allen ernstes, dass Männer Menschen zweiter Klasse wären, dass sie z.B. keine Rechte als Väter genießen sollen, und das ist nicht spirituell sondern einfach nur pervers. Allerdings wurden und werden im Namen Gottes ja viele Verbrechen begangen, insofern…

Frauenblut und Göttinnenkomplex

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sie es nicht mitbekommen haben: Männer haben was erfunden für die Frauenhygiene, nämlich ein Utensil zur einfachen diskreten Entsorgung von Tampons. Die ganze Geschichte endete damit, dass die Erfinder angesichts eines gigantischen Shitstorms um Entschuldigung bettelten für diesen Akt des „Menstruationsshaming“.

Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass sich mal ein Diskurs etablieren wird, wonach Jungen, Männer die Intimität des Onanierens öffentlich machen sollten, alles andere wäre „Spermashaming“. Wobei: Eigentlich gibt es keinen Grund, sich für menschliche Körperfunktionen und allem, was damit zusammenhängt – Blut, Sperma, Kot –  zu schämen, denn wir alle produzieren das und es ist nur natürlich, wie wohl auch die hier anführen würde:

…bin grad am Scheißen.

Onanieren ist weit stärker stigmatisiert als Menstruieren und damit könnte man ein Problem haben, da das ja ein Akt gegen männliche Selbstbestimmung darstellt. Dennoch wird das alles schambesetzt bleiben und dabei gilt die Formel, dass sich Schwachsinn durch den Verlust von Schamgefühl auszeichnet.

Jetzt ist es aber doch faszinierend, warum um die simple Tatsache, dass Bluten ein intimer Vorgang ist, so ein Bohei gemacht wird. Der Kommentator Beweis vermutet, dass der Grund in männlicher Aneignung läge: Hätten Frauen das Produkt erfunden und vorgestellt, es hätte nicht den Zorn der Selbstgerechten auf sich gezogen.

Ich vermute was anderes, nämlich den Göttinnenkomplex, der hier schon Thema war. Dazu gehört u.a. dass die Frau ihre Kinder als ihr Eigentum begreift und sie dem Vater entfremden; dass sie verfügt, dass die Kinder nur einen Gott, eine Göttin kennen, nämlich sie selbst, die keinen anderen Gott neben sich duldet. Die Frau ist eine Göttin, weshalb es auch lästerlich ist, ihr ein profanes Kompliment zu machen, was folgerichtig eine breite gesellschaftliche Debatte auslöst und Existenzen vernichtet. Wie schreiben die Stinker von Pink-Stinks? So: …dann gebt einen Ratgeber heraus, wie Kerle damit klar kommen können, dass Frauen bluten (via). Es geht darum die Kerle zu erziehen, von deren Urteil sie sich abhängig machen. Natürlich nicht zu sexueller Autonomie, nein: Die Frau ist heilig und alles, was von ihr kommt, ist es ebenfalls, weshalb es sich nicht verstecken sondern geehrt und geheiligt werden soll, womit Kerle, die (angeblich) nicht damit klarkommen, Gotteslästerung begehen, nichts weniger als Blasphemie, und die Menschen sind bereit, für ihre Götter zu töten, womit sich die Morddrohungen erklären, die die Erfinder erhielten.

Filmkritik: „Das brandneue Testament“

Ich werde nur wenig spoilern, besonders das Ende aber nicht.

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„Das brandneue Testament“ erzählt die Geschichte, wie zu den 12 Aposteln 6 neue hinzukommen. Die Apostel der Tochter Gottes, welcher ein gewalttätiger Tyrann ist. Er liebt es, die Menschen leiden zu lassen, allein dazu hat er sie erschaffen und dabei zeigt er große Kreativität beim Erlassen der Gebote, die den Sterblichen zusetzen, zum Beispiel Gebot 2127: „Der für den Menschen notwendige Schlaf wird um 10 Minuten verlängert.“ – womit nebenbei geklärt ist, warum es soviel Leid auf der Erde gibt: Gott ist eben nicht allgütig sondern ein Sadist und unter ihm haben auch seine Tochter Éa und seine Frau zu leiden.

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Eines Tages flüchtet Éa aus ihrer Wohnstätte zur Erde, um, Jesus‘ Rat folgend, ein neues Testament verfassen zu lassen, welches die Geschichte der 6 neuen Apostel erzählt. Gleich zu Beginn trifft sie einen Obdachlosen, der sich erst sträubt, sich dann aber breitschlagen lässt, das brandneue Testament aufzuschreiben. Éa beschreibt, wie er auf sie wirkt: „…sein Schweiß hatte den Geruch von Salz, Knoblauch und Zitrone; seine Haut war wie die einer alten Schlange, die an der Theke einer verlassenen Bar auf ein Glas Blut wartet. Einen Typ wie ihn hätte ich gerne als Vater gehabt.“ Poetik ist ein Merkmal des Films, welche ihm seinen besonderen Charme verleiht.

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Einer der ersten Apostel ist Aurélie, eine wunderschöne Frau, sie ist: eine Schönheit, das Rehlein, die Hammerfrau, die Bombe, das Schmuckstück, die Puppe, die heißeste Nummer des ganzen Blocks. In dem Wohnhaus, in dem sie lebt, sind 7 Männer ernsthaft in sie verliebt, 218 Männer haben einfach Lust, sie flach zu legen. Aurélie hat einen Silikonarm, was noch wichtig ist für die Begegnung mit einem weiteren Apostel: Dem Vollstrecker. Der ist ein Mörder, und das war ihm klar, seitdem er sich als Kind seiner selbst bewusst wurde. Er hat schon unzählige Insekten und auch schon kleinere Tiere getötet; er sagt von sich, er sei ein Fährmann, geschaffen, Leben zu nehmen, das sei seine Berufung. Er wird von Éa aufgefordert, auf Aurélie zu schießen, trifft sie dann, zugleich aber wiederum auch nicht, ein Wunder.

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Der Besessene…

Dann gibt es weiter als Apostel den „Besessenen“. Der ist sexsüchtig schon von Kindheit an, als der Anblick einer Bikinischönheit ihn für’s Leben prägt.

Es ist interessant, dass hier Männer vorgestellt werden, die ein Feminist ohne weiteres in der Schublade „toxisch“ ablegen würde – Gott, der Besessene, der Vollstrecker. Der Film verurteilt die beiden Letzteren aber nicht sondern stellt sie vielmehr als sympathisch dar. Man könnte dem Film leicht Misandrie unterstellen, unter anderem da der (männliche) Gott ein Despot ist, die Göttin hingegen gütig und wohlwollend. Tatsächlich ließe sich dieser Verdacht auch dadurch erhärten, dass eben nur Männer so problematisch wie der Mörder oder der Sexbesessene auftreten. Keine Frau wird in dem Streifen so negativ dargestellt, wie diese Männertypen, von Gott bis zu den Sterblichen. Es lässt mich etwas nachdenklich zurück, dass so negative Männergestalten – der Mörder, der Besessene – vorgestellt werden, sie aber als liebenswert porträtiert werden, das man Verständnis für sie hat, im dem Sinne, dass man einräumt, dass sie sich nach Liebe sehen, Liebe geben und nehmen können. Ich werde da nicht ganz schlau draus und letztlich springt mein Misandrie-Detektor an, empfinde den Film aber dennoch als rundum gelungen, vor allem auch, da in ihm weitere positiv gezeichnete Männerfiguren auftreten.

Alles in allem ein Streifen mit teils poetischer Sprache, Bildern und einem ganz eigenem Charme, ein Kunstwerk.

Der Herr der Ameisen

Ich habe zwei Ameisenfarmen, und die Bewohner kennen mich als „Der Herrliche“. Die eine Farm beherbergt schwarze, die andere rote Waldameisen. Die roten Ameisen füttere ich nur gelegentlich, denn sie sind als Verbrecher geboren, die sich gegen mich versündigt haben oder werden. Die schwarzen hingegen wissen um meine Großartigkeit und so kriegen sie regelmäßig Zuckerwasser und andere Köstlichkeiten.

Ob eine Ameise lebt, stirbt oder auch nur geboren wird, hängt ganz von meinem herrlichen Willen ab. Manchmal nehme ich die Eier der Ungeborenen und esse sie, besonders die Eier der roten, damit sie ihre gerechte Strafe erhalten. Manchmal esse ich auch die Eier der schwarzen, damit sie sie ganz meine Überlegenheit und Herrlichkeit erfahren dürfen.

Manchmal trainiere ich schwarze Ameisen, Gift in die Farm der roten zu transportieren. Sie sterben dabei zwar, aber so beweisen sie sich mir und erfüllen meinen herrlichen Willen und stehen damit in meiner Gnade.

Manchmal nehme ich eine schwarze Ameise und stelle sie unter einem umgestülpten Glas in die pralle Sonne, damit sie dort verdurstet. Das ist ein sehr leidensvoller Tod, aber dadurch erfährt sie die tiefe Gnade meiner Herrlichkeit, so findet sie zu mir. Andere Ameisen hingegen wähle ich aus, damit sie ihr ganzes Leben lang auf einen Zuckerwürfel verbringen dürfen, und sie danken mir meine Vergebung. Manchmal verbrenne ich auch Ameisen mit Lupe, damit alle meine Macht und Großartigkeit erkennen. Manche Ameisen lasse ich von Geburt an hungern, andere dürfen die ganze Zeit die süßesten Geschenke entgegennehmen.

Manchmal schütte ich eine Tasse Wasser über einer Farm aus, um so meine Willen kundzutun. Es ist mir wichtig, dass sie mich fürchten. Es ist mir wichtig, dass sie alle wissen, wie mächtig und großartig und herrlich ich bin.

So ist es wahr, so ist es gerecht.