Archiv der Kategorie: Sprache

Wage es ja nicht, „Neger“ zu sagen!

In der Regel – ich komme aus einem linksalternativen Haushalt – bezeichne ich Schwarze nicht als „Neger“ (mir fällt eine Ausnahme ein, wo mir das doch passiert ist) und erst recht nicht als „Nigger“. Ich habe hierzu das Statement eines Schwarzen in Erinnerung, der sagte, dass „Nigger“ das brutalste Wort ist, das er kenne, die totale Vernichtung – das heißt, ich bezeichne einen Schwarzen nicht mal dann als „Nigger“, wenn ich ihn beleidigen will.

Jetzt aber machen Schwarze die Ansage, dass man nicht mehr „Neger“ sagen dürfe – und ich müsse ihnen jetzt zuhören. Sie wollen mir Vorschriften machen. Ich muss also tun, was sie sagen: Reden, Handeln. Und das ist mit einer massiven Gewaltdrohung verknüpft: Sie drohen mir an, mich totzuschlagen, wenn ich mich nicht an ihr Diktat halte, der ganze Diskurs ist mit einer überwältigenden Gewalt aufgeladen.

„Neger“ war mal ein neutraler Begriff, er hatte keine rassistische oder beleidigende Bedeutung, das hat sich erst in den letzten Jahrzehnten geändert, wobei es auch heute noch einige wenige gibt, die „Neger“ verwenden und zugleich darauf bestehen, das nicht herabwürdigend zu meinen. Auch „Nigger“ war mal kein Tabuwort. Nimmt man z.B. den extrem sehenswerten Film Pulp Fiction, stellt man fest, dass dort ständig von „Niggern“ die Rede ist. Sowohl Weiße (Tarantino) wie Schwarze (Samuel L. Jackson) verwenden den Begriff ohne jede Hemmung in exzessiver Weise. Wenn Jackson von „Niggern“ redet, dann meint er damit aber nicht, dass es gerechtfertigt sei, schwarze Menschen zu versklaven – genau das aber würde ihm heute unterstellt werden.

Eine Rassenhetzerin z.B. meinte, die Verwendung des Begriffs „Neger“ führe zu Versklavung schwarzer Menschen, während man Weiße beliebig beleidigen dürfe, denn das hätte keine solche Konsequenzen. Da steckt soviel Ideologietrunkenheit drinnen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll – z.B. damit, dass auch Schwarze Schwarze versklaven und auch Muslime das bis heute machen – Sklaverei ist entgegen dem Diskurs von Wokoharm nicht ein weißes System sondern ein menschliches. Hierzulande besteht diese Gefahr, dass Schwarze versklavt werden, weil man von „Negern“ spricht, auch nicht. Wenn allerdings Rassenhetzer von Almans oder Kartoffeln sprechen, dann passiert das eingebettet in einem Kontext, in welchen Weiße angeklagt werden, auf Kosten Schwarzer privilegiert zu sein, was zu Rassenhass führt. Man stellt also ihre Lebensweise in Frage und dann passiert es auch mal, dass Schwarze Weiße aus Rassenhass totschlagen – Rassismus tötet eben. Das heißt, nach ihrer eigenen Logik dürften die Rassenhetzer nicht mehr derespektierlich über Weiße sprechen – wegen der Konsequenzen.

Will ich aber den Menschen vorschreiben, nicht mehr „Alman“ zu sagen? Es ist halt eine Beleidigung, erstmal, und nur weil jemand „Alman“ sagt, heißt das ja nicht, dass er zum Mörder wird. Was ist mit „Feigling“? Zu Kriegszeiten dient die Rhetorik, Männer als „Feiglinge“ niederzumachen, dazu, sie zum Krieg zu nötigen oder sie eben als „Feiglinge“ hinzurichten, wenn sie versuchen, sich diesem Zwang zu entziehen – und ich bin ein Feigling. Sollte man „Feigling“ verbieten – wegen der möglichen Konsequenzen? Sollte das Wort „Feigling“ überhaupt nicht mehr verwendet werden, wegen der mörderischen Folgen für Männer? Sie werden bemerkt haben, dass ich das Wort verwende – aber in einen bestimmten Kontext. Ich verwende den Begriff zwar, aber in dem Kontext, dass man Männer, die ihr Leben nicht für die Obrigkeit opfern wollen, nicht als „Feiglinge“ beschimpfen soll. Ähnlich halte ich es mit den Begriffen „Neger“ und „Nigger“ – ich verwende sie zwar, aber in einem bestimmten Kontext – it’s the context, stupid!

Was ist mit dem Schwarzen, der sein Restaurant „Zum Mohrenkopf“ nennt und den Rassenhysterikern widerspricht, dass „Mohr“ inhärent rassistisch wäre?

Nehmen wir dieses Statement:

Der Autor nimmt für sich in Anspruch, für alle Schwarze zu sprechen – was ihm nicht zusteht. Und zweitens gilt das dann für jeden Begriff, den irgendjemand als „höchst abwertend“ empfinden könnte – auch ein Alman hat ein Recht auf Menschenwürde.

Ich bin ein großer Freund der Meinungsfreiheit. Das heißt, ich habe ein großes Problem damit, dass Beleidigungen strafbar sind. Den Menschen ist sowas wie ein Stinkefinger zuzumuten. Ich muss darüber nochmal meditieren, aber ich glaube, alles außer Gewaltandrohungen oder Aufrufe zu Gewalt sollte erlaubt sein. Derzeit erleben wir, dass im Kampf gegen Hassrede die Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt wird. Wie haben mehr und mehr eine porentief reine Sprache in einer Gesellschaft, die aber zugleich ihren Menschen immer größere Härten zumutet, oder wie es Robert Pfaller auf den Punkt brachte: Man redet wie eine Mimose, aber man handelt wie eine Bestie.

Der Chirurg, der seinen Sohn nicht operieren kann

Bestimmt kennen Sie die Geschichte von feministischen Sprachpanschern: Vater und Sohn im Auto, Unfall, Vater tot, Sohn kommt in den OP, Chirurg sagt: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!“ Soll heißen, man hat zu Unrecht an einen Mann gedacht, in Wirklichkeit war es eine Chirurgin. Nur dass es gleich bei der ersten Nennung „Chirurgin“ geheißen hätte – keine Ahnung von Deutsch, setzen sechs. Ach ja: Ich würde lieber von einem alten weißen Mann operiert werden.

Aber so eine Geschichte kann ich auch erzählen:

Die Soldaten konnten es nicht mehr ertragen, wie ihr angeschossener Kamerad unter unerträglichen Schmerzen schrie. Nach dem Tod nahmen sie dem Soldaten die Hundemarke ab, auf der der Name „Sonja Wagner“ stand.

Schätze, dieses Beispiel wird es nie ins feministische Repertoire schaffen, da Unsichtbarmachung von männlichen äh,.. „Nachteilen“ die Agenda bestimmt.

Geschickt gendern!

In einem Leitfaden mit dem Titel „Geschickt gendern“ heißt es, man solle statt Spion „auskundschaftende Person“ sagen und statt Abiturient „abiturablegende Person“.

Erstmal sind das enorm sperrige Begriffe, zweitens ist ein Abiturient auch dann noch so einer, wenn er gerade nicht das Abitur ablegt, Spion dito. Aber ich hoffe echt, dass die nicht dahinterkommen, wie man tatsächlich geschickt gendert. Das könnte selbst ich besser.

Zur Abwechslung: Queerer Veganer zum Thema Gendern

Queerer Veganer:

Stern und Doppelpunkt sind wohl gut gemeint. Doch als schwuler Mann fühle ich mich durch die Gendersprache eher sexualisiert und markiert. Sie macht alles nur noch schlimmer. Wir werden auch ohne Wokeness Wege des Zusammenwachsens findet. Bitte liebe ARD, gefährden Sie diesen gesellschaftlichen Prozess nicht, indem Sie durch groteske Sprachexperimente mit dafür sorgen, dass gegenderte Inhalte oder die Probleme der LGBT-Gruppe von einer genervten Mehrheit nicht mehr ernst genommen werden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist einer der letzten großen gemeinsamen Nenner unseres Landes. Es liegt in Ihrer Verantwortung, ob dieses auch in Zukunft so bleibt.

Gendergerecht! Und ganz frei und frei verhandelt!

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen, Beweis:

[Kontext: Es geht um den Vorschlag, dass man mit Schulkindern „gendergerechte“ Sprache aushandeln sollte]

Ich stelle mir so eine klassenlehrende Zofe vor, die ihre 15-jährigen Schüler befragt, ob denn künftig im Unterricht gegendert werden solle oder nicht. Zwei Drittel haben Schiss vor ihr und stimmen für Ja.
Die Jungs aus dem verbleibenden Drittel haben ihre Zukunft weitgehend verwirkt. Ihnen wird klargemacht, dass sie gegen Gerechtigkeit seien. Und wer gegen Gerechtigkeit ist, der ist ja ungerecht, dazwischen gibt es nichts.
Als Ausgestoßene stehen sie nunmehr auf dem Schulhof immer nur unter sich, denn die anderen Schüler haben Angst, mit ihnen gesehen zu werden und schneiden sie.

Baerbock fühlt sich nur mitgemeint…

Baerbock will im Fall, dass sie Kanzlerin wird, auf geschlechtergerechte Sprache auch bei Gesetzestexten achten. Die Politikerin im „Tagesspiegel“: „Ich will Politik für alle Menschen machen und das bedeutet, auch alle mit anzusprechen – und nicht nur mitzumeinen.“

Als erstes: Es war ein Irrtum, dass generische Maskulinum „Maskulinum“ zu nennen, womit es zur falschen Interpretation kam, es würde Männer nicht nur nicht mitmeinen sondern direkt ansprechen.

Das tut es nämlich nicht.

Es gibt eine Form, die ein Geschlecht direkt anspricht, und zwar -in, welche das weibliche Geschlecht direkt adressiert. Männer hingegen sind im falsch benannten generischen „Maskulinum“ nur mitgemeint – ganz wie Frauen. Will man die Männer direkt ansprechen, muss man das Adjektiv „männlich“ verwenden: Der männliche Bürger erleidet viele, auch tödliche, Nachteile.

Student*innen-außen-futter und verletzte Gefühle

Edeka nennt eines ihrer Handelsgüter „Student*innenfutter* (via) und ein ungeheuer progressiver Mensch fragt dazu:

„Welche Gefühle genau verletzt #Gendern eigentlich?“

Das ist die falsche Frage. Die richtige Frage ist, aus welchen verletzten Gefühlen heraus manche Menschen mit Komplexen missmutig und neidisch auf den Weltenbauer und Sternenfahrer Mann schielen und an der Sprache herumdoktern im vergeblichen Versuch, das Gefühl der Minderwertigkeit zu überwinden. Sie wollen wie der Mann sein, können es aber nicht und pfuschen so an der Abbildung der Realität herum.

…an Männer denken

Die feministische Gedankenpolizei will das Denken kontrollieren, denn die Leute denken falsch, wenn sie einfach so daherreden; sie denken an Männer, wenn es z.B. heißt: „Wer pinkelt im Sitzen?“ Deswegen brechen sie in die Sprache ein und besudeln sie, indem sie auf den Teppich machen und damit klarstellen: Wir sind hier, das ist unser Revier und Du hast dich unserer Macht zu beugen.

Die Strukturen und Normalitäten unserer Gesellschaft kämen zustande durch einen patriarchalen Sprachgebrauch, konkret dem sogenannten generischen Maskulinum, welches durch den Umstand, dass es eine exklusiv-weibliche Form gibt, in den Verdacht geriet, Männer zu bevorzugen.

Das ist Nonsense, auch in Sprachen ohne Genus denkt man bei Bauarbeitern an Männer. Denn das ist die Realität, die Wahrheit, die Substanz nach der sich die Sprache und das Denken richtet. Indem Feministen nun an der Wirkung, also der Sprache, herumpfuschen, hoffen sie, die Realität zu ändern, damit auch Frauen sich mit Ruhm bedecken. Deshalb werden aus Bergmänner Bergleute und Feuerwehrmänner Feuerwehrleute (nur die Müllmänner durften Müllmänner bleiben, den Feministen gefällt es, Männer in die Nähe von Müll zu rücken) – nur dass Frauen in beiden Berufen überflüssig sind, nichts tragend substantielles beizutragen haben. Die Manipulation der Wirkung wird die Ursache nicht ändern.