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Crumar über Transsexualität und Feminismus

Crumar:

Mit der Aussage, „Transaktivismus (sei) radikal antifeministisch“ habe ich ein Problem, denn [… es …] werden alle anderen Glaubensgrundsätze des Radikalfeminismus nicht in Frage gestellt.
Die Existenz eines „Patriarchats“ bspw., das Frauen unterdrückt wird explizit übernommen.

Dann hat Lucas bereits festgestellt (meine Herv.): „Dass Transsexualität in den vergangenen Jahrzehnten in den Fokus geschlechterpolitischer Überlegungen rückte, lässt sich mit dem winzigen Anteil Transsexueller an der Bevölkerung eigentlich kaum begründen. Transsexuelle können aber, da sie die binäre „Zwangsordnung“ (Unbehagen, 22) zu unterlaufen scheinen, als Avantgarde einer Menschlichkeit erscheinen, die sich von dieser Ordnung befreit hat. Transsexualität wird damit zum politischen Symbol, zum Vorschein eines irgendwie reineren, unschuldigeren Menschseins.“
https://man-tau.com/2019/04/09/butler-feminismus-institutionen/#bin123

Womit die Funktion als Avantgarde und politisches Symbol (Heilserwartung) aber nichts über das irdische Jammertal aussagt, in denen (biologische) Frauen in einem „Patriarchat“ per se unterdrückt sind.
Butler schreibt zur Geschlechtsidentität als Begründung einer feministischen (!) Identitätspolitik, die ich nachfolgend politisch lese, „daß sie eine Begrenzung und Einschränkung der Möglichkeiten bewirken, die der Feminismus eröffnen soll.“ (a.a.O., 215)

In „Understanding Victimhood Culture“ erläutern Campbell und Manning, diese und damit der intersektionale Feminismus (in bürgerlicher Fassung) basiert auf „a moral hierarchy, with white people being at the bottom and oppressed or marginalised people (victims) being at the top.“

Strategisch eröffnen sich also drittens mit dem Bündnis der „Unterdrückten“ in diesem (!) frame völlig neue Möglichkeiten, politische Forderungen/Programme und natürlich das theoretische Modell selbst durchzusetzen.
Welches u.a. die privilegiertesten Frauen noch zu einer marginalisierten und unterdrückten „Klasse“ macht und den Mann in den elendsten (sozialen) Umständen eine irreale Macht verleiht.
(Der Klassiker: Kein Bezug zur empirischen Realität)

Der Voluntarismus der Geschlechtsidentität entspricht scheinbar dem Voluntarismus der „Moralhierarchie“, aber wenn Seerose als feministisches Ziel ausschreibt: „Vielmehr geht es um das generelle ZIEL: AUFLÖSUNG DER GESCHLECHTER.“
Dann sollten wir uns fragen, wie das in diesem Kontext gehen soll.

Dass Transsexuelle an die Spitze einer Moralhierarchie gelangen können heißt zunächst einmal nur, sie erlangen einen Statusgewinn als Gruppe (kollektive Opferidentität).
Was aber kein Jota daran ändert, dass viertens alle Merkmale, die diese Moralhierarchie prinzipiell konstituieren biologischer Natur sind.
Auch wenn wir die charmante Interpretation wählen, es handle sich bei dieser intersektionalen Moralhierarchie um die bloße Umkehrung einer existierenden Statushierarchie, dann ist sie das Abbild der so (!) wahrgenommenen Herrschaftsverhältnisse.

Wie funktioniert „männliche Herrschaft“ aber ohne eine Gruppe mit dem biologischen Merkmal „Mann“?
Auch ein „männliches Prinzip“, „männliche Strukturen“, „männliches Denken“ identifiziert immer das Geschlecht, welches diesem „System“ zugrunde liegt.
Kurz: Sie können die Geschlechter gar nicht auflösen, selbst wenn sie das wollten – was ich ohnehin in Frage stelle.
Erst die Durchsetzung einer Defizitperspektive auf den Mann schafft die (Selbst-) Erhöhung von Frau – das ist doch die Ironie. Sie konstruieren sich als das (bessere) Andere und damit logisch als das andere Geschlecht. Aus dieser Nummer kommen sie nicht raus.

Magarete Stokowski: „Diversität im Schlafzimmer“

Magarete-„Frauen-wollen-ihre-Vulva-zurück“-Stokowski, die sehr gut darin ist, feministische Totalitarismen zu verschleiern und damit ihre Leser in die Irre zu führen:

Petersons claim to fame ist es, dass er [Jordan Peterson] sich 2016 von den Plänen der kanadischen Regierung unterdrückt fühlte, ein Gesetz einzuführen, das Transgender vor Diskriminierung durch falsche Bezeichnungen schützen soll. Peterson befand sich davon in seiner Redefreiheit eingeschränkt. […] Stattdessen viel Platz für Beobachtungen wie diese: „Aber gerade die radikale Linke hat einen Knoten in der Unterhose wegen der sexuellen Übergriffe. Die #MeToo-Bewegung ist überall. In 20 amerikanischen Staaten haben wir Gesetze, die die ausdrückliche Zustimmung zu Sex regeln.“ Ja, grausame Zeiten, in denen man Leute nicht ungefragt vögeln darf.

…hat einen neuen Coup gelandet:

Während Transsexuelle vor falscher Anrede geschützt werden und verschiedene Städte das bloße Mitmeinen der halben Bevölkerung in der Amtssprache unterbinden, sieht es in vielen Schlafzimmern immer noch so aus, als ob wir uns im dritten Reicht befänden, unter der Herrschaft von Nazis, die die vielfältigen, diversen Geschlechter auf zwei reduzierten und damit eine binäre Ordnung durchzusetzten. […] Es ist falsch, Transsexuelle oder Frauen sprachlich zu diskriminieren und genauso ist es falsch, die heteronormative Zwangssexualität im Bett zu reproduzieren. […] Hier im Schlafzimmer, beim Liebesspiel, das für viele Frauen weniger Vergnügen als ein Joch ist, wird die letzte Schlacht geschlagen, gewinnen die diversen Geschlechter abseits der Binarität an Leben. Wenn hier, im Intimen, die Alternativen zur Zweigeschlechtigkeit nicht durchgesetzt werden, sind sie auch im Alltäglichen chancenlos. Insofern ist es nur konsequent, für den Sex die Anwesenheit mindestens eines Trans- oder Intersexuellen vorzuschreiben. Die Klage der Mimosenmänner, die sich jetzt schon von selbstbewusst-sexuellen Frauen bedroht sehen, und ihre Angst, nicht mehr den einzigen Ständer im Raum zu haben, wird natürlich nicht lange auf sich warten lassen, kann aber getrost ignoriert werden.