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Billy Coen und Lucas Schoppe: Regelmodell und „Allen Kindern beide Eltern“

Kommentare, zu wertvoll, um sie in Versenkung verschwinden zu lassen.

[Kontext] Es geht um die Lüge, dass es angeblich kein Regelmodell gebe, welches das Recht des Kindes auf beide Eltern einschränkt.

Billy Coen:

Zu dem von dir abgebildeten und kommentierten Tweet von Barley: Dieses Argument ist mir in letzter Zeit vielfach untergekommen und ich empfinde es aus noch anderer Perspektive, als das von dir Beschriebene, für einen extrem verlogenen Versuch des Framings der öffentlichen Meinung. Nicht nur, dass durch wohlfeiles Geschwätz mit Verweis auf „was für die Kinder im Einzelfall wichtig ist“ versucht wird, das Wechselmodell als diesen Interessen potentiell monolithisch im Wege stehend darzustellen, womit klar versucht wird, alleine schon durch das übliche „UND WANN DENKT ENDLICH MAL EINER AN DIE KINDER???“ (Copyrights by Helen Lovejoy – „The Simpsons“) über emotionale Beeinflussung die Meinung zu dem Thema zu den eigenen Gunsten zu steuern.

Diese Aussage stellt nämlich darüber hinaus geradezu eine dummdreiste Lüge dar, spätestens wenn sie aus dem Munde einer Justizministerin kommt, die von Amtswegen her eigentlich wissen müsste, DASS WIR IN DEUTSCHLAND EIN REGELMODELL HABEN! Eines, welches sie und ihre Parteigenossen seit Dekaden mit gezückten Krallen gegen jeden Angriff verteidigen. Und auch ihr – wie gesagt – wohlfeiles Geschwätz stellt nichts anderes dar, als einen weiteren Versuch, Angriffe auf diesen Status Quo möglichst schon im Keim zu ersticken.

Und wer mit teils abstrusesten Beispielen kommt aus dem Bereich „das Herrchen des Hundes, mit dem der Neffe des Schwagers meiner Cousine gelgentlich spielt, hat mal gehört, dass…“, um aufzuzeigen, wie unmöglich es doch bei all den Einzelschicksalen wäre solch ein Regelmodell zu installieren – obwohl in Wahrheit schon längst eines installiert ist, welches dadurch nur ersetzt werden soll – ist in einer politischen Debatte nach meiner Meinung nicht mehr Ernst zu nehmen.

Was damit wegzuquatschen versucht wird, ist nämlich, dass das existierende Regelmodell so ausgelegt ist, dass es Eltern von Anfang an in oppositionelle Positionen bringt, weil es nur die Frage kennt „wer bekommt das Kind und wer bezahlt und darf das Kind hin und wieder vielleicht mal sehen“. Das heißt, dass sie derzeit, sollten sich die Eltern nicht von Anfang an harmonisch selbst organisiert haben, bei eventuell anfänglich nur geringfügigen Differenzen institutionell geradezu gegeneinander aufgehetzt werden. Das – trotz Barleys Gequake – EXISTENTE Regelmodell ist also ein beständiger Durchlauferhitzer für in vielen Fällen vielleicht anfangs noch vermittelbare Differenzen. Das Wechselmodell als Regelmodell würde schon alleine psychologisch das Gegenteil darstellen, denn es würd ja eben als Regel die gemeinschaftliche, gleichverteilte Kindessorge als Basis nehmen und nur davon abweichen, wenn konkrete Gründe dagegen vorlägen, wie zum Beispiel fehlendes Interesse bei einem der Elternteile oder auch dass sich ein Elternteil verhaltensbedingt von vornherein als regelmäßig Erziehungsverantwortlicher selbst ausschließt.

Wenn man sich mal anschaut, wer so derzeit vom existierenden Regelmodell mehrheitlich klar profitiert, lässt sich gut mutmaßen, in wessen Zungen die den Status Quo verteidigenden Fraktionen so derart engagiert sprechen.

Lucas Schoppe:

„dass das existierende Regelmodell so ausgelegt ist, dass es Eltern von Anfang an in oppositionelle Positionen bringt“ Ich glaube, dass ist DER wesentliche Punkt. Die Diskussion wird dann tatsächlich so geführt, als ob die Rechte des einen Elternteils (gewöhnlich die Mutter) nur dann gewahrt werden können, wenn die Rechte des anderen (gewöhnlich der Vater) weitgehend ignoriert werden.

Wenn es tatsächlich um das Kind und das gern beschworene Kindeswohl ginge, wäre das nicht möglich. Denn dem Kind sind natürlich beide Eltern wichtig, und wenn die miteinander im Konflikt stehen, dann geht der Konflikt mitten durch das Kind – und ist dort völlig unlösbar. Wer tatsächlich das Kind in den Mittelpunkt stellt, wird in jedem Fall dafür eintreten, dass Verhältnis zwischen den Eltern so zu gestalten, dass beide damit gut leben können – ohne im beständigen Konflikt zu sein.

Wie das bei ungleichen Rechten funktionieren soll, hat noch nie irgendjemand aus den diversen Müttervereinigungen erklären können.

Hier finde ich die Väterpolitik denn auch tatsächlich deutlich sinnvoller. Die setzt dem „Das Kind gehört zur Mutter“ ja kein „…nein, es gehört zum Vater“ entgegen – sondern, in einem Väteraufbruch-Slogan: „Allen Kindern beide Eltern“.

#EsGibtNurEinZuhause

Screenshot_2019-02-05 FSI auf Twitter Skandal um Anhörung im Rechtsausschuss des Bundestages am 13 02 209 Zur Anhörung Wech[...]

Es wird nicht gerade Propaganda damit betrieben, aber in Deutschland genießen Mütter monströse Macht. Die Macht, den Vater aus dem Leben ihrer Kinder auszulöschen oder zu einem besseren Wochenendonkel zu machen. Diese Machtkonstellation zeigt nebenbei auch, was vom Mythos zu halten ist, wonach mit mehr Frauen an der Macht die Welt eine bessere sei. Denn in der Trennung haben Frauen die Macht, Macht über Kinder, und wie verhalten sie sich? Wie die letzten Säue. Aber zurück zum Thema: Gegen Machtverhältnissen, die auch für Kinder schädlich sind, kämpfen seit Jahrzehnten Trennungsväter, Zweitfrauen und Väterrechtler. Ihre Alternative zur mütterlichen Allmacht ist das Wechselmodell. Dabei haben sie die internationale Forschungslage im Rücken: Selbst wenn die Eltern zerstritten sind, ist es für die Kinder besser, wenn ihnen nach der Trennung beide Elternteile erhalten bleiben als einen – also meist den Vater – zu verlieren. Das heißt, das Wechselmodell steht für Gleichberechtigung und Gleichstellung, das also, was Feministen angeblich anstreben.

Dazu gab es in der jüngeren Vergangenheit Initiativen, das Wechselmodell als Leitbild im Trennungsfall durchzusetzen. Sie sind gescheitert. Unter anderem aufgrund einer mächtigen Mütterlobby, die ihrer Pfründe sichert und nicht das geringste Interesse an Gleichberechtigung hat. Einer ihrer Slogans lautet: #EsGibtNurEinZuhause. Und den finde ich so schön, denn er ist herrlich selbstentlarvend, denn er offenbart diese Machtverhältnisse: Die, die ihn verwenden sind sich dessen sicher und bewusst, dass dieses „eine“ Zuhause bei der Mutter ist.

Dieses eine Zuhause findet sich dann nicht mehr beim entsorgten Elternteil, also in der Regel beim Vater. Das Zuhause ist der Ort, wo man mit seiner Familie lebt, wo man ist, wenn man nicht auf Arbeit ist, wo man Liebe gibt und nimmt, wo man Nestwärme empfängt, wo man sich zur Ruhe bettet. All das findet sich dann also nicht mehr beim Vater, das Trennungskind ist dann bei seinem Vater nicht mehr zu Hause – der Vater gehört nicht mehr dazu. Dass dem so ist, wurde durch die Muttermacht arrangiert. Für das Kind, das eine Trennung durchlebt, bedeutet das eine grundlegende Weltveränderung. War das Zuhause vorher ein Ort, zu dem auch der Vater gehörte, ist es das nun nicht mehr. Mütterliche Macht hat das Zuhause verstümmelt – und zwar auch gegen die Bedürfnisse und den Willen der Kinder.

Überflüssig anzumerken, dass Mütterlobbyisten den Slogan #EsGibtNurEinZuhause nicht verwenden würden, wenn wir in einem echten „Patriarchat“ leben würden, wenn also der Vater die bestialische Macht hätte, die Mutter aus dem Leben „seiner“ Kinder zu tilgen. Ein Verbrechen übrigens, wie es auch häufig in der Sklaverei anzutreffen ist, auch hier werden Eltern und Kinder oft willkürlich getrennt. Wenn Mütter mitsamt ihren Kindern von solcher Gewalt betroffen wären, wären sie nicht für #EsGibtNurEinZuhause sondern für „Gleichberechtigung und Gleichstellung“. Dieser Hashtag ist sexistisch und die, die ihn verwenden, sind Geschlechterrassisten, die nur ihre eigenen Interessen verfolgen und dabei auch über die Kinder trampeln.